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Mann für die gute Laune

Seit mehr als 50 Jahren engagiert sich Klaus Benik für den Fußball in Wachau. Jetzt wurde er ausgezeichnet.

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© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Klaus Benik können nur zwei Dinge davon abhalten, am Fußballplatz in Wachau zu stehen. Das sind seine Arbeit und sein Knie. Letzteres wird in der nächsten Zeit wieder dafür sorgen. Vier Mal ist er schon operiert worden. Jetzt hat er schon den Termin für die nächste OP. „Der Meniskus“, sagt er. Natürlich hat das mit dem Fußball zu tun. „Ich spiele seit mehr als 50 Jahren Fußball, da bleibt das nicht aus.“ Schon nach seiner ersten OP zu DDR-Zeiten sagten ihm die Ärzte, dass er um den Platz lieber einen großen Bogen machen sollte. Machte er nicht. Er kickte weiter.

Seit er denken kann, jagt er dem Ball nach. Das erste Mal spielte er als kleiner Junge für Motor Rafena. Das war 1965. Als ihm die Verantwortlichen einige Jahre später sagen: Die langen Haare müssen runter, überlegt er nicht lange. Er wechselt den Verein. „Ich bin dann zu Einheit Radeberg gegangen und habe dort in verschiedenen Jugendmannschaften gespielt.“ Ziemlich erfolgreich sogar. Dann kam aber das Knie dazwischen. Er musste kürzer treten. Inzwischen war aber sein Talent aufgefallen, gut mit Nachwuchsspielern umgehen zu können. Der Verein schickte ihn auf die Sportschule Greiz. „Dort habe ich meinen Fachübungsleiter-Abschluss gemacht, wie es damals hieß. Er ist mit der C-Trainerlizenz heute vergleichbar“, sagt Klaus Benik. Als Co-Trainer begleitete er die Erste Männermannschaft bis hinauf in die Bezirksklasse. 2002 war dann bei Einheit Schluss. „Die Männermannschaft hatte sich aufgelöst. Es gab keinen Nachwuchs mehr. Da blieb mir nichts anderes übrig, als zu wechseln. Wachau war da die erste Wahl.“ Jetzt verbringt Klaus Benik jede Minute seiner freien Zeit in dem Ort, wohnt aber mit seiner Frau noch in Radeberg.

Der Spaß steht im Vordergrund

Seitdem ist er Mitglied einer großen Familie, wie er sagt. „Jeder ist für jeden da. Alle halten zusammen, auch wenn es mal eine Niederlage gibt. Bei allem Ehrgeiz steht immer der Spaß im Vordergrund.“ Wie weit die Unterstützung reicht, zeigte sich beispielsweise, als einem TSV-Fan von einem Brandstifter das Gartenhaus angesteckt wurde. Der Verein organisierte ein Benefizspiel. Mehr als 1 300 Euro kamen zusammen. Der enge Zusammenhalt ist sicher abgesehen vom Fußball an sich der Grund, weshalb er jede freie Minute auf dem Platz verbringt. „Wenn ich frei habe, bin ich auf dem Sportplatz“, sagte er selbst. Und Zuhause ist er nicht oft. Klaus Benik ist beruflich in ganz Deutschland unterwegs. Er und seine Kollegen machen zwischen Stralsund und München Kanäle wieder frei. „Ich bin bei der Firma Nehlsen. Wir bedienen ein Spezialfahrzeug, das eben zwischen der Ostseeküste und den Alpen eingesetzt wird. Nahezu vollautomatisch werden die Arbeiten erledigt“, erzählt er. In der Woche unterwegs in der Republik, an den Wochenenden zuhause. Das hält Klaus Benik nicht davon ab, auch nach Feierabend für den TSV zu arbeiten. „Ich sitze dann oft am Rechner, schreibe Mails oder erledige, was sonst noch so für den Verein zu tun ist.“ Als Mannschaftsleiter der Ersten Männermannschaft und als Jugendleiter hat er immer zu tun. „Neben einem guten Training ist es ganz wichtig, die Spieler bei Laune zu halten“, sagt er. Mal ein neuer Satz Trikots oder neue Trainingsanzüge tragen da schon einiges bei, sagt er. „Das kann der Verein nicht alles aus der eigenen Kasse bezahlen, da brauchen wir Sponsoren.“ Durch seine Jahre als Spieler, Trainer oder Teamleiter ist Klaus Benik bekannt wie ein bunter Hund, wie er selber sagt. Da fällt es ihm leichter, zusätzliche Mittel für den Verein einzuwerben. In diesen Tagen ist er unterwegs, um das Jugendcamp im Sommer beim TSV vorzubereiten. „Das gelingt nur, wenn wir von Firmen unterstützt werden“, sagt er. Beim anderen großen Event, den Wachauer Fußballtagen, nimmt sich Klaus Benik immer frei. „Da habe ich generell Urlaub. Da wird man ja als Ansprechpartner gebraucht.“

Das Engagement spricht sich herum. Als einer der wenigen Vereine hat der TSV in fast allen Altersklassen komplette Mannschaften vorzuweisen. „Von den Jüngsten bis zur A-Jugend können wir Großfeldmannschaften aufstellen. Nur bei den unter 17-Jährigen gelingt uns das momentan nicht. In der nächsten Saison sind wir aber auch dort wieder vollzählig.“ Mittlerweile trainieren beim TSV rund 160 Spieler, insgesamt hat der Verein knapp 230 Mitglieder. „Zu der großen Resonanz tragen sicher die guten Bedingungen in Wachau bei. Kunstrasen, Flutlicht, alles da. Jetzt wird es fast schon ein wenig eng.“

Das unermüdliche Engagement ist auch dem Verband nicht verborgen geblieben. Zu seinem 60. Geburtstag hat ihm der Fußballverband Westlausitz die Ehrennadel in Gold verliehen. Mit 63, hat er sich vorgenommen, geht er in den Vorruhestand. „Ruhestand, das gilt dann aber nur für den Beruf, mit dem Fußball ist da noch lange nicht Schluss“, sagt er.