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Manche Vögel sind schon da

Es wird Frühling in Dresden. Das ist schon am frühen Morgen beim ersten Zwitschern am offenen Fenster zu hören. Der Ornithologe Andreas Knoll weiß auch, wer das pfeift und singt.

© Sven Ellger

Von Henry Berndt

Nur wenige Schritte durch das Eingangstor, schon zwitschert es energisch zwischen den Bäumen hervor. „So hört sich Stress zwischen zwei Amselmännchen um ein Weibchen an“, sagt Andreas Knoll. Er ist gern hier, auf dem Johannisfriedhof in Tolkewitz. Gleich nach der Schule oder in einer Freistunde muss der Biologielehrer an der derzeit ausgelagerten Dreikönigschule nur über die Wehlener Straße laufen, und schon taucht er ein in ein wahres Konzert aus Vogelstimmen. Hier ein Piepsen, da ein Tirili. Und von wem es auch kommt – Andreas Knoll erkennt jeden Sänger. Der 53-Jährige leitet die Fachgruppe Ornithologie des Naturschutzvereins Nabu in Dresden.

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Schau mal, der da zwitschert!

Amsel Oft war in den vergangenen Jahren von einem gefährlichen Virus zu lesen, das massenweise Amseln dahinraffe. Alles halb so wild. Die Amsel ist und bleibt hierzulande der häufigste Vogel überhaupt. Amseln sitzen oft auf dem Boden und halten den Kopf schräg, um nach Bodentieren zu lauschen.
Amsel Oft war in den vergangenen Jahren von einem gefährlichen Virus zu lesen, das massenweise Amseln dahinraffe. Alles halb so wild. Die Amsel ist und bleibt hierzulande der häufigste Vogel überhaupt. Amseln sitzen oft auf dem Boden und halten den Kopf schräg, um nach Bodentieren zu lauschen.
Eichelhäher  Der farbenprächtige Eichelhäher ist seit einigen Jahren immer häufiger in der Stadt zu beobachten. Seine Eicheln vergräbt er hier auch in Balkonkästen, statt wie sonst im Waldboden. Seine Warnrufe verstehen auch andere Vogelarten, weshalb der Eichelhäher auch als „Polizei des Waldes“ bekannt ist.
Eichelhäher Der farbenprächtige Eichelhäher ist seit einigen Jahren immer häufiger in der Stadt zu beobachten. Seine Eicheln vergräbt er hier auch in Balkonkästen, statt wie sonst im Waldboden. Seine Warnrufe verstehen auch andere Vogelarten, weshalb der Eichelhäher auch als „Polizei des Waldes“ bekannt ist.
Erlenzeisig  Erlenzeisige sieht man im Winter in der Stadt häufig, auch an den Futterhäuschen. Im Laufe des Aprils ziehen sie wieder an ihre Brutplätze zurück. Nur wenige bleiben hier und brüten, vereinzelt auch in der Dresdner Heide. Ob Erle oder wie hier Lärche – bei den Samen sind sie nicht wählerisch.
Erlenzeisig Erlenzeisige sieht man im Winter in der Stadt häufig, auch an den Futterhäuschen. Im Laufe des Aprils ziehen sie wieder an ihre Brutplätze zurück. Nur wenige bleiben hier und brüten, vereinzelt auch in der Dresdner Heide. Ob Erle oder wie hier Lärche – bei den Samen sind sie nicht wählerisch.
Kleiber Der Kleiber ist der einzige Vogel bei uns, der mit dem Kopf nach unten am Baum klettert. Er kann das ganze Jahr über in Dresden beobachtet werden und klebt gern Spechthöhlen mit lehmiger Erde zu, bis der Eingang für ihn passend ist. Seine virtuosen Pfeifkonzerte klingen fast menschlich.
Kleiber Der Kleiber ist der einzige Vogel bei uns, der mit dem Kopf nach unten am Baum klettert. Er kann das ganze Jahr über in Dresden beobachtet werden und klebt gern Spechthöhlen mit lehmiger Erde zu, bis der Eingang für ihn passend ist. Seine virtuosen Pfeifkonzerte klingen fast menschlich.
Nebelkrähe An der Elbe stoßen die Verbreitungsgebiete der schwarzen Rabenkrähe und der grau-schwarzen Nebelkrähe aufeinander. Die beiden Arten bilden hier oftmals Mischpaare. Wer genau hinschaut, wird deswegen gerade in Dresden alle möglichen Farbabstufungen entdecken.
Nebelkrähe An der Elbe stoßen die Verbreitungsgebiete der schwarzen Rabenkrähe und der grau-schwarzen Nebelkrähe aufeinander. Die beiden Arten bilden hier oftmals Mischpaare. Wer genau hinschaut, wird deswegen gerade in Dresden alle möglichen Farbabstufungen entdecken.
Buntspecht Die mit Abstand häufigste Spechtart hierzulande ist der Buntspecht. Sein charakteristisches Trommeln am Baum ist gerade oft zu hören. Dabei sucht er nicht etwa nach Würmern, sondern wirbt um ein Weibchen. Wie bei Spechten üblich, nehmen an diesem Ritual auch die potenziellen Partnerinnen teil.
Buntspecht Die mit Abstand häufigste Spechtart hierzulande ist der Buntspecht. Sein charakteristisches Trommeln am Baum ist gerade oft zu hören. Dabei sucht er nicht etwa nach Würmern, sondern wirbt um ein Weibchen. Wie bei Spechten üblich, nehmen an diesem Ritual auch die potenziellen Partnerinnen teil.
Zilpzalp Erst in diesen Tagen sind die ersten Zilpzalpe aus ihren warmen Winterquartieren im Mittelmeerraum nach Dresden zurückgekehrt. Die kleinen Vögel, die unermüdlich den eigenen Namen rufen, bauen ihre kugeligen Nester gern in Bodennähe – auf Friedhöfen mit Vorliebe im dichten Efeu.
Zilpzalp Erst in diesen Tagen sind die ersten Zilpzalpe aus ihren warmen Winterquartieren im Mittelmeerraum nach Dresden zurückgekehrt. Die kleinen Vögel, die unermüdlich den eigenen Namen rufen, bauen ihre kugeligen Nester gern in Bodennähe – auf Friedhöfen mit Vorliebe im dichten Efeu.

