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Mann bedroht seine Noch-Ehefrau

In diesem Jahr könnten sie Silberhochzeit feiern, stattdessen sieht sich ein Riesaer Ehepaar jetzt vor Gericht wieder.

Von Antje Steglich

Er war nie zu Hause, trank zu gern und zu viel – es ist das Ende einer über 20-jährigen Ehe in Riesa. Doch statt vor dem Scheidungsrichter treffen sich Renate und Klaus Kümmel (Namen geändert) erst mal vor Amtsgerichtsdirekter Herbert Zapf. Renate Kümmel erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex. Sie hat Angst. Die Staatsanwaltschaft wirft Klaus Kümmel Bedrohung vor. So habe er Ende Juni seiner offiziellen Noch-Ehefrau eine Karte mit ihrem Foto und einem schwarzen Kreuz drauf geschickt, auf der Rückseite ein paar unschöne Worte der Warnung. Kümmel räumt das zwar ein, „aber das Kreuz sollte nur heißen, sie ist für mich endgültig gestorben. Die Drohung hinten drauf war eher für ihren Freund.“ Denn als dessen Opfer stellt sich Klaus Kümmel vor Gericht dar.

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Er schiebt seiner Ex die Trennung im November 2012 in die Schuhe. Sie habe immer andere Bekanntschaften gehabt, während der heute 53-Jährige im Tunnelbau in Österreich oder Holland schuftete, nur alle paar Wochen nach Hause kam. Renate Kümmel selbst geht wohl seit Jahren schon keiner geregelten Arbeit mehr nach, und als auch er den Job verliert und zu Hause hockt, packt sie die Koffer. Der Terror beginnt. „Das geht schon seit einem Jahr. Immer wieder. Erst die ganzen SMS, dann die Morddrohung. Das war zu viel“, klagt die 47-Jährige. Der Inhalt der unzähligen Textnachrichten sei immer ähnlich gewesen, wie „Das wirst du mir büßen“ oder „Ich habe nichts mehr zu verlieren“. Auf Anraten ihres neuen Lebensgefährten wechselt Renate Kümmel die Telefonnummer. Doch die Noch-Eheleute leben in der Riesaer Innenstadt nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt, ein Zusammentreffen scheint unausweichlich.

Zur Automeile Anfang Mai gibt es den ersten Eklat. „Ich wollte sie nur ansprechen. Da ist ihr Lebensgefährte auf mich zu und hat mich geschlagen. Zweimal“, so Klaus Kümmel. Ganz ähnlich sei das Zusammentreffen 14 Tage später in der Elbgalerie abgelaufen. „Ich wollte nur einkaufen gehen, ich wusste ja nicht, dass sie auch da war“, so der Arbeitslose. Als er vorsichtshalber den Rückzug antreten will, sei der Lebensgefährte hinterher und habe zugeschlagen. Mitten ins Gesicht, berichtet Kümmel. Der neue Freund ist Boxer. Anzeige erstatten will er trotzdem nicht, weil er keine Zeugen habe. Die Version von Renate Kümmel. Beide Male habe der Ex ihr quasi aufgelauert und jedes Mal einen Riesenschrecken eingejagt. Von den angeblichen Schlägen des Freundes will sie nichts gesehen haben. So auch der 57-jährige Riesaer: „Warum sollte ich ihn schlagen?“

Der Alkohol brachte sie auseinander

Sie hat Angst, sagt Renate Kümmel wiederholt vor Gericht. Und die Karte mit ihrem Konterfei habe sie als klare Morddrohung empfunden: „Das sah für mich aus wie ein Grabstein.“ Als Richter Herbert Zapf die Aussage etwas abmildert – „ich sehe das jetzt nicht so dramatisch“ – gehen mit Renate Kümmel die Nerven durch. „Ich habe das jahrelang ausgehalten mit dem Alkohol. Ich habe immer wieder geholfen. Ich will, dass er aufhört mit dem Trinken und sein Leben lebt und mir mein Leben lässt“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Ja, man habe sich durch die Montage auseinandergelebt, tatsächlich auseinandergebracht habe sie aber der Alkohol. Und Richtung Klaus Kümmel ruft sie: „Du hast mich in Ruhe zu lassen.“ Schon nach den ersten bedrohlichen SMS hat sie deshalb Anzeige erstattet, später ein Gewaltschutzverfahren eingeleitet. Das Ergebnis: eine einstweilige Anordnung, dass Klaus Kümmel keinen Kontakt mehr mit Renate Kümmel aufnehmen darf.

Im Prinzip schließt sich Herbert Zapf dem Urteil an. Er stellt zwar das Verfahren gegen Klaus Kümmel ein, er muss aber für die nächsten sechs Monate jeglichen Kontakt vermeiden und die Suchtberatung fortzusetzen. „Wir sind knapp vorm Stalking, das muss ein Ende haben“, so Zapf.