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Deutschland & Welt

"Eleonore" bekommt Hilfslieferung auf See

Weder Italien noch Malta wollen das Schiff von "Mission Lifeline" anlegen lassen. Jetzt gibt es wenigstens Lebensmittel und Wasser für die Geretteten.

Das Rettungsschiff «Eleonore» wird nach der Erlaubnis des Inselstaats Malta mit Hilfsgütern, Nahrungsmitteln und Trinkwasser beliefert.
Das Rettungsschiff «Eleonore» wird nach der Erlaubnis des Inselstaats Malta mit Hilfsgütern, Nahrungsmitteln und Trinkwasser beliefert. © Johannes Filous

Valletta/Dresden. Die Behörden von Malta haben eine Hilfslieferung für die Flüchtlinge und zehn Crewmitglieder an Bord der "Eleonore" erlaubt, die vor der Zwölf-Meilen-Zone der Insel liegt. Ein größeres Versorgungsschiff ist demnach seit Mittwochnachmittag beim Schiff der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline". Mit einem Beiboot wurden die Vorräte vom großen blauen Versorger am Mittwochnachmittag auf die kleine "Eleonore" gebracht. 

Zuvor war in der Hauptstadt Valletta eilig die Hilfslieferung aus Trinkwasser, Nahrung und Desinfektionsmittel auf das Versorgungsschiff verladen worden. Noch am Dienstag hatte Malta das Auslaufen eines kommerziellen Versorgungsschiffes noch untersagt.

Neben Trinkwasser wurden unter anderem energiereiche Lebensmittel wie Couscous, Äpfel und Müsliriegel an Bord gebracht. Die Kinder des Kapitäns des Versorgungsschiffes haben für die Flüchtlingskinder an Bord der "Eleonore" Spielzeug mitgegeben.

Außerdem wurden Desinfektionsmittel für große Flächen geliefert, um die Hygiene auf dem voll beladenen Rettungsschiff zu gewährleisten. Auf dem Rückweg nimmt der Versorger auch noch den bisher angefallenen Müll von der "Eleonore" mit, sagt Johannes Filous. Der Reporter des Projekts Seegezwitscher ist derzeit an Bord des Rettungsschiffes. 

Die Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline" dringt auf eine zügige und humane Lösung für die 101 Flüchtlinge an Bord ihres Rettungsschiffs "Eleonore" im Mittelmeer. Man sei mit der Bundesregierung in Kontakt, twitterte die Organisation am Mittwoch. An Malta ging der Appell, schnelle diplomatische Aktivitäten zur Aufnahme der Flüchtlinge zu starten. Ein längeres Ausharren auf See sei nicht möglich.

Malta hat dem Schiffskapitän Claus-Peter Reisch allerdings verboten, in seine Hoheitsgewässer einzufahren oder gar am Hafen anzulegen. Für die Flüchtlinge sei die unklare Situation und die Enge auf dem Schiff psychisch sehr belastend, sagte Lifeline-Sprecher Axel Steier. Es bestehe die Gefahr, "dass die Leute austicken". Auch werde befürchtet, dass sich Krankheiten ausbreiten.

Auch die Bundesregierung dringt auf eine Einigung zur Verteilung der rund 100 Migranten an Bord. "Wir brauchen dringend eine Lösung, auch für diesen konkreten Einzelfall", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin.

Der Einzelfall zeige, wie dringlich es sei, für solche Fälle eine grundlegende Einigung zur Verteilung der Menschen auf EU-Staaten zu finden. Im September wollen Deutschland und einige andere europäische Staaten sich dazu in Malta treffen.

Deutschland als Flaggenstaat habe die EU-Kommission im Fall der "Eleonore" um Koordinierung gebeten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Bundesrepublik sei bereit, sich "in beachtlicher Höhe" an der Aufnahme von Menschen zu beteiligen. "Wir arbeiten darauf hin, dass es eine solidarische Verteilung, eine Wahrnehmung solidarischer Verantwortung gibt", sagte er. 

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Italien und Malta verbieten dem Rettungsschiff mit 100 Schiffbrüchigen an Bord anzulegen. Deutschland will sich an der Aufnahme der Geretteten beteiligen.

Die 101 Flüchtlinge waren am Montag vor der libyschen Küste gerettet worden. Unter ihnen sind laut Lifeline 30 Minderjährige, vier davon Kinder unter zehn Jahren. Zuvor hatte bereits Italien der unter deutscher Flagge fahrenden "Eleonore" die Einfahrt in seine Gewässer verboten. (mit epd)

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