Ein paar Meter den Weg entlang beobachtet er mit seinem Fernglas ein für diese Jahreszeit typisches Schauspiel in den Baumwipfeln. Zwei Blaumeisen paaren sich. Überhaupt: In jeder Ecke raschelt und pfeift es. Dabei hat der April, der typische Rückkehrmonat für die meisten Zugvögel in unseren Breiten, gerade erst begonnen. Kuckuck und Nachtigall wird man daher gerade noch vergeblich suchen, genauso wie den schwarz-gelben Pirol. Also nichts mit „Alle Vögel sind schon da“.

Im Gegenteil, einige Vögel, die hierzulande den Winter verbracht haben, sind fast schon wieder weg. Seit Mitte März ziehen beispielsweise die Saatkrähen wieder in Richtung Osteuropa zurück, wo sie den Sommer verbringen. Auch der Erlenzeisig wird in Dresdner Wäldern nicht mehr lange zu beobachten sein. Gerade frisch eingetroffen sind dagegen die Singdrosseln. Erste Zilpzalps hat Andreas Knoll schon auf dem Friedhof gesichtet. Welche Vogelarten in Dresden im Vergleich zu anderen Orten besonders häufig oder selten vorkommen, das kann Knoll nicht sagen. Noch nicht.

Seit 2016 läuft in der Stadt eine sogenannte Brutvogelkartierung, die in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Innerhalb festgelegter Raster werden dafür eifrig Vogelsichtungen dokumentiert. Bislang haben sich bereits rund 50 Ornithologen an dem ehrgeizigen Projekt beteiligt. Beim Nabu melden kann seine Beobachtungen aber jeder, egal ob auf der Terrasse eine Stockente brütet oder nachts der Eulennachwuchs fiept. Als Ergebnis der Kartierung erhoffen sich die Experten am Ende nichts weniger als eine flächendeckende Verbreitungs- und Häufigkeitsübersicht aller in Dresden vorkommenden Brutvogelarten. Das wäre ein Novum.