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Lust und Frust beim Altstadtfest

Anwohner Jens Jäschke bemängelt fehlende Parkplätze und ein Zittauer richtet eine Ruhezone im Getümmel ein.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Matthias Klaus

Jens Jäschke hat einen Tipp für Stadtbesucher auf Lager: „Wer dieser Tage gerne mal mit dem Pkw in Richtung Görlitz-Altstadt starten möchte, sollte das lieber nicht tun.“ Nein, gegen das Altstadtfest habe er gar nichts. „Das ist eine tolle Sache“, sagt der Vermieter von Ferienwohnungen an der Brüderstraße. Auf Facebook macht er seinem Ärger Luft. „So schön wie das Fest auch sein mag, so hat man als Tourist oder Anwohner mit mehreren ,Repressalien’ zu rechnen“, schreibt er. Eine Einschränkung sei, dass der nächtliche Schlaf während des Festes „sich nunmehr auf etwa drei Stunden reduzieren kann, da sich das sehr lautstarke Fest inoffiziell bis in die tiefe Nacht“ ausdehne. Nachdem dann eventuell der Lärmpegel gewichen ist, kommt in der Nacht so gegen 4.30 oder 5 Uhr die Putzkolonne, um mit Laubsaugern, die Straßen und Plätze von ihrem nächtlich angesammelten Müll zu befreien. Das dauert dann etwa drei Stunden, was wiederum auf die Uhrzeit acht Uhr am frühen Morgen, hinweist“, ärgert sich Jens Jäschke. „Die Laub- sauger haben wirklich einen sehr hohen Lärmpegel. Und das mitten in der Altstadt“, sagt er. Jens Jäschke kennt diese Prozedur aus vergangenen Jahren. „Das ist nur eine nette Begleiterscheinung, die von Außenstehenden natürlich nicht wahrgenommen wird, weil es sie ja nicht betrifft“, schildert er.

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Noch viel ärgerlicher sei aber die Parksituation für die Anwohner während des Altstadtfestes. Im Umkreis von zwei Kilometern habe man kaum eine Chance auf einen Stellplatz, so Jens Jäschke. „Die Chance auf einen Parkplatz würde sich erhöhen, wenn, ja wenn es da nicht solche ganz schlauen Leute bei der Stadtverwaltung gebe, die genau an diesen ,Festtagen’ und davor dafür Sorge tragen, die Straßenreinigung in den umliegenden Straßen wie Hugo-Keller-Straße, Nonnenstraße und so weiter, durchführen zu lassen. Ich muss schon sagen, das Fest strotzt nur so von Abstimmung der einzelnen Ämter mit dem Veranstalter“, schreibt Jens Jäschke sarkastisch. Er wolle auf keinen Fall als Miesepeter dargestellt werden, der dem Altstadtfest nichts abgewinnen könne. „Im Gegenteil, das ist eine tolle Sache. Aber ein wenig Vorausschau seitens der Stadtverwaltung wäre schon angebracht“, sagt er der SZ. Er plädiert für einen Großparkplatz am Rande der Stadt, am Flugplatz. „Dann könnte ein Shuttlebus eingerichtet werden, die Parkplatzsuche für die Gäste entfällt und alles wäre entspannter“, sagt Jens Jäschke.

Entspannen ist auch das Thema von Reiner Michel vom Literaturhaus, der Alten Synagoge, Langenstraße. „Wir wollen einen Ruhepunkt im Trubel des Altstadtfestes setzen“, sagt er. Deshalb kann man am Sonnabend ab 9 Uhr bei Reiner Michel zum Buch greifen. Die Zusammenarbeit mit einem Antiquariat aus Zittau macht es möglich. „Wir versuchen das zum ersten Mal, vielleicht funktioniert es ja“, sagt Reiner Michel. Wenn, dann könnte er sich eine weitere Kooperation durchaus vorstellen. Vielleicht könne das Ganze ja auch zu einer regelmäßigen Veranstaltung werden, hofft er. „Uns geht es nicht vordergründig darum, Geld einzunehmen“, sagt Reiner Michel. Literaturinteressenten sollen einfach in lockerer Atmosphäre in Büchern blättern, dabei auch Saft, Limo und Bier genießen.“

Andreas Heimberg aus Zittau ist dabei sein Partner. Er betreibt ein Antiquariat am Mandauer Berg. „Ich kenne Reiner Michel schon seit Längerem“, sagt der Zittauer. Er plant einen lockeren Bücherflohmarkt am Sonnabend an der Langenstraße in Görlitz. „Wenn es funktioniert, kann ich mir vorstellen auch noch am Sonntag nach Görlitz zu kommen“, sagt Andreas Heimberg. Bisher ist erst einmal der Sonnabend bis 20 Uhr eingeplant. So oder so: Die Kulturservcie GmbH wirbt mit etlichen Höhepunkten für das Altstadtfest, etwa den griechischen Abend, das Fest in Zgorzelec. Dort findet zeitgleich mit dem Altstadtfest das Jakuby-Fest statt. „Auf polnischer Seite gibt es Straßentheater, kleine und große Konzerte und jede Menge leckere Speisen“, wirbt Barbara Szutenbach vom Dom Kultury in Zgorgzelec. Ähnlich wie in Görlitz sind zudem Kunsthandwerker und jede Menge Verkaufsstände zu erwarten.

Um die Finanzierung des Festes in Görlitz zu sichern, gibt es wieder den Altstadt-Pin zu kaufen. An den drei Festtagen sind sieben Verkaufsstellen geöffnet, fünf Stände werden durch Ehrenamtliche aus Vereinen besetzt. Die Verkaufsstellen befinden sich an der Steinstraße, dem Obermarkt, dem Untermarkt außerdem an der Nikolaistraße.