merken
Deutschland & Welt

Massen-Coronatest in Hochhäusern

Weil zwei infizierte Familien sich nicht an die Quarantäne hielten, werden am Sonntag Hunderte Bewohner eines Hochhauskompexes in NRW getestet.

Weil zwei Familien trotz Corona-Infektionen ihre Quarantäne in diesem Hochhauskomplex in Grevenbroich verlassen haben, sollen die Bewohner der 117 Wohnungen getestet werden.
Weil zwei Familien trotz Corona-Infektionen ihre Quarantäne in diesem Hochhauskomplex in Grevenbroich verlassen haben, sollen die Bewohner der 117 Wohnungen getestet werden. © Marius Becker/dpa

Grevenbroich. Weil sich zwei mit dem Coronavirus infizierte Familien nicht an die angeordnete Quarantäne gehalten haben, hat das Gesundheitsamt im nordrhein-westfälischen Grevenbroich einen ganzen Hochhauskomplex mit 117 Wohnungen abgeriegelt. Alle 450 Bewohner sollten am Sonntag vorsichtshalber auf das Virus getestet werden. So wollen die Gesundheitsbehörden in der Stadt zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach herausfinden, ob sich die Nachbarn bei einem der Kontakte mit den Infizierten selbst mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Die Behörden zäunten das gesamte Grundstück am Wochenende ein und bauten einen Sichtschutz auf. Ein Sicherheitsdienst kontrollierte die Ein- und Ausgänge. Die Hausbewohner sollen das Grundstück erst wieder verlassen dürfen, wenn die Tests in ein paar Tagen beweisen, dass sie sich nicht bei ihren Nachbarn angesteckt haben.

Anzeige
Vom Hotel bis zur Villa
Vom Hotel bis zur Villa

Ersteigern Sie attraktive Immobilien aus ganz Mitteldeutschland bei den sächsischen Sommer-Auktionen in Dresden