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Luxus-Reisen auf Kosten des Freistaats

Einst arbeitete sie im Görlitzer Rathaus als Wirtschaftsförderin. Danach ging sie nach Dresden. Nun stand sie vor Gericht.

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© Christian Juppe

Von Alexander Schneider

Turin, Miami, Singapur – als Angestellte der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) hat eine 46-jährige Frau im großen Stil Dienstreisen abgerechnet, die es gar nicht gab. Die Wirtschaftsingenieurin wurde nun am Amtsgericht Dresden wegen Betruges in 16 Fällen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Mit ihren Trips in alle Welt soll sie in den Jahren 2010 und 2011 einen Schaden von mindestens 58 000 Euro verursacht haben. Laut Anklage war die Frau für die Akquise von Investoren in Hochtechnologiebranchen zuständig. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat sie weltweit an Werbeveranstaltungen teilgenommen, zahlreiche Einzelgespräche geführt – die es zumindest teilweise gar nicht gab. Oft handelte es sich bei diesen Reisen um „Privatvergnügen“, sagte Staatsanwalt Ulrich Garrelts. Die Angeklagte habe nicht nur Übernachtungskosten und Ausgaben für Räume zum „Networking“ abgerechnet, sondern auch Luxusfahrten mit einem Limousinen-Service. Manche Hotelrechnung habe sich als Totalfälschung entpuppt. Der höchste Einzelschaden war eine zweiwöchige Reise an die Ostküste der USA – Washington, Baltimore, Arlington, Boston, Miami – im April 2010. Sie schlug mit 9 326 Euro zu Buche. Abgerechnet wurden Workshops, die es nicht gab, Internetgebühren entpuppten sich als Privateinkäufe bei Macy’s. Möglicherweise wäre der Schwindel der Betrügerin nie aufgefallen, wenn es nicht einen privaten Rechtsstreit um den Unterhalt für die Kinder nach ihrer Scheidung gegeben hätte. Anfang 2012 wurde sie von der WFS fristlos entlassen. Über Kritik an mangelnden Kontrollen der Gesellschaft, eine 100-prozentige Tochter des Freistaats Sachsen, hielten sich die Prozessbeteiligten zurück. Die Akquisiteurin habe in einem sehr sensiblen Bereich gearbeitet.

Die Angeklagte legte über ihren Verteidiger Michael Stephan ein umfassendes Geständnis ab. Sie habe dem Schöffengericht eine langwierige Beweisaufnahme erspart, so der Vorsitzende Richter Roland Wirlitsch. Er sprach von dreisten Taten. Sicher sei die Frau im Job überfordert gewesen.

Es muss viele weitere Dienstreisen mit auffälligen Abrechnungen gegeben haben. Nicht alle Fälle wurden aufgrund der schwierigen Beweislage – man müsste weltweit ermitteln – angeklagt. Das Gericht hielt der nicht vorbestraften Frau zugute, dass sie sich schon vor dem Prozess mit der Wirtschaftsförderung Sachsen geeinigt hatte, einen Schaden von mehr als 100 000 Euro zu begleichen.