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Lustiger Härtetest

Beim Dresdner Neujahrsschwimmen absolvierte ein SZ-Redakteur 400 eiskalte Meter.

© Norbert Millauer

Von Peter Hilbert

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Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Diese Frage stellte ich mir gestern Morgen, als ich meine Sachen zusammenpackte. Mein Ziel: das Neujahrsschwimmen an der Augustusbrücke. Bereits seit 1998 wird die lustige Aktion von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft Dresden (DLRG) organisiert. Eigentlich sollte sie bereits am 11. Januar starten. Doch zum wiederholten Male musste der winterliche Härtetest wegen Hochwassers verschoben werden. Das erläuterte DLRG-Sprecher Dominic Lorenz, als ich mich am Freitag kurzentschlossen noch angemeldet hatte. Deshalb wurde der sportliche Höhepunkt jetzt zum Neujahrs- und Faschingsschwimmen deklariert.

Bilder vom 17. Neujahrsschwimmen

Ein Trubel bunt kostümierter Winterschwimmer empfängt mich am Elbufer neben der Augustusbrücke. „Vier Grad Wassertemperatur“, verkündet der Sprecher. Das kann ich mir noch gar nicht richtig vorstellen. Zumal ich vor einem knappen Monat noch in Kapstadt war, dort unter der sengenden Sonne des südafrikanischen Sommers einen Marathon absolvierte. Ein Jahresauftakt der Extreme. Aber zumindest macht es mir Mut, dass die meisten Mitschwimmer hier alles ganz gelassen sehen. So auch Bernhard Clemens, der direkt neben mir vor der Bühne steht. Der 67-jährige Dresdner ist ein erfahrener Winterschwimmer, der regelmäßig im Radebeuler Lößnitzbad trainiert. 15-mal hat er hier schon mitgemacht. „Jedes Mal mit einem anderen Kostüm“, berichtet Clemens. Nun hat er sich als Wikinger verkleidet. „Ich bin aber ein ganz Friedlicher“, versichert der Freizeitsportler schmunzelnd.

Drei viertel zwölf. Ich ziehe noch die Jacke aus. In Schwimmschuhen trabe ich jetzt im bunten Faschingszug zum Start an der Carolabrücke. „Bitte macht einen großen Schritt ins Wasser, dann habt ihr Sand unter den Füßen“, warnt der DLRG-Spezialist bei der Einweisung vor dem rutschigen Pflasterstreifen am Ufer. Ein guter Tipp. Denn sofort laufe ich auf Sand, als ich ins Wasser springe und mich dann auch gleich hineinstürze. Brr… 400 eiskalte Meter liegen bis zur Augustusbrücke vor mir. Ich ziehe erst einmal 20 Schwimmzüge durch, um zumindest etwas warm zu werden. Doch davon merke ich nichts. Also entscheide ich mich flugs für die Strategie, die offenbar erfahrene Winterschwimmer ringsum wählen. Sie laufen nämlich in der doch noch recht flachen Elbe.

Also laufe ich schnell ein Stück, ziehe dann wieder in paar kräftige Schwimmzüge durch. Die Augustusbrücke kommt näher. Noch ein paar Meter. Geschafft. Ich renne glücklich aus der eiskalten Elbe, am Ufer applaudieren die dicht gedrängten Zuschauer. Die Kälte spüre ich gar nicht mehr. Neben mir Wikinger Bernhard Clemens, der jetzt zum 16. Mal hier raussteigt.

Insgesamt 90 Winterschwimmer haben mit mir die 400 Meter absolviert, 38 ganz Mutige die 800 Meter. Zwar brauche ich noch ein paar Stunden, bis ich wieder so richtig warm bin. Doch eins steht fest: Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.

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