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Marianna kann wieder spielen

Das Mädchen aus der Ukraine konnte dank Radebeuler Feuerwehrleuten in Dresden behandelt werden. Zwei Jahre später ist sie wieder zu Besuch.

Marianna macht mit ihrem Bruder Demed, Mama Diana und Papa Evgennij Urlaub in Radebeul.
Marianna macht mit ihrem Bruder Demed, Mama Diana und Papa Evgennij Urlaub in Radebeul. © Arvid Müller

Radebeul. Das Kamel hat es Marianna angetan. Sportlich schwingt sie sich auf die Holzfigur und greift die Zügel. Aber lange still sitzen kann sie darauf nicht. Die Schaukel sticht ins Auge und muss natürlich auch getestet werden. Im Laufschritt geht’s dorthin, die blonden Zöpfe hüpfen beim Rennen. Dass die Sechsjährige auf dem Karl-May-Spielplatz in Radebeul so ausgelassen herumtollt, ist nicht selbstverständlich. Es gab Zeiten, da konnte sie sich vor Schmerzen kaum bewegen.

Rückblick: Im Oktober 2017 liegt Marianna im Dresdner Uniklinikum. Ihre Eltern haben sie aus der Ukraine hergebracht, in der Hoffnung, dass die deutschen Ärzte helfen können. Mit zwei Jahren bekommt ihre Tochter plötzlich geschwollene Knie, kann nicht mehr aufstehen. Nach endlosen Untersuchungen dann die Diagnose: Rheuma. In der Ukraine werden ihr starke Medikamente verschrieben. Die helfen zwar gegen die Schmerzen, schädigen aber die Leber der Kleinen.

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Marianna lebt mit ihren Eltern und dem zwei Jahre älteren Bruder Demed in Obuchiv, der Partnerstadt von Radebeul. Regelmäßig kommen Feuerwehrleute aus der Lößnitzstadt dorthin zu Besuch, um Hilfsgüter zu bringen. Unter ihnen ist Steffen Kurtz, dem eines Abends auffällt, dass sein ukrainischer Kamerad Evgenij Savchuk irgendwie verändert wirkt, verschlossener. „Er wollte mir erst nicht sagen, was los ist, aber ich habe nicht locker gelassen“, erzählt Steffen Kurtz. Dann irgendwann berichtet Evgenij über die Krankheit seiner Tochter Marianna und die Sorgen, die er und seine Frau Diana sich machen.

Zurück in Radebeul setzt Steffen Kurtz gemeinsam mit seinem Freund Frank Zachlod alle Hebel in Bewegung, um der Familie zu helfen. Sie starten einen Spendenaufruf, hängen Fotos des Mädchens in der Stadt aus. Ihr Einsatz hat Erfolg. Viele Radebeuler geben Geld, der Lions Club und die Gaststätte Sonnenhof spenden größere Summen. Mehrere Tausend Euro kommen so zusammen, und weil auch die Ärzte im Uniklinikum auf einen Teil des Geldes verzichten, kann Marianna schließlich behandelt werden.

Die Familie verbindet eine Freundschaft zu Feuerwehrleuten aus der Lößnitzstadt. Dank deren Einsatz konnte dem Mädchen geholfen werden, als es krank wurde.
Die Familie verbindet eine Freundschaft zu Feuerwehrleuten aus der Lößnitzstadt. Dank deren Einsatz konnte dem Mädchen geholfen werden, als es krank wurde. © Nina Schirmer

Jetzt, zwei Jahre später, haben die Radebeuler die Familie erneut eingeladen. Doch dieses Mal ist es ein Urlaub. Nur einen Tag muss Marianna, die gerade in die Schule gekommen ist, ins Krankenhaus. Ein Routine-Check, denn das Mädchen hat sich gut entwickelt. „Sie ist wie ein neues Kind“, sagt Vater Evgenij. „Das Behandlungskonzept aus Deutschland funktioniert richtig gut, sodass sie fast schmerzfrei ist.“ Von der Ärztin im Uniklinikum haben die Eltern damals einen wichtigen Ratschlag bekommen: Sie sollen Marianna ganz normal leben lassen und nicht immer an die Krankheit erinnern.

„Früher haben wir sie überbehütet und viel getragen“, erzählen die Eltern. „Jetzt ist sie ein Kind, das herumrennt und sich auch mal die Knie aufschrammt.“

Manchmal kommen die Schmerzen noch zurück. Wenn es kalt ist oder das Wetter umschlägt, spürt es das Mädchen in den Gelenken. Dann cremen die Eltern sie ein und auch ihr Bruder bekommt eine Salbe aufgetragen. „Damit Marianna denkt, dass es etwas ganz Normales ist.“ Die Sechsjährige tanzt und singt jetzt, ist aufgeweckt und neugierig. „Eigentlich ist sie ja die kleine Schwester, aber in den letzten zwei Jahren hat sie sich eher zur großen Schwester entwickelt“, sagen die Eltern.

Während ihres Aufenthalts hier übernachtet die Familie im Dresdner Hilton Hotel gleich neben der Frauenkirche. Das Hotel übernimmt die Kosten. „Wir haben gerne sofort Ja gesagt“, erklärt General Manager Markus Rapatz. Die Unterstützung für die Familie sei etwas Greifbares. „Es freut uns, zu sehen, wo das ankommt.“ Die Savchuks können es noch gar nicht fassen, in einem so noblen Hotel zu schlafen. „Wir waren auf ein kleines, einfaches Zimmer vorbereitet und jetzt das“, schwärmen sie.

Ihre Radebeuler Gastgeber haben sich ein großes Programm überlegt. Stadtrundgang durch Dresden, ein Ausflug in die Sächsische Schweiz und eine Fahrt mit dem Lößnitzdackel und dem Dampfschiff stehen auf dem Plan. Hergekommen ist die Familie im Feuerwehrauto mit Radebeuls Wehrleiter Roland Fährmann, der das Stadtfest in Obuchiv zusammen mit einer Delegation aus Radebeul besucht hatte.

Die Radebeuler bringen regelmäßig Hilfsmittel in die Partnerstadt. Von ausrangierten Krankenhausbetten bis zum OP-Bedarf für das schlecht ausgestattete Krankenhaus dort. Im letzten Jahr waren zum Beispiel 40.000 sterile Handschuhe dabei. In Deutschland werden die weggeworfen, sobald das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. „Die Radebeuler Feuerwehr macht für das Gesundheitswesen hier mehr als die Regierung“, sagt Evgenij Savchuk. Er ist nicht nur für die private Hilfe für seine Tochter dankbar, sondern auch für die Unterstützung seiner Stadt: „Es tut gut zu sehen, was durch Freundschaft alles möglich ist.“