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„Man verdrückt auch mal eine Träne“

Jörg Wagenhaus hat ein renommiertes Bestattungshaus übernommen – dabei war er ursprünglich Baufacharbeiter.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Glaubitz. Über einen Friedhof schlendern, Gräber und Inschriften betrachten, die Ruhe genießen – das hatte schon immer eine besondere Wirkung auf Jörg Wagenhaus. Dass er aber einmal als Bestatter arbeiten würde, hätte er sich nie träumen lassen. Und doch übernahm er im Februar das Bestattungshaus Herrmann in Glaubitz.

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Als Elke und Karl-Ernst Herrmann das Unternehmen 1995 gründen, arbeitet Jörg Wagenhaus allerdings noch als Facharbeiter auf dem Bau, erzählt der 48-Jährige, während er an dem Beratungstisch in seinem Unternehmen sitzt. Die rosa Tischdecke und die hellen Farben in den Büroräumen könnten glatt über das ernste Geschäft hinwegtäuschen. Allerdings steht nebenan die dunkle Limousine, zwei Zimmer weiter befinden sich Kühlkammer und der Ausstellungsraum für Särge und Urnen. Wie er auf dem Bau gelandet ist, kann er heute selbst nicht so richtig erklären, sagt Jörg Wagenhaus. Zumal er eigentlich Schlosser wie der Vater werden wollte. Ende der 1990er zieht er jedoch nach Glaubitz, baut ein Haus. Zufällig ganz in der Nähe der Herrmanns – und eines Tages steht Karl-Ernst Herrmann am Gartenzaun.

„Er meinte, er hätte mich schon eine Weile beobachtet“, erinnert sich Jörg Wagenhaus und muss noch immer ungläubig lachen, „sie haben die Arbeit nicht mehr geschafft und brauchten einen Mitarbeiter. Ob ich das nicht machen will.“ Jörg Wagenhaus ist perplex, will aber einen Probelauf starten. In seinem Urlaub schaut er sich das Bestattungshaus an, das damals neben Glaubitz auch schon eine Niederlassung in Gröditz hat. Und nach nur 14 Tagen wechselt er die Branche: Seit 1999 arbeitet Jörg Wagenhaus als Bestatter.

Dienstleister und Trostspender

Der zweifache Familienvater lässt sich danach ein Jahr lang in Wochenendschulungen fachlich ausbilden – denn ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist die Bestattungsfachkraft erst seit 2007 – und lernt, mit Blumenbestellungen, Ärzten und Friedhofsverwaltungen genauso routiniert umzugehen wie mit Versicherungen und Ämtern. Manchmal kommen die Angehörigen schon eher zu ihm, um Absprachen zu treffen. Oft aber trifft der Tod die Menschen unvorbereitet. Rund um die Uhr sind Jörg Wagenhaus und seine zwei Mitarbeiter Torsten Gödikmeier und Jens Reißner deshalb zu erreichen. Sie verstehen sich als moderne Dienstleister. Noch bevor es um die hygienische Versorgung der Verstorbenen, die Organisation der Beerdigung und den bürokratischen Papierkram geht, müssen sie aber oft erst einmal für die Hinterbliebenen da sein und Trost spenden.

„Manchmal fühlt man mehr, manchmal weniger mit. Und man tut auch mal eine Träne verdrücken“, sagt Jörg Wagenhaus. Wichtig sei ihm, echt zu bleiben. Und gerade bei jungen Menschen, schweren Krankheiten und vor allem Kindern falle es da schon mal schwer, die Distanz zu wahren. „Zum Glück kann ich mit den Kollegen und zu Hause mit meiner Frau drüber reden. Dadurch verkrafte ich das gut – sonst könnte ich das gar nicht machen.“ Und mittlerweile kann er sich keinen besseren Beruf vorstellen.

Nachdem Elke Herrmann nun mit fast 71 Jahren in den Ruhestand gegangen ist, hat Jörg Wagenhaus die Leitung übernommen und führt das Unternehmen mit selbem Namen und den Büros in Glaubitz und Gröditz weiter. „Ich bin ihr ja sehr dankbar. Nicht nur, weil ich die Firma übernehmen konnte, sondern auch, dass sie mir damals überhaupt die Chance gegeben hat. Wer weiß, wo ich jetzt sonst wäre“, sagt Jörg Wagenhaus.

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