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Mainzer Beamte haben die Rathener Fähre auf dem Radar

Teure Ortungstechnik soll den Verkehr auf der Elbe sicherer machen. Für die Touristen könnte das noch ganz andere Folgen haben.

Von Lars Kühl

Selbst die kurze Überfahrt ist ein großes Erlebnis. Das entspannte Dahingleiten auf der Elbe und dazu der unvergleichliche Blick auf die bizarren Felsen der Sächsischen Schweiz, das alles macht die Gierseilfähre im Kurort Rathen zu einem Unikat. Nur wie lange noch? Der Bürgermeister von Sachsens kleinster Gemeinde, Thomas Richter (parteilos), droht: „Wir schaffen die historische Fähre ab!“

Hintergrund der radikalen Idee sind Forderungen der Zentralen Schiffuntersuchungskommission in Mainz. Danach muss das Wasserfahrzeug mit einer gut 24000Euro teuren Radaranlage nachgerüstet werden. Die Fähre könnte dann Schiffe orten und wäre selbst für andere auch bei Nebel und Dunkelheit besser erkennbar.

Seit 1954 ist die „Bergland“ unterwegs, Sicherheitsmängel waren aber bislang nicht bekannt. Auch die Gierseilfähre Diera-Zehren bei Meißen oder die Autofähre in Pillnitz kommen – noch – ohne Radaranlage aus. Doch seitdem die „Bergland“ 2011 zur Landrevision, einer Art Boots-TÜV, war, gibt es in Rathen eine neue Situation.

Als die Schiffspapiere zurückkamen, stand die Radar-Auflage drin. Die sei Pflicht, wenn ein Schiff mehr als 250 Personen befördern kann. Bei der Gierseilfähre sind es maximal 322. Alternativ dazu könnte Rathen auch einen dritten Fährmann einsetzen. Was sich die Gemeinde aber nicht leisten kann und will.

Bürgermeister Richter schimpft: „Es kann nicht sein, dass die Gesetze von Main und Rhein einfach auf die Elbe übertragen werden.“ Auf SZ-Nachfrage sagt Christoph-Alexander Wernicke von der Zentralkommission lediglich: „Die Festlegung der Besatzung für Fähren erfolgt bundeseinheitlich.“

Für Richter ist das eine Entscheidung vom Grünen Tisch aus; die Kommission habe sich selbst kein Bild vor Ort gemacht. Dabei werde auf der Gierseilfähre bereits heute AIS-Technik eingesetzt. Sie erfasst die Schiffspositionen mittels Satelliten in Echtzeit. Allerdings sind nicht alle Wasserfahrzeuge mit AIS ausgestattet, der Bundesbehörde reicht diese Lösung nicht aus.

Nun sah sich der Kurort gezwungen, die geforderte Radaranlage zu kaufen – bittet aber die Kommission um eine Sonderlösung. Schließlich sei in Rathen die Elbe mit rund 100 Metern viel schmaler als der Rhein oder der Main. Auch der Verkehr auf der Wasserstraße sei in Sachsen viel geringer.

Die Zulassung der Fähre soll im Winterhalbjahr auf 250 Personen herabgesetzt werden, sodass ein Fährmann und die Radaranlage reichen. In der Saison könnte diese Regelung zumindest nachts gelten, da nie zeitgleich 251Leute übersetzen wollen. Heute muss Rathen einen zweiten Fährmann einsetzen, sobald mehr als 100 Gäste mitfahren.

Richter nennt seinen Vorschlag „Rathener Weg“. Beschreitet den die Mainzer Behörde nicht, müsste der Kurort das Personal aufstocken – und die Preise erhöhen. Derzeit kostet die Einzelfahrt 0,80 Euro (ermäßigt 0,60 Euro), die Hin- und Rückfahrt 1,50 Euro (1 Euro). Zudem hat der Bürgermeister noch seine Drohung parat: Dann würde eben ein kleines und schnelles Motorboot die Fähre ersetzen – ganz und gar unromantisch.