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Markt mit Weihnachtsmannkapelle

Der Schwepnitzer Weihnachtsmarkt war zu DDR-Zeiten ein echter Besuchermagnet. Heute kämpft er mit Konkurrenz.

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© Matthias Schumann

Von Nicole Preuß

Susanne Weiße ist im Stress. Die Vorsitzende des Weihnachts- und Kulturvereins muss noch so vieles erledigen. Und dann noch die Absprachen. Mehrere Helfer haben Fragen. So kurz vor dem Weihnachtsmarkt ist das normal. Doch in diesem Jahr ist noch mehr los. Denn an diesem ersten Advent findet der Schwepnitzer Weihnachtsmarkt nun zum 40. Mal statt.

Die bekannte Weihnachtsmannparade gibt es schon seit 1979. Noch heute ist sie ein Höhepunkt.
Die bekannte Weihnachtsmannparade gibt es schon seit 1979. Noch heute ist sie ein Höhepunkt. © Verein
Der Riesenstollen, den Bäckermeister Dieter Franz in einer Extra-Form bäckt, gehört zur Tradition.
Der Riesenstollen, den Bäckermeister Dieter Franz in einer Extra-Form bäckt, gehört zur Tradition. © Verein
Der erste Markt 1976 hatte bereits Besonderes. So wurde ein ganzes Schwein gegrillt und zerteilt.
Der erste Markt 1976 hatte bereits Besonderes. So wurde ein ganzes Schwein gegrillt und zerteilt. © Verein

Alles begann mit einem Parteitag der SED. Damals forderte man, mehr Volksfeste auf die Beine zu stellen. Das kam auch in der Region an. Märkte und Feste wurden organisiert. Viele fanden im Sommer statt. Der damalige Schwepnitzer Bürgermeister aber, der aus dem Erzgebirge stammte, sagte: „Wir machen was im Winter.“

Die Idee zum Weihnachtsmarkt war geboren. 1976 fand er zum ersten Mal statt. Und im Laufe der Jahre wurde er immer bedeutender. Menschen aus Schwepnitz, den anderen Dörfern, Kamenz und Königsbrück kamen zu der Veranstaltung. Anfang der 80er Jahre zählte man bereits 21 000 Besucher. Noch heute erinnern sich Leute aus der Region an die damaligen Weihnachtsmärkte in Schwepnitz.

Besonders gefragt: Glaswaren und erzgebirgische Volkskunst

Das lag vor allem am Angebot. Auf dem Markt konnte man Dinge kaufen, die es sonst nicht gab. Das Schwepnitzer Glaswerk legte schon in den Monaten vorher Ware zum Verkauf zurück. Es gibt Fotos, auf denen sich die Menschen schon Stunden vor Eröffnung des Standes in Dreierreihen anstellen. Außerdem wurde erzgebirgische Volkskunst verkauft. Selbst eingelegte Gurken holte das Organisationsteam des Weihnachtsmarktes aus dem Spreewald, Weihnachtsdeckchen gab es und Zwiebelzöpfe. „Beim Einkauf hatte das Organisationsbüro immer ein paar Präsente des Glaswerkes dabei“, sagt Susanne Weiße. Damit bekamen sie manchmal sogar noch ein paar besondere Dinge mehr.

Die Wiedervereinigung war ein Einschnitt. Deutlich weniger Besucher kamen. Und die Konkurrenz wurde groß. „Viele nutzten ihre Reisefreiheit und fuhren auch mal nach Nürnberg oder woanders hin“, sagt Susanne Weiße. Erzgebirgische Räuchermännchen und besondere Handtücher gab es das ganze Jahr über zu kaufen. Und auch die Konkurrenz an Weihnachtsmärkten vor der eigenen Haustür wuchs.

Vorbereitung läuft das ganze Jahr

Doch die Schwepnitzer hängten sich trotzdem weiter rein. Sie gründeten einen Verein und kümmerten sich weiterhin das ganze Jahr über um die Vorbereitung des Weihnachtsmarktes. Noch heute helfen viele. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Firmen. In diesem Jahr schnitzt der Radeberger Wolfgang Grundmann zum Beispiel Krippenfiguren für die Schwepnitzer. Die Firma Packwell spendete Papiersterne. „Wir brauchen nicht jeden jedes Jahr. Aber ich wüsste nicht, wer nein sagen würde, wenn wir ihn fragen“, sagt Susanne Weiße. Auch schon früher packten alle an. So bauten die Schwepnitzer selbst eine große Pyramide, die noch heute zu sehen ist. Einen zwei Meter großen Schwibbogen gibt es. Nussknacker, Schneemann, Bergmann und Engel grüßen an der B 97.

Die transportable Bühne haben die Schwepnitzer auch selbst konstruiert und gebaut. Dort treten die Kinder und der Posaunenchor auf. Ein wichtiger Programmpunkt ist nach wie vor die Original Schwepnitzer Weihnachtsmannkapelle. Sie machte Schwepnitz auch in der Region bekannt. Blasmusiker mit roten Mänteln und Masken laufen durch die Straßen und spielen Weihnachtslieder. Das taten sie schon 1979 zum ersten Mal. Damals hatten sich die Musiker, die sonst immer auf der Bühne auftraten, kurzerhand roten Fahnenstoff besorgt und Mäntel genäht. Damit zogen sie dann nicht nur am ersten Advent durch Schwepnitz. Auch andere Orte fragten an. Zum Jubiläum werden zusätzlich 40 Weihnachtsmänner aufmarschieren. Auch Vertreter der polnischen Partnerstadt Kozuchóv bringen einen mit. Das wird ein Höhepunkt. Sonst will Susanne Weiße das Motto des ersten Weihnachtsmarktes: klein, originell, beliebt und gefragt wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Damit es im nächsten Jahr auch einen 41. Markt gibt.