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Deutschland & Welt

Mallorca muss schon Strände sperren

Weil ein neues Klärwerk fehlt, wurde auf der Insel schon Dreckwasser ins Meer geleitet.

Mallorca hat ein Abwasser-Problem. An zwei Stränden weht manchmal die rote Fahne wegen Dreckalarm. © Foto: Clara Margais / dpa

Von Martin Dahms

An der Playa de Palma, da wo die Deutschen sind, bekommt man von dem Dreck nichts mit. Hier fließen die Hotelabwässer zum Klärwerk bei Sant Jordi (genannt EDAR I), im Rücken der Feriensiedlung, und das ist bestens in Schuss. Doch wenige Kilometer nordwestlich die Küstenlinie hinauf, gegen Palma hin, weht an den Stränden von Ciutat Jardí und C’an Pere Antoni gelegentlich die rote Fahne, weil sich unters Meerwasser eine schreckliche Brühe mischt: die Abwässer, mit denen Palmas Klärwerk bei Es Coll d’en Rabassa (genannt EDAR II) nicht fertig wird. „Aber nur ausnahmsweise. Wenn es heftig regnet“, heißt es von den Stadtwerken von Palma.

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Zum Glück regnet es nur hin und wieder heftig in der Gegend von Palma, zuletzt Anfang des Monats: Mallorca könnte eher mehr als weniger Regen brauchen. Das Abwassersystem aber ist, wenn es richtig gießt, überfordert. Dann schafft es die Pumpstation Baluard am Südrand der Altstadt nicht mehr, sämtliche Abwässer Richtung Klärwerk weiterzupumpen und entlässt einen Teil davon ins Meer beim Strand C’an Pere Antoni, und das Klärwerk EDAR II leitet das Dreckwasser, mit dem es nicht fertig wird, ins Meer beim Strand Ciutat Jardí. Beide Strände müssen dann die rote Fahne hissen: Badeverbot. Wenn denn die rote Fahne gehisst wird. Der linke Bürgermeister von Palma, Antoni Noguera, warf vor einigen Monaten seinen konservativen Vorgängern Vogelstraußpolitik vor: Zwischen 2012 und 2014 sei insgesamt 31 Mal ungeklärtes Wasser ins Meer geflossen, aber nur fünf Mal die rote Fahne aufgezogen worden.

Jetzt hat die Politik den Kopf aber doch aus dem Sand gezogen und handelt: Vor ein paar Wochen haben die Vorarbeiten für ein Regenrückhaltebecken beim Klärwerk in Es Coll d’en Rabassa begonnen, und an diesem Montag starten die Erkundungsarbeiten für den Bau eines neuen, gut drei Kilometer langen unterirdischen Abwasserkanals aus der Altstadt zum Klärwerk, der die Pumpstation Baluard entlasten wird. In anderthalb Jahren soll alles fertig sein. Die Stadtwerke versprechen, dass danach jährlich 500 Tonnen organischer Dreck weniger im Meer landet. Die Belastung des Meeres mit ungeklärtem Abwasser an den Tagen mit heftigen Regenfällen werde um 70 Prozent zurückgehen.

Wo bleibt das versprochene Geld?

Das ist ein guter Anfang, aber noch keine dauerhafte Lösung. Natürlich sollte überhaupt kein ungeklärtes Wasser im Meer landen, zumal alle Welt nach Mallorca kommt, um in eben diesem Meer zu baden. Das ist auch den Behörden klar. „Mallorca war Vorreiter bei der Abwasserklärung“, sagt die Sprecherin der Stadtwerke von Palma, „wir haben die ersten Kläranlagen gebaut, als auf dem spanischen Festland noch niemand daran dachte.“ Das ist wahr – und auch Teil des Problems. EDAR II ging 1972 in Betrieb. Damals hatte Palma knapp 250.000 Einwohner, heute gut 400.000, die Zahl der Besucher schoss in der selben Zeit in die Höhe. Der Ausbau des Klärsystem hielt ganz gut Schritt, aber nicht gut genug.

Jetzt fließt manchmal der Mist ins Meer, und ansonsten fehlt für einen Teil der Abwässer die dritte, chemische Klärstufe. Palma braucht ein neues Klärwerk, das weiß die Stadt seit Jahren. Die Fläche dafür ist da, und die Bauplanung ist fast abgeschlossen. Fehlt nur noch das Geld. Vor gut einem halben Jahr schrieb Bürgermeister Noguera der spanischen Umweltministerin Teresa Ribera einen Brandbrief: Die Regierung möge bitte die lange versprochenen 120 Millionen Euro für den Klärwerksneubau freigeben. Vor wenigen Wochen kam die Absage aus Madrid. „Wir waren überrascht“, sagt die Stadtwerkesprecherin. Nun wird erstmal gar nichts passieren: In Spanien ist gerade ein neues Parlament gewählt worden, eine neue Regierung steht noch nicht, und nach den Kommunal- und Regionalwahlen Ende Mai könnten auch in Palma und auf den Balearen neue Politiker ans Ruder kommen. Erst muss sich die politische Lage klären. Dann kommen die Mallorquiner Abwässer dran.