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Makler-Zoff um zu hohe Provisionen

Wegen übler Nachrede im Streit mit einem Kollegen steht ein 51-jähriger Immobilienhändler seit gestern vor Gericht.

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Von Alexander Schneider

Um die umstrittenen Methoden einer Dresdner Immobilienfirma ging es gestern nicht, auch wenn der Chef und sein Vertriebsmitarbeiter zurzeit häufiger vor Gericht sind. Dem 51-jährigen Vertriebsmitarbeiter wird üble Nachrede zum Nachteil eines anderen bekannten Dresdner Immobilienmaklers vorgeworfen. Angeblich im Streit um fette Provisionen eines Immobilien-Geschäfts soll der 51-Jährige in E-Mails über den 42-jährigen „Geschäftspartner“ gelästert haben, er habe Geld unterschlagen und gelogen. Weiter soll der Angeklagte geätzt haben, wenn der Makler-Kollege seinen Ferrari nicht finanzieren könne, solle er sich eben keinen kaufen. Der 42-Jährige zeigte den Makler an.

„Ich lüge nicht. Das ist alles wahr, und ich kann es beweisen“, sagte der Angeklagte im Amtsgericht. Bei dem Geschäft handle es sich um den Kauf einer Wohnanlage in der sächsischen Provinz für 720.000 Euro und den sofortigen Weiterverkauf für 800 000 Euro an einen Käufer, den er selbst gefunden habe. Mit dem Makler-Kollegen sei eine Provision von 20 000 Euro für den Kauf vereinbart worden. Vor dem Weiterverkauf, der ohne Zutun des 42-Jährigen stattfand, sollte dieser nun 40.000 Euro erhalten und die Hälfte an den Angeklagten zurückzahlen. „Davon sollten andere Provisionen bekommen.“ Er habe den 42-Jährigen als Lügner bezeichnet, weil dieser behauptet habe, kein Geld bekommen zu haben, so der Angeklagte. „Eine Lüge!“

Reichlich dreckige Wäsche

Ganz anders der 42-Jährige. Der Makler sagte, er habe Anspruch auf die volle Summe. Er wundere sich über die Methoden der Firma, die mehrfach wie hier eigens für einen Grundstückskauf neue Firmen gründe, lästerte er zurück. An Details konnte sich der Zeuge angeblich nicht erinnern – obwohl der Streit um die Provisionen derzeit auch in einem Zivilprozess am Landgericht Dresden anhängig ist. Die Richterin muss nun in einem Fortsetzungstermin klären, wer sie anschwindelt. Andere Zeugen kamen nicht. Der Chef des Angeklagten erhielt angeblich keine Ladung.

Das Ladungsproblem mit dieser Maklerfirma ist am Amtsgericht nicht neu. Erst im Januar fand ein Prozess statt, bei dem der 51-jährige Vertriebsmitarbeiter und sein Chef verspätet als Zeugen kamen. Die Herren waren die vermeintlichen Geschädigten zweier schwerer Jungs, darunter ein Mitglied des Motorradclubs MC Gremium. Die Angeklagten waren von den Maklern angeblich beauftragt worden, unliebsame Mieter aus den Wohnungen ihrer Immobilienfirma zu jagen. Als es Streit um die Bezahlung gab, sollen die Angeklagten ihren Auftraggebern Schläge angedroht haben. Die Makler machten keine Angaben – und die schweren Jungs wurden freigesprochen. Peinlich für die Immobilienfirma waren damals die Vorwürfe einer Ex-Mieterin gegen die beiden Makler – sie sprach von sexueller Nötigung und Bedrohung.