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Luther-Denkmal ist gar keins

© Dirk Zschiedrich

Die Stadt Bad Schandau hat jetzt festgestellt, dass die Büste des Reformators in die Denkmalliste fehlt. Dabei gibt’s sie schon seit 200 Jahren.

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. Da staunten die Angestellten in der Stadtverwaltung nicht schlecht. Das seit 200 Jahren in Bad Schandau in den Fels gehauene Denkmal zu Ehren Martin Luthers ist gar keins. Jedenfalls nicht offiziell. Das wurde jetzt bei einer formalen Abfrage bekannt.

Zum Jahrestag der Reformation wollten einige Einwohner der Stadt die Luther-Büste aufpolieren. Wenn an Denkmalen Sanierungsarbeiten geplant sind, muss darüber die Denkmalbehörde informiert werden. Wie in solchen Fällen üblich, wurde eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung dafür beim Landratsamt beantragt. Doch die Antwort verblüffte.

Der Sanierung wurde zwar nicht widersprochen. Doch bei der Bearbeitung des Verwaltungsvorgangs wurde festgestellt, dass das Luther-Denkmal in Bad Schandau gar nicht in der Denkmalliste des Landkreises aufgeführt ist. Ein entsprechender Antrag wurde von der Stadt umgehend ans zuständige Landesamt für Denkmalpflege gestellt. Dass das Luther-Denkmal dort aufgenommen wird, gilt als Formalie.

Die Büste befindet sich oberhalb des Hotels Lindenhof am Luther-Weg, einem Wanderweg vom Kurpark Bad Schandau hinauf zum Ortsteil Ostrau. Sie steht in einer in den Sandstein gehauenen Nische. Die Büste ist nach dem Wormser Modell von Ernst Rietschel entstanden und wird von zwei Schriftzügen umrahmt. „Eine feste Burg ist unser Gott“ steht im oberen Bogen und unten der Spruch: „Gottes Spruch und Luthers Lehr’ vergehen nun und nimmer mehr!“

Das Denkmal und den Platz davor ließ der Kaufmann Samuel Gottfried Hering 1817 zum 300. Reformationsjubiläum anlegen. Dort wurden auch drei Eichen gepflanzt. Es heißt, dass Hering sie von der Wartburg holen ließ. Eine Eiche ging nach kurzer Zeit ein, die beiden anderen wuchsen trotz ihres problematischen Standes auf dem Sandsteinuntergrund zu stattlichen Bäumen heran. Im Herbst 2011 fällten Waldarbeiter „aus Versehen“ eine der Eichen, sodass heute nur noch eine Reformations-Eiche steht.