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„Man darf sich nicht so ernst nehmen“

Die 21-jährige Cindy Unger, die in Prohlis aufgewachsen ist, will Germany’s Next Topmodel werden. Dabei mag sie Mathe eigentlich lieber als Make-Up.

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© ProSieben/Martin Bauendahl

Vor Kurzem war sie noch angehende Bürokauffrau für Groß- und Außenhandel. Jetzt ist sie jede Woche im Fernsehen, als Kandidatin bei Germany’s Next Topmodel. Cindy Unger ist in Prohlis aufgewachsen, dort lebt die 21-Jährige noch heute mit ihren Eltern in einem Plattenbau. In der Show überzeugte sie bisher mit Luftspagat und Natürlichkeit. Sie ist die Schüchterne, Bodenständige, das Mädchen von nebenan. In der dritten Folge Donnerstagabend posierte sie im Bikini, nachdem sie mit Sirup übergossen worden war. Erfolgreich – sie ist weiter. In einer Drehpause haben wir sie zum Telefoninterview erreicht.

Cindy mit ihrem Freund Thomas und Opa Claus. Seinetwegen hat sie sich bei der Show angemeldet. „In ihr steckt eine ehrliche und direkte Ader, die sie gerne mit ihrem sächsischen Dialekt rauslässt“, heißt es auf der Pro-7-Homepage über Cindy.
Cindy mit ihrem Freund Thomas und Opa Claus. Seinetwegen hat sie sich bei der Show angemeldet. „In ihr steckt eine ehrliche und direkte Ader, die sie gerne mit ihrem sächsischen Dialekt rauslässt“, heißt es auf der Pro-7-Homepage über Cindy. © Pro7

Cindy, der Ruf deiner Heimatstadt ist gerade ziemlich im Eimer. Könnte ein Topmodel aus Dresden ihn wiederherstellen?

Das bezweifle ich. Dazu ist die Situation im Moment zu festgefahren.

Hast du eine Meinung zu Pegida?

Ich finde es schade, dass Dresden so darauf reduziert wird, beschäftige mich aber nicht so sehr mit dem Thema. Was die machen, finde ich übertrieben. Wenn etwas dazu in den Nachrichten kommt, schalte ich um.

Apropos Fernsehen: Was schaust du dir gerne an, abgesehen von Germany’s Next Topmodel?

Am liebsten schaue ich Dokumentationen auf NTV oder N24. Mich interessiert alles, was mit dem Weltraum zu tun hat.

Und wie ist es, sich plötzlich selber im Fernsehen zu sehen?

Das ist ein eigenartiges Gefühl. Man merkt plötzlich, wie man spricht, und wie man aussieht beim Reden. An sich bin ich ganz zufrieden, wie ich rüberkomme, allerdings denke ich mir schon manchmal, wenn das Sächsische sehr durchkommt: Hättest du dich nicht zusammenreißen können?

Du hast in der Show erzählt, dass dein Opa der Hauptgrund dafür ist, dass du dabei bist. Wie kam das?

Er hat mir immer gesagt, ich soll mehr aus mir machen, ich sei so ein schönes Mädel. Wie Opas eben sind: heben ihre Enkel in den Himmel. 2012 wurde ich bestes Grid Girl bei der Sachsenkrad, da hat er die Zeitungsausschnitte der ganzen Familie geschickt. Mit Germany’s Next Topmodel konnte er erst nicht viel anfangen, auch wenn er schon mal von Heidi Klum gehört hatte. Jetzt ist er total stolz, wie toll ich das mache und wie lieb ich auch bin.

Wie ist diese enge Bindung zu deinem Großvater zustande gekommen?

Als ich klein war, habe ich sehr viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht, auch bei meiner Oma. Ich habe sie abgöttisch geliebt. Sie starb, als ich fünf war. Seitdem hat mein Opa viel mit meinem Bruder und mir zusammen unternommen.

Hast du einen Lieblingsort?

Die Elbe. Wenn man auf der Neustädter Seite sitzt und das schöne Bild von Dresden sieht. Feiern gehe ich nicht so gerne, das letzte Mal ist bestimmt zwei Jahre her. Aber in der Neustadt bin ich schon gerne, das ist ein bisschen gemütlicher.

Was sind deine Hobbys, mal abgesehen vom Modeln?

Ich habe lange geturnt und Volleyball gespielt. Jetzt mache ich nur noch nebenbei ein bisschen Sport, gehe laufen und Rad fahren. Viel Zeit verbringe ich mit meinem Freund in der Natur. Er ist 33 und Student, wir sind seit zweieinhalb Jahren zusammen. Es war für ihn während der Dreharbeiten schon schwierig, wenn ich so lange weg war und mich nicht melden konnte. Aber jetzt freut er sich.

Wie reagiert dein Umfeld?

Meine beste Freundin, die ich seit 15 Jahren kenne, meint, dass ich total gut rüberkomme. Mir schreiben jetzt viele Menschen, ich bekomme 50 Nachrichten am Tag. Die Leute sagen, dass ich sympathisch rüberkomme. Ich möchte, dass mich Menschen wegen meines Charakters mögen.

Verbringst du viel Zeit mit Styling, Schminken und Klamotten?

Klamotten sind mir schon wichtig, aber ich hasse Schminken. Wenn möglich, gehe ich immer ungeschminkt aus dem Haus. Ich frage mich, wie andere Mädels stundenlang vor dem Spiegel stehen können und auch noch Spaß daran haben. Mit meinen Haaren bin ich gesegnet. Wenn ich morgens aufstehe, sind die Locken so, wie sie dann den ganzen Tag sind.

Was ist deine größte Stärke, die dir beim Modeln zu Gute kommt?

Dass ich mich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lasse. Ich bin nicht so, dass ich mich total über Dinge freuen kann, aber ich verzweifle eben auch nicht so schnell, wenn es mal schwieriger wird. Man darf sich auch nicht so ernst nehmen. Manchmal muss man ja komische Sachen machen. Ich bin nicht der Typ, der total aus sich rausgeht. Wenn ich rumspringen und schreien muss, fühle ich mich zwar komisch. Aber es gehört eben dazu.

Nach dem, was du bisher mitbekommen hast – ist das Modelleben so, wie du es dir vorgestellt hast?

Ich dachte immer, das ist ganz einfach: vor der Kamera stehen, lächeln. Aber es ist viel anstrengender. Abends ist man echt fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass so viel hinter dem Job steckt. Anscheinend tun Models schon was für ihr Geld. Aber es macht mir total viel Spaß. Man muss sowieso arbeiten, warum dann nicht als Model.

Und wenn es doch nicht klappt?

Ich bin im dritten Lehrjahr, will aber in dem Beruf nicht arbeiten. Ab Sommer habe ich eine neue Lehrstelle als Bankkauffrau. Zahlen liegen mir, in der Schule war ich gut in Mathe und Physik.

Du erzählst in der Show, dass du noch nie im Ausland und noch nie am Meer warst. Wirklich?

Im Urlaub waren wir entweder im Schrebergarten oder haben Verwandte in geanz Deutschland besucht. Jetzt habe ich Los Angeles gesehen – eine andere Welt. Die Menschen sind offener, lächeln einen an auf der Straße. Komisch, aber wunderschön.

Die Fragen stellte Anna Hoben.