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Corona: Masken nähen im Akkord

Roswitha Lauer aus Roßwein sitzt seit Wochen täglich an ihrer Nähmaschine. Das macht ihr Spaß, hilft aber vor allem Anderen.

Ob kariert oder mit Punkten – Mundschutz, genäht von Roswitha Lauer, gibt es in allen möglichen Farben und Mustern. Sie nutzt, was die Stoffvorräte hergeben.
Ob kariert oder mit Punkten – Mundschutz, genäht von Roswitha Lauer, gibt es in allen möglichen Farben und Mustern. Sie nutzt, was die Stoffvorräte hergeben. © Dietmar Thomas

Roßwein/Döbeln. Stoff-Masken in vielen Farben und Mustern liegen auf dem Nähtisch von Roswitha Lauer aus Roßwein. Kariert oder gepunktet, mit Blumen- oder Sternenmotiv oder auch einfarbig sehen sie aus. Den Stoff hat die gelernte Näherin noch von einer vor einigen Jahren. „Eigentlich wollte ich davon mal etwas nähen, das ich dann auf dem Flohmarkt verkaufen kann“, sagt sie. An Stoffbeutel oder Kissenhüllen hatte sie dabei gedacht. Doch daraus wird nun nichts. Seit mehreren Wochen näht die Roßweinerin fast jeden Tag Stoff-Masken.

Geplant war das so nicht. „Als es mit Corona los ging, habe ich ein paar Mundschutze genäht. Ich dachte dabei vor allem an Patienten der Risikogruppe, die zum Beispiel durch Asthma vorbelastet sind“, erzählt sie. In der Roßweiner Brücken-Apotheke fragte sie nach, ob sie die Verteilung übernehmen können. Die zögerten nicht lange und sagten zu. „Dass sich die ganze Situation so rasant entwickelt, hätte ich zu dieser Zeit nie gedacht“, so die 64-Jährige. Seither sei die Nachfrage enorm gestiegen.

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Nein, Geld verlangt Ramona Lauer für die Stoff-Masken nicht. „Jeder, der möchte, kann einen Betrag für Material und Strom geben, aber bereichern will ich mich daran nicht“, sagt die Roßweinerin. Wie viele Masken sie inzwischen schon genäht hat, kann sie nicht sagen. Auch wie viel Zeit für eine Maske benötigt wird, weiß sie nicht. „Ich mache immer gleich mehrere hintereinanderweg fertig“, sagt sie.

Das größte Problem ist für Roswitha Lauer die Beschaffung des Wäschegummis, den sie für die Masken unbedingt braucht. „Selbst im Internet ist nichts zu einem halbwegs normalen Preis zu bekommen“, sagt sie. Und auch der bunte Stoff, der bei mindestens 60 Grad waschbar ist, geht langsam zur Neige. In der Apotheke würde immer öfter auch nach Masken für Kinder gefragt, die kleiner sind und für die sie gern Stoff mit kindlichen Motiven verwenden möchte. 

"Aber davon habe ich leider nicht mehr so viel“, sagt die Rentnerin. Bald gebe es nur noch weiße Masken. Roswitha Lauer hat einige weiße Tafeltücher, die sie nicht mehr benötigt, vorbereitet. Die wird sie als nächstes zu Behelfs-Masken verarbeiten.

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„Solange der Bedarf da ist und ich noch Material habe, mache ich weiter“, so die Senioren. Nähen und überhaupt Handarbeiten sind ihr Hobby. „Ich muss immer etwas zu tun haben. Nur vorm Fernseher sitzen, das ist nichts für mich.“ Die gebürtige Leipzigerin hat den Beruf des Facharbeiters für Textiltechnik gelernt. Erst später zog sie nach Roßwein und arbeitete viele Jahre als Näherin in der Jugendmode und danach im VEB Untertrikotagen Roßwein.

Bettina Ludwig, Chefin der Brücken-Apotheke an der Dresdner Straße in Roßwein, ist von Roswitha Lauers Engagement begeistert. „Die Nachfrage nach den Masken ist derzeit einfach enorm“, sagt sie.

Auch wenn es sich bei den Mundschutzen nur um sogenannte Behelfs-Masken handele, würden die Lieferungen aus Roswitha Lauers kleiner Nähstube weiterhelfen. „Wir übernehmen in der Apotheke die Verteilung. Den Kunden obliege es, wie viel Geld sie für die Masken geben wollen. Zu den Behelfs-Masken erhalten die Kunden ein Informationsblatt, das der Deutsche Apothekerverband speziell dafür herausgegeben hat. Darauf stehen Tipps zur richtigen Handhabung.

Bettina Ludwig weist darauf hin, dass es sich bei den genähten Mundschutzen nicht um ein Medizinprodukt handelt. „Die Stoffmasken schützen den Träger nicht vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus. Aber sie vermindern das Risiko, andere Personen anzustecken und bremsen die Verteilung des Virus durch die Tröpfchen in der Atemluft“, so die Apothekerin.

Die medizinischen Atemmasken, die es normalerweise in den Apotheken zu kaufen gibt, sind von der Beschaffenheit her anders. „Aber leider stockt es dort mit der Lieferung“, sagt Bettina Ludwig. „Seit Februar versuchen wir bereits, von allen möglichen Stellen Atemschutzmasken zu bekommen. Bislang aber nur mit mäßigem Erfolg.“ Hin und wieder würde ein kleinere Anzahl geliefert, aber die seien nach wenigen Stunden schon wieder ausverkauft.

Tänzer an der Nähmaschine

Masken aus Baumwoll-Stoff werden derzeit auch in der Nähstube im Fundus des Tanzvereins „Döbelner Dance Company“ genäht. Dort entstehen die Mund-Nase-Bedeckungen in unterschiedlichen Farben und Mustern. Gegen eine Spende für die Vereinskasse werden sie abgegeben. Bestellungen werden unter der Telefonnummer des Vereins 0177 7303080 oder per E-Mail unter [email protected] entgegen genommen. Nach vorheriger Absprache können die Behelfs-Masken im Fundus an der Rößchengrundstraße 2-4 in Döbeln abgeholt werden, teilt Sabine Kramer vom Vorstand mit.

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