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Lustgarten-Festival vor dem Aus

Die Bunte Republik Neustadt feiert 2015 ihren 25. Geburtstag. Doch von Vorfreude ist bei den Organisatoren wenig zu spüren.

© Archivfoto: Sven Ellger

Von Ulrike Kirsten

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Es passiert selten, dass es Mirko Sennewald die Sprache verschlägt. Aber dieses Mal ist die Lage ernst. Dass es für das Lustgarten-Festival des Vereins Kultur Aktiv und die Aluna-Bühne bei der Bunten Republik Neustadt (BRN) 2015 schwierig werden würde, war dem gebürtigen Dresdner bereits im vergangenen Jahr bewusst. Zum letzten Mal fand das Festival 2014 zwischen Böhmischer und Bautzner Straße statt. In diesem Jahr muss es nun Neubauten weichen, die derzeit auf dem Grundstück entstehen.

Mirko Sennewald hatte sich schon vor einem Jahr Gedanken gemacht und nach einer Lösung gesucht, im Rathaus angefragt. Seiner Idee hat die Stadt nun aber endgültig eine Absage erteilt. Auf dem ehemaligen Russensportplatz, dem westlichen Teil des Alaunparks, den die Stadt 2013 vom Freistaat gekauft hatte, wird definitiv kein Lustgarten-Festival gefeiert. „Es gab im Vorfeld der Entscheidung intensive Abstimmungen. Die Stadt hat sich die Absage nicht leicht gemacht, lehnt aber eine Ausdehnung des Festgeländes aus mehreren Gründen ab“, sagt Rathaussprecher Kai Schulz.

So werde die Fläche des westlichen Alaunparks derzeit neu erschlossen und beplant. Deshalb ist sie noch nicht für Besucher freigegeben. „Wir können das Anliegen des Veranstalters nachvollziehen, sehen aber keine Möglichkeit außerhalb des Festgeländes die Nutzung zu erweitern“, sagt Schulz. Doch das zuständige Grünflächenamt hat noch weitere Bedenken. „Eine weitere Veranstaltung im westlichen Teil des Alaunparkes würde zusätzliche Besucherströme auslösen, die eine Sperrung des Bischofsweges erfordern würde“, so Schulz. Dessen wichtige Funktion als Zu- und Ausfahrt sowie als Fluchtweg würde somit gefährdet werden. Eine Erweiterung des Festgebietes erschwere zudem die polizeiliche Beherrschbarkeit des Festgeländes erheblich. „Das sorgt für zusätzliche Lärmbelastungen der Anwohner und mögliche damit verbundene Konflikte und schafft einen Präzedenzfall hinsichtlich der Benutzung des Alaunplatzes.“

Für die BRN könnte es nun eng werden. „Seit Juli haben wir gemeinsam mit Ortsamtsleiter André Barth nach anderen Flächen gesucht. Aber alle, die infrage gekommen wären, werden schon jetzt oder künftig bebaut“, sagt Mirko Sennewald. Von städtischer Seite sind die Möglichkeiten deshalb auch begrenzt. „Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine geeignete städtische Fläche im Festgelände. Und über private Flächen können wir nicht verfügen“, so Stadtsprecher Schulz.

Findet das Festival tatsächlich nicht statt, verliert die BRN zu ihrem Jubiläum die letzte große Oase mit internationaler Musik und gemütlichen Ecken zum Verweilen. Zehn Jahre lang war das Festival ein Ort zum Treffen, der Kultur und wichtiger Rückzugsort für Familien – alles bei freiem Eintritt. Die Müllentsorgung übernahm der Verein Kultur Aktiv auf eigene Kosten. Mittlerweile hat der Kommerz das Fest längst erobert. Kulturelle Beiträge, für die die BRN einst stand, sind zu einer Rarität geworden. Die Neustädter Ortsbeiräte wollen sich deshalb für den Erhalt des Festivals stark machen. „Immer mehr Bühnenflächen fallen weg. Ob am Espitas oder Achims Trödelhof, Entspannungsbereiche wird es kaum noch geben, die brauchen wir aber unbedingt. Nur weil alles enger wird, werden nicht weniger Menschen kommen“, sagt Ulla Wacker (Grüne).

Die meisten Ortsbeiräte können die Begründung von Polizei und Stadt, das Gelände sei weniger kontrollierbar, wenn im Alaunpark Konzerte stattfänden, nur schwer nachvollziehen. Stattdessen würden sich die Besucher besser verteilen. „2013 musste die BRN wegen Überfüllung geschlossen werden. Verlagert sich alles ein Stück gen Norden, entzerrt sich das Ganze“, sagt Marco Joneleit (Grüne). Die Lustgarten-Organisatoren wollen deshalb noch nicht aufgeben. „Wir suchen weiter. Vielleicht findet sich doch noch eine Lösung“, sagt Mirko Sennewald.

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