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Männer ins Beet!

Dresden soll den ersten Garten bekommen, in dem die Arbeit reine Männersache ist. Das hat seinen Grund.

© Jürgen Schulter

Von Sarah Grundmann

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Eine Ruheoase in der schnelllebigen Großstadt, ein grünes Idyll im zugebauten Dresden – Gärtnern wird auch in der Landeshauptstadt seit Jahren immer beliebter. Die Wartelisten für die Kleingartenvereine sind mitunter ellenlang. Deswegen gründen sich vermehrt Gemeinschaftsgärten. 22 solcher Angebote listet das Gartennetzwerk Dresden-pflanzbar auf seiner Internetseite. Bald soll ein Gemeinschaftsgarten der etwas anderen Art dazukommen.

Die ersten Tomatenpflanzen sind aber schon bereit für den Umzug in den Gemeinschaftsgarten der etwas anderen Art.
Die ersten Tomatenpflanzen sind aber schon bereit für den Umzug in den Gemeinschaftsgarten der etwas anderen Art. © privat

Die Initiative „P3sozial – Projekte, Partner, Perspektiven“ will den ersten Männergarten der Stadt gründen. Der soll vor allem Ort für Austausch sein. Denn die Initiative, die zum Verein Männernetzwerk gehört, setzt sich seit 2005 für erwerbslose Männer ein. Schwerpunkt der Arbeit sind die Beratungsangebote, die immer häufiger in Anspruch genommen werden. Allein in diesem Jahr waren 1 100 Männer da, um sich von dem dreiköpfigen Team Informationen zum Thema Arbeitslosigkeit oder Hilfe bei alltäglichen Problemen zu holen. Neben den Beratungen, für die zuvor Termine vereinbart werden müssen, gibt es auch offene Angebote. Daraus entstehen mitunter Projektarbeitsgruppen – so kam es auch zur Idee vom Männergarten.

Einrichtungsleiter Enrico Bischof spielt bereits seit Jahren mit dem Gedanken. Er nutzt selber jede freie Minute, um an die frische Luft zu gehen. Es ginge bei dem Projekt nicht nur um die Gartenarbeit allein, sondern – wie auch in anderen Gemeinschaftsgärten – um den Austausch, das Gemeinschaftsgefühl. Kürzlich haben Bischof und sein Kollege einen Info-Nachmittag veranstaltet, sechs Interessierte haben sich bereits gefunden. Nun wird gemeinsam nach einer geeigneten Fläche gesucht.

„Sie sollte ausreichend groß und von unserem Büro in der Neustadt gut erreichbar sein“, sagt der Einrichtungsleiter. „Das Ostragehege wäre unser Traum.“ Doch weil das Gebiet überschwemmungsgefährdet ist, dürfen dort keine Aufbauten mehr errichtet werden. Einen Bauwagen für Material bräuchte die Truppe aber mindestens. „Die Stadt und der Stadtverband der Gartenfreunde unterstützen uns aber bei der Suche sehr gut“, sagt Bischof. Er war überrascht, wie offen die Leute auf die Idee reagiert haben. Oftmals gebe es Vorurteile gegenüber arbeitslosen Männern. Das Problem ziehe sich aber durch alle Schichten. Auch die sechs Männer der frisch gegründeten Gartengruppe seien grundverschieden, sagt Bischof. Deswegen könnte die Suche nach einer geeigneten Fläche noch eine Weile dauern. Denn die Wahl wird gemeinschaftlich getroffen – unter den „Gärtnern der Tafelrunde“, wie Bischof sagt.

Mitstreiter und Ideen gesucht

„Wir hoffen aber, dass wir noch in diesem Jahr anfangen können“, sagt der Naturfreund. Mindestens einmal pro Woche soll dann in dem Garten gearbeitet werden. Schon jetzt finden regelmäßige Treffen statt, um Ideen für das ersehnte grüne Idyll zu schaffen. „Da ist auch schon das eine oder andere Interessante rumgekommen“, sagt Bischof. So hat ein Teilnehmer sogar eine Bauzeichnung für einen richtigen Klettergarten angefertigt. Was letztlich umgesetzt werden kann, müsse man sehen. An das Bundeskleingartengesetz, das unter anderem den Anteil der Anbaufläche regelt, sind Gemeinschaftsgärten jedenfalls nicht gebunden.

Wenn die Gruppe ein Grundstück von der Stadt pachtet, muss allerdings mit der Verwaltung abgestimmt werden, was auf dem Areal umgesetzt werden kann. Für Anregungen von außen ist p3sozial dennoch jederzeit offen – genauso wie für weitere Mitstreiter. „Um das Projekt umzusetzen, sollten wir sechs bis zehn Leute sein“, sagt der Einrichtungsleiter. Das ist zwar jetzt der Fall. Bischof weiß aber aus Erfahrung, dass sich das schnell ändern kann. „Das Angebot ist freiwillig. Es kann passieren, dass der eine oder andere Teilnehmer nicht mehr kommt, weil er eine Arbeit aufnimmt oder andere Veränderungen in seinem Leben stattfinden“, sagt er.

Bischof freut sich jedenfalls schon auf den Gemeinschaftsgarten der etwas anderen Art – auf eine Ruheoase in der schnelllebigen Großstadt; auf ein grünes Idyll irgendwo im zugebauten Dresden. Nur wo?