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Marktfrau mit Leib und Seele

Brigitte Weigel von der Deutschen Marktgilde hat den Schiebocker Wochenmarkt mit aufgebaut. Nicht nur deshalb schwärmt sie davon.

© Ronald Bonß

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Brigitte Weigel könnte jetzt in ihrer Heimatstadt Freiberg die Adventszeit genießen. Denn die 65-Jährige ist Rentnerin. Doch die Wochenmärkte lassen sie nicht los. Dreimal in der Woche fährt sie noch nach Dresden, wo sie die Märkte in der Landeshauptstadt betreut. Nicht nur vom Schreibtisch aus. Brigitte Weigel liebt die Marktatmosphäre. An diesem Mittwoch verteilte sie rotbemützt auf dem Münchener Platz Geschenke an Kunden. Die Freibergerin ist so etwas wie ein Urgestein der Deutschen Markgilde, die auch den Bischofswerdaer Wochenmarkt ausrichtet. Brigitte Weigel baute diesen Markt in den 90er-Jahren mit auf, damals noch vom früheren sächsischen Sitz der Marktgilde in Limbach-Oberfrohna aus. Die Marktgilde ist eine eingetragene Genossenschaft, die 1985 in Westdeutschland gegründet wurde. Seit 1990 ist sie auch in den neuen Bundesländern aktiv. In Sachsen betreut die Gilde Wochenmärkte in 18 Städten und Gemeinden. Außer Bischofswerda und Dresden gehören dazu im Ostsachsen unter anderem auch die Märkte in Neusalza-Spremberg, Radeberg und Pirna. Allein in der Landeshauptstadt richtet die Marktgilde zehn Wochenmärkte aus. Vier Mitarbeiter in Dresden organisieren und koordinieren die Märkte in Mitteldeutschland, speziell in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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Stabiler Markt

Die Marktgilde ist somit der Veranstalter der Wochenmärkte. Sie mietet die Flächen von Kommunen bzw. privaten Eigentümern – in Bischofswerda den Altmarkt. Sie holt die Händler ran, achtet auf einen gesunden Branchenmix, beschäftigt den Marktmeister, den es auf jedem Wochenmarkt gibt und der die Arbeit am Markttag vor Ort koordiniert.

25 bis 35 Händler gehören zum Stamm des Bischofswerdaer Wochenmarktes. „Er ist damit sehr gut bestückt“, sagt Brigitte Weigel. Der hiesige Markt gilt als sehr stabil – sowohl was die Treue der Händler betrifft als auch die Zahl der Kunden. Der Freitag erweist sich dabei als optimal. Er zieht Kunden in die Stadt, wovon auch Bischofswerdaer Geschäftsleute profitieren. Hinzu kommt, dass der Wochenmarkt seit dem Umbau des Altmarktes an Flair gewonnen hat. „Die zentrale Lage des Marktes auf dem Platz ist sehr günstig“, sagt Brigitte Weigel. Bei der Auswahl der Händler achtet die Marktgilde vor allem auf Frische und Regionalität. Vor allem in kleineren Orten kommen Anbieter von Industriewaren hinzu, wie etwa Strümpfen, Kurz- und Haushaltswaren.

Als „Marktfrau“ ist Brigitte Weigel Seiteneinsteigerin. Sie war mathematisch-technische Assistentin, sattelte später zur kaufmännischen Angestellten um und bewarb sich Anfang der 90er Jahre um eine Anstellung bei der Marktgilde.

In größeren Städten wie Dresden betreibt die Marktgilde auch reine Grünmärkte. In kleinen Städten setzt sich so etwas nur schwer durch, wie auch das Beispiel Bischofswerda zeigt. Bemühungen der Stadt, ergänzend zum Wochenmarkt einen monatlichen Grünmarkt am Sonnabend zu etablieren, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt. Bischofswerdas Marktkunden, in der Mehrzahl ältere Menschen, sind seit Jahren an den Freitag gewöhnt. Hinzu kommt, dass die Kaufkraft vieler Leute in der Stadt endlich ist.

In diesem Jahr gibt es noch zwei Wochenmärkte in Bischofswerda: an diesem Freitag und am 18. Dezember. Erster Markt im neuen Jahr am 8. Januar.

www.marktgilde.de