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Dresden

Luftnot für Krebszellen

Ob Entzündung oder Tumor – die Sauerstoffregulation öffnet neue Wege in der Therapie. In Dresden wird das nun ausprobiert. 

Ben Wielockx
Ben Wielockx © PR

Das Atmen begleitet den Menschen ein Leben lang. Zwölf- bis 15-mal pro Minute holt er Luft, um seinen Sauerstoffbedarf von etwa einem halben Liter in der Minute zu decken. Ein weit verzweigtes Gefäßsystem versorgt jede Zelle des Körpers. Er braucht den Sauerstoff, um zu überleben. Allerdings ist der Bedarf in den Zellen ganz unterschiedlich. Ob Immunsystem, Tumorzellen, Bakterien – jede Zelle reagiert anderes, wenn der Sauerstoff reduziert wird oder es plötzlich ein Überangebot gibt. Genau dieser Effekt soll nun eine neue Art der Krebstherapie ermöglichen.

„Ursprünglich komme ich aus Belgien, da ist der höchste Berg nicht mal 700 Meter hoch“, erzählt Ben Wielockx von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. „Vielleicht interessiert es mich deshalb schon lange, wie sich Zellen verhalten, wenn in großer Höhe die Luft knapp wird.“ Sie haben dann Stress und produzieren andere Proteine, um zu überleben. Er und sein Team haben sich angeschaut, wie Krebszellen reagieren. „Wir konnten im Modell sehen, dass Tumore erst mal circa zwei bis drei Kubikmillimeter wachsen und plötzlich stagnieren.“ Danach ginge es darum, Eiweiße zu bilden und diese in die Umgebung zu schicken, um ein Gefäßsystem wachsen zu lassen, das Sauerstoff zum Tumor bringt. Erst jetzt ist der Tumor in der Lage, sich vom Körper versorgen zu lassen. Genau ab dem Moment teilen sich die Tumorzellen immer schneller.

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Deshalb gab es lange Zeit die Idee, einfach die Sauerstoffversorgung zu drosseln, damit Krebszellen nicht weiterwachsen. Ein Plan, der nicht aufgeht. Denn auch für die Immunzellen bleibt so die Luft aus. Und der Stress, der durch eine Unterversorgung der Zellen ausgelöst wird, bringt auch eine Aktivierung mit sich. Kommt es zu einer solchen Reaktion im Tumor, führt das zu einem schnelleren Wachstum – mit gravierenden Folgen. „Deshalb geht es für uns darum, die richtige Dosis zu finden und den Sauerstoffmangel zu regulieren“, erklärt der Professor. Ein möglicher Ansatz ist es, wenn die Sauerstoffsensoren aus dem Tumor entfernt werden und die Information an das Gefäßsystem ausbleibt, dass an dieser Stelle mehr Sauerstoff gebraucht wird.

Zwar interessieren sich schon heute einige Firmen für diese Idee. „Allerdings haben wir noch nicht den Schritt zum Patienten unternommen – im Modell hat es auf alle Fälle funktioniert“, sagt Wielockx. Diese Forschung sei deshalb so interessant, weil sie überall dort einen Therapieansatz liefert, wo Sauerstoff eine Schlüsselfunktion einnimmt. Beispielsweise bei einer fortschreitenden Arthrose. Da konnten ganz ähnliche Phänomene beobachtet werden. (jam)

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