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Deutschland & Welt

Macron: Fünf Jahre für den Wiederaufbau

Für Frankreich steht außer Frage: Die Pariser Kathedrale Notre-Dame soll aus den Trümmern wiedererstehen. Schon zeichnet sich ab, wie das gelingen könnte.

Emmanuel Macron im Elysee-Palast: Die Kathedrale Notre-Dame solle innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder aufgebaut werden. © dpa/Yoan Valat

Paris. Keine 24 Stunden nach dem verheerenden Feuer in der Kathedrale Notre-Dame haben Spender am Dienstag bereits Hunderte Millionen Euro für den Wiederaufbau des Wahrzeichens zugesagt. Allein die drei französischen Milliardärsfamilien Arnault, Pinault und Bettencourt-Meyers wollen insgesamt eine halbe Milliarde Euro geben. Frankreichs Regierung zeigte sich entschlossen, die jahrhundertealte gotische Kathedrale in Paris wieder aufzubauen.

Das Wahrzeichen solle innerhalb der nächsten fünf Jahre wieder aufgebaut werden und dann noch schöner sein als vorher, sagte Präsident Emmanuel Macron am Dienstagabend in einer TV-Ansprache. "Wir werden handeln. Und wir werden Erfolg haben", sagte er.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Menschen in Deutschland und Europa auf, den Wiederaufbau zu unterstützen. Er bezeichnete Notre-Dame am Dienstag als "ein großes europäisches Wahrzeichen, ein Wahrzeichen europäischer Kultur und ein wichtiges Dokument europäischer Geschichte".

Nach der Brandkatastrophe vom Montagabend hatte Staatspräsident Emmanuel Macron über Frankreich hinaus zu Spenden aufgerufen. Premierminister Édouard Philippe rief am Dienstag eine Ministerrunde zusammen, um über den Wiederaufbau des ausgebrannten Gotteshauses zu beraten. Viele Länder boten Hilfe an - auch in Form von Expertise für die Restaurierung des Gebäudes. Steinmeier betonte: "Frankreich ist in dieser Stunde nicht allein."

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Das Feuer war auf dem Dachboden von Notre-Dame ausgebrochen und nach einem Alarm um 18.43 Uhr entdeckt worden. Nach einem ersten Alarm um 18.20 Uhr war zunächst kein Brandherd gefunden worden. Erst am Dienstagvormittag verkündete Feuerwehrsprecher Gabriel Plus: "Das ganze Feuer ist aus." Man habe die ganze Nacht über sichergestellt, dass das Feuer nicht wieder ausbricht, und die Gebäudestrukturen überwacht. Nun beginne die Phase der Begutachtung.

Nach Angaben des französischen Innenstaatssekretärs Laurent Nuñez entdeckten Fachleute "einige Schwachstellen". Diese betreffen vor allem das Gewölbe, wie Nuñez sagte. "Im Ganzen hält die Struktur gut", fügte er hinzu. Auf Bildern waren riesige Löcher in Teilen des Gewölbes zu sehen. Fotos zeigten außerdem Berge von Trümmern im Innenraum der gotischen Kathedrale, deren Geschichte bis ins Jahr 1163 zurückreicht.

Die Kathedrale am Montagabend. © Thibault Camus/AP/dpa

Die Pariser Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus. "Nichts weist derzeit in die Richtung einer vorsätzlichen Tat", sagte Staatsanwalt Rémy Heitz am Dienstag. Nun würden Zeugen angehört - auch Arbeiter, die Renovierungsarbeiten ausführten. Auf dem Dach von Notre-Dame hatten die Bauarbeiter ein Gerüst angebracht. Nach ersten Erkenntnissen der Feuerwehr wurden bei dem Einsatz drei Menschen leicht verletzt - zwei Polizisten und ein Feuerwehrmann.

Eine internationale Geberkonferenz soll Geld für den Wiederaufbau sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag machte die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo. Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten, um die notwendigen Mittel zusammenzubekommen.

Keine Mängel beim Brandschutz

Erste Großspender stehen schon bereit: Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oréal wollen 200 Millionen Euro geben, wie der Kosmetikkonzern am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte die Familie von Unternehmer und Milliardär Bernard Arnault über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH angekündigt, sich ebenfalls mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Die Milliardärsfamilie Pinault hat 100 Millionen Euro versprochen.

Das Feuer auf dem Dach hatte sich sehr schnell auf rund 1000 Quadratmeter ausgebreitet, wie Feuerwehrsprecher Plus erläuterte. Der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen; über Paris bildete sich eine gigantische Rauchwolke. Der kleine spitze Vierungsturm in der Mitte des Dachs stürzte ein, die beiden Haupttürme konnten jedoch gerettet werden - die Feuerwehr hatte große Sorge um deren Standsicherheit. Plus zufolge hatte man befürchtet, dass die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame aus der geschwächten Konstruktion abstürzen könnten.

Eine der wichtigsten Reliquien wurde aus der brennenden Kathedrale gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte der Direktor des Gotteshauses, Patrick Chauvet. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Chauvet sieht nach eigener Darstellung keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. So hätten Brandaufseher dreimal täglich den Dachstuhl geprüft. "Ich denke, dass man nicht mehr machen kann." Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen könne.

Das Inferno von Notre-Dame warf auch in Deutschland Fragen nach dem Brandschutz historischer Kirchen auf. "Was in Paris passiert ist, lässt sich, wenn man ehrlich ist, nirgends ausschließen", sagte der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Claus Wolf, in Esslingen. Der Domkustos von Speyer, Peter Schappert, erklärte: "Mit dem Brand der Pariser Kathedrale wird offensichtlich, dass Feuer auch im 21. Jahrhundert eine fundamentale Bedrohung für einen Kirchenbau sein kann."

Als Zeichen der Verbundenheit läuteten am Dienstag die Glocken vieler deutscher Kirchen, etwa am Kölner Dom und am Hamburger Michel. Papst Franziskus schloss sich der Trauer an. Er bezeichnete die Kathedrale des Erzbistums Paris als "architektonisches und spirituelles Erbe von Paris, Frankreichs und der Menschheit". (dpa)