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Mallorca – Urlaubsinsel am Scheideweg

Das beliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen ist nach wie vor Mallorca.

© Bildrechte: Flickr View of the montains in Cala S’

Allerdings gibt es derzeit nicht nur positive Schlagzeilen über die Baleareninsel und die dortigen Touristenhochburgen. Hinter den Kulissen wird deswegen fleißig daran gearbeitet, das Image aufzupolieren – schließlich hat Mallorca viel mehr zu bieten als Bettenburgen und Ballermann. Ein Blick auf die aktuelle Situation.

(Zu?) viel los

Der Tourismus auf Mallorca boomt: Die Sicherheitslage auf der spanischen Mittelmeerinsel ist im Vergleich zu anderen Urlaubsländern wie der Türkei deutlich stabiler, was sich auch in der Zahl der Urlauber widerspiegelt: Reisten 2015 noch etwa 3,3 Millionen Deutsche per Flugzeug nach Antalya, waren es 2016 aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge nur noch 2,3 Millionen. Mallorca erfährt zurzeit einen gegenläufigen Trend: 2016 nutzten insgesamt 9,1 Millionen Passagiere aus Deutschland den mallorquinischen Flughafen Son Sant Joan (diese Zahl umfasst Hin- und Rückflüge) – das waren 11,4 % mehr als 2015. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: 2016 waren insgesamt zehnmal mehr Touristen auf der Insel als Einwohner – denn auf Mallorca leben weniger als 900.000 Menschen.

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista. © Statista

Viele Deutsche verbringen auch deshalb ihren Urlaub auf der Balearischen Insel, weil die Auswahl an freien Unterkünften groß ist, man sich in Palma und Umgebung wie zu Hause fühlt und dort auch ohne Fremdsprachenkenntnisse problemlos zurechtkommt. Der Ruf Mallorcas als "17. Bundesland" kommt schließlich nicht von ungefähr. Allerdings ächzt die Insel mittlerweile vor allem an ihren Hotspots unter dem Touristenansturm – viele Einheimische stören sich am bierseligen Treiben an Ballermann & Co., zudem kam es 2016 aufgrund einer Dürreperiode und einer Rekordzahl an Touristen zu einer Wasserknappheit.

Kultur und Natur statt Ballermann

Die Landesregierung versucht gegenzusteuern: Seit 1. Juli 2016 müssen Urlauber eine "Steuer für nachhaltigen Tourismus" zahlen. Zwischen 50 und 80 Millionen Euro soll die Abgabe jährlich einbringen. Das Geld soll für Umweltschutz, Kultur, Forschung und die Ausbildung einheimischer Arbeitskräfte verwendet werden. Das Ziel ist klar: Mallorca möchte weg vom "Sauftourismus"-Image. Vielerorts hat man dem exzessiven Trinken in der Öffentlichkeit bereits einen Riegel vorgeschoben, bei Missachtung drohen saftige Geldstrafen. Diese Maßnahmen werden nicht nur der Insel und den Einheimischen zugutekommen, auch die Urlauber werden auf lange Sicht davon profitieren. So hat Mallorca ohnehin viel mehr zu bieten als den Bierkönig und den Strand von S'Arenal – nur wissen das nicht alle Reisenden. Dass die sechstgrößte Mittelmeerinsel mit 550 Kilometern Küste auch schöne Strände abseits der bekannten, von den Massen zertrampelten Pfade hat, dürfte eigentlich niemanden überraschen. Touristisch erschlossen sind die wenigsten von ihnen. Das heißt: Wer gewillt ist, sich etwas sportlich zu betätigen und die Gegenden abseits der ausgetretenen Pfade zu erkunden, wird mit einsamen Buchten und türkisblauem Wasser belohnt. Wer nun befürchtet, dort von einem Hai angegriffen und in die Tiefen des Mittelmeers gezogen zu werden, sei beruhigt: Die kürzlich an mehreren mallorquinischen Stränden gesichteten Blauhaie stellen für Menschen keine wirkliche Gefahr dar und sind damit besser als ihr Ruf – ganz ähnlich wie Mallorca selbst.

*Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Anke Fink.