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Machtkampf im US-Fußballverband

Fußball in den USA - auch dank vieler Einwanderer aus dem fußballverrückten Lateinamerika könnte dies eine große Sache sein. Doch Verband und Liga stehen sich oft selbst im Weg.

© Stefan Sauer/dpa

Von Michael Donhauser

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Rückspielwochenende gegen Kaufbeuren

Am kommenden DEL2-Punktspielwochenende sind die Dresdner Eislöwen gleich zwei Mal gegen den ESV Kaufbeuren gefragt.

Orlando. Die USA sind eine Sportnation wie kaum eine zweite. Basketball, Baseball, Eishockey, American Football - nicht zuletzt olympische Sportarten wie Skisport, Schwimmen oder Leichtathletik: Überall wird die Weltspitze über Athleten aus den USA definiert. Doch die Welt-Sportart Fußball fasst trotz des grandiosen Potenzials seit Jahrzehnten nicht Fuß - egal ob es die jeweilige US-Liga mit Franz Beckenbauer oder Bastian Schweinsteiger als Zugpferden probiert.

Und es scheint auch egal zu sein, dass 2026 womöglich eine WM bevorsteht, die zumindest teilweise im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten stattfinden könnte. Der gemeinsamen Bewerbung mit Mexiko und Kanada werden große Chancen eingeräumt.

Die am Wochenende unter Floridas südlicher Sonne in Orlando bevorstehende Wahl des neuen Präsidenten des US-Fußballverbandes USSF (United States Soccer Federation) wird vor diesem Hintergrund mehr als ein Beleg für das Dilemma gewertet, denn als eine Lösung. Nicht weniger als acht Kandidaten, darunter zwei Frauen, bewerben sich für den unbezahlten Posten an der Verbandsspitze - ein Novum. Amtsinhaber Sunil Gulati steht nicht mehr zur Wahl. Er zog nach der gescheiterten Qualifikation der US-Boys für die WM in Russland die Reißleine und übernahm die Verantwortung für das nicht nur sportliche Versagen.

Mit den Kaliforniern Eric Wynalda (früher 1. FC Saarbrücken, VfL Bochum) und Paul Caligiuri (u.a. Hamburger SV, Hansa Rostock) sind auch zwei ehemalige Bundesliga-Profis dabei, mit Ex-Torfrau und Olympiasiegerin Hope Solo eine international bekannte Vertreterin des in den USA vergleichsweise populären Frauen-Fußballs.

Das Achter-Feld liefert sich seit Wochen einen teils erbittert geführten Wahlkampf - Hauen und Stechen hinter den Kulissen inklusive. „Der Wahlkampf liefert so ziemlich alles - bis auf Gewissheit“, schrieb die US-Sportzeitschrift „Sports Illustrated“. Amtsinhaber Gulati, zweimal ohne Gegenkandidat auf den Schild gehoben, bezeichnete das Gerangel um sein Erbe mehrfach als „widerlich“.

Im Grunde geht es um einen Kampf zwischen Establishment und Rebellen: Kandidaten wie Kathy Carter geht es vor allem darum, den US-Fußball wirtschaftlich so rentabel zu machen, dass er aus sich selbst heraus wachsen kann - mit allen Begleiterscheinungen die der durchkommerzialisierter US-Profisport zu bieten hat. Rebellen wie Torfrauen-Legende Hope Solo finden das abstoßend. Sie will etwa mehr Transparenz und mehr Mitspracherechte für die Spieler. „Mir hat man gesagt: Halt den Mund und spiel‘ Fußball“, sagte die Weltmeisterin von 2015 in einem Interview. Unter ihrer Führung soll es wieder mehr Respekt geben.

Als Favoriten hat sich ein Trio ohne Solo herauskristallisiert: Der bisherige Vizepräsident Carlos Cordeiro, Kathy Carter, eine mächtige Liga-Managerin der US-Liga Major League Soccer (MLS) sowie Kyle Martino, ein früherer Nationalspieler und Fernseh-Kommentator. Wynalda, der als Rebell gilt, werden Außenseiter-Chancen eingeräumt. Abgestimmt wird am Samstag in Orlando (11.00 Uhr Ortszeit).

Dabei gibt es ein gewichtetes System: 20 Prozent der Stimmen hält etwa ein Spielerrat aus gegenwärtigen und ehemaligen US-Internationalen. Der könnte die Waage zugunsten von Martino ausschlagen lassen, sollte er sich für eine Abstimmung en bloc entscheiden. Carter hat dagegen die Zustimmung von vielen Verbandsfunktionären, deren Stimmenblock 25,6 Prozent ausmachen. Allerdings sind ausgerechnet die Vertreterinnen des Frauenfußballs wenig begeistert von ihr und werfen ihr vor, sich zu stark an den Bedürfnissen der Männer-Liga MLS zu orientieren. (dpa)