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Maliki zieht Militärs für Isis-Vormarsch zur Verantwortung

Vor rund einer Woche nahm die Terrorgruppe Isis nahezu ungehindert die zweitgrößte irakische Stadt Mossul ein. Ein ranghoher Militär muss dafür nun seinen Posten räumen. Auch international wird gehandelt.

Bagdad/Washington. Rund eine Woche nach Beginn des Islamistenvormarsches hat der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ranghohe Militärs von deren Aufgaben entbunden. Diese hätten versagt, ihre Stellungen verlassen und ihre Pflicht nicht erfüllt, meldete die Nachrichtenagentur Nina am späten Dienstagabend unter Berufung auf eine Mitteilung des Regierungschefs. Zu den Abberufenen zählt auch der für die Region Ninive verantwortliche Generalleutnant Mahdi al-Gharrawi. Dort liegt die Millionenmetropole Mossul, die die Extremisten nahezu kampflos überrannt hatten.

Die Kämpfer der Sunnitenmiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) versuchen nun offenbar mit aller Gewalt, zur Hauptstadt vorzudringen. Unterstützt werden sie dabei von anderen sunnitischen Gruppen, darunter Anhänger des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Inzwischen kämpfen Soldaten in großen Teilen des Landes gegen Extremisten - auch wenige Dutzend Kilometer nördlich von Bagdad. Viele Schiiten meldeten sich zum Dienst an der Waffe gegen die Dschihadisten. Die Eskalation dürfte die Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten im Irak noch weiter vorantreiben. Hilfsorganisationen warnen vor einer Flüchtlingstragödie.

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Die Gegenwehr wächst inzwischen auch international. Nach mehreren Kriegsschiffen entsendet die US-Regierung eine 275 Mann starke Spezialeinheit in das Land, die wenn nötig auch zum Kampfeinsatz bereit ist. Die USA sorgen sich um die Stabilität der Region und befürchten einen Zerfall des irakischen Staates. Washington behält sich ein militärisches Eingreifen vor. Als Optionen gelten Luftangriffe sowie eine umfassendere Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte. Der Einsatz von US-Bodentruppen wurde mehrfach ausgeschlossen.

Der Irakkonflikt führt auf internationaler Ebene auch einstige Erzfeinde zusammen. Nach Washington bestätigte am Dienstag auch Teheran amerikanisch-iranische Gespräche über den Irak.

Der Bürgerkrieg in Syrien und die Kämpfe im benachbarten Irak könnten nach Einschätzung von UN-Ermittlern rasch auf die gesamte Region übergreifen. „Ein regionaler Krieg im Nahen Osten rückt immer näher“, warnte der Leiter der unabhängigen Syrien-Untersuchungskommission, Paulo Sérgio Pinheiro, vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Die größte Gefahr gehe von extremistischen Terrorgruppen wie Isis aus.

Hunderttausende auf der Flucht

Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen zwingen die Kämpfe immer mehr Menschen im Irak in die Flucht. Inzwischen sollen es schon 1,2 Millionen sein. Die Lage verschlechtere sich von Tag zu Tag.

Die USA wiesen derweil eine Mitteilung der Regierung in Bagdad zurück, in der Saudi-Arabien der Unterstützung der sunnitischen Isis-Kämpfer bezichtigt wurde. Dies sei das Gegenteil von dem, was die irakische Bevölkerung derzeit brauche, sagte Jen Psaki, Sprecherin des US-Außenministeriums, in Washington. In der von Malikis Büro veröffentlichten Mitteilung hieß es unter anderem, Bagdad halte Saudi-Arabien moralisch und in finanzieller Hinsicht verantwortlich für die Taten der Extremisten.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach sich für eine regionale Lösung des Konflikts aus. „Es sind vor allem die regionalen Akteure gefragt, die direkten Einfluss auch haben - von der Arabischen Liga über die Türkei bis hin zum Iran und selbstverständlich die irakische Regierung an allererster Stelle“, sagte sie zum Auftakt ihres USA-Besuchs in New York. (dpa)