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Radeberg

Marion Junge räumt ihr Radeberger Büro

Mit dem Ausscheiden der Linken aus dem Landtag endet auch ihre Arbeit als Berufspolitikerin. Ihre Bilanz der letzten zehn Jahre fällt trotzdem ordentlich aus.

Marion Junge zieht aus dem Bürgerbüro in Radeberg aus. Ob und wo die Partei Die Linke ein Landtagsbüro im Landkreis eröffnen wird, ist offen.
Marion Junge zieht aus dem Bürgerbüro in Radeberg aus. Ob und wo die Partei Die Linke ein Landtagsbüro im Landkreis eröffnen wird, ist offen. © Matthias Schumann

Die Partei Die Linke büßte mit der Wahl am 1. September fast die Hälfte ihrer Landtagsmandate ein. Statt zuletzt 27, gibt es jetzt nur noch 14 Abgeordnete an der Elbe. Keine Chance hatte zum Beispiel die Kamenzerin Marion Junge. Die verständliche Enttäuschung des Wahlabends ist inzwischen einer regen Geschäftigkeit gewichen. Widerwillig, aber ohne echte Alternative muss die 56-Jährige ihre drei Abgeordnetenbüros räumen. Das in Dresden ist bereits zu, an diesem Freitag schließt die Grüne Straße 1 in Kamenz und im Oktober die Hauptstraße 11 in Radeberg. Ihre beiden Mitarbeiter Ralf Büchner und Jens Dietzmann müssen sich eine neue Arbeit suchen. Viele Jahre waren sie wichtige Ansprechpartner vor Ort gewesen. Der Einschnitt gerade auch an der parteipolitischen Basis ist ganz erheblich.

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„Mancher ist davon ausgegangen, dass die Sprechstunden in den Büros doch weitergehen könnten“, sagt Marion Junge. „Man hat keine Vorstellungen, was das wirklich bedeutet.“ Zehn Jahre lang sei sie Berufspolitikerin gewesen. Und jetzt arbeite sie halt wieder ehrenamtlich für ihre Partei. Zum Beispiel als Stadträtin in Kamenz. Über den Landtag waren eineinhalb Büro-Vollzeitstellen finanziert gewesen, dazu kam die Aufwandsentschädigung, die jedem Abgeordneten in bestimmter Höhe (je nach Entfernung des Heimatortes von Dresden) zustand. Davon wurden die Sachkosten der Büros, z.B. die Mieten, mitfinanziert. Von Dresden kommt kein Geld mehr, abgesehen vom Überbrückungsgeld, das jedem Abgeordneten nach seinem Ausscheiden für ein paar Monate zusteht, um sich neu zu orientieren. „Ich muss noch zehn Jahre arbeiten, bevor mein Rentenanspruch greift.“ Vielleicht geht die Oberschullehrerin für Mathe, Geo und Gemeinschaftskunde ja wieder vor eine Klasse? Andererseits würde sie die politische Erwachsenenbildung sehr interessieren. Dass der Selbstversorgungsmentalität im Landtag vor einiger Zeit ein Riegel vorgeschoben wurde, stört Marion Junge jedenfalls nicht. „Das war doch richtig. Das haben wir als Opposition doch selbst mit gefordert.“

Apropos Opposition. Die Kamenzerin weiß jetzt aus eigener Erfahrung, dass schlechte Wahlergebnisse einer Partei auch ungerecht sein können. „Jahrelang haben wir die CDU wegen der bezahlten Vor- und Nachbereitungszeit in den Kitas oder der Erzieherausbildung vor uns hergetrieben.“ Dann sei beides in Ansätzen gekommen, aber vom Wähler eben nicht der Opposition zugutegehalten worden. Fünf Jahre war Marion Junge zuletzt Obfrau ihrer Fraktion im Petitionsausschuss des Landtages. Nicht erst da sei ihr bewusst geworden, wie „familienunfreundlich“ die Tätigkeit einer Landtagsabgeordneten ist. „Ich hätte sieben Tage in der Woche durcharbeiten können.“ 105 Eingaben hat sie mitbearbeitet, oft war sie vor Ort, um mit den Leuten zu reden. Manchmal habe man eine gute Lösung gefunden, aber bei Weitem nicht immer. Gern denkt die Kamenzerin an die vielen Termine in den Kitas zurück. „Ich hätte mich gern weitere fünf Jahre in die Bildungspolitik eingebracht.“

Ihre persönliche Bilanz falle nicht so schlecht aus, sagt sie. „Es ist eine gute, arbeitsreiche Zeit gewesen.“ So habe sie in ihrer Reihe „Kaffee&Kuchen&Politik“ unzählige Kontakte pflegen können. Die Wahlkreisarbeit mit den Bürgern habe ihr immer viel gegeben. Das rät sie auch ihren Nachfolgern. „Die Kommunalpolitik ist und bleibt die Grundlage für jeden, der in die Politik möchte“, sagt sie, und packt weiter Kisten in der Grünen Straße Nr. 1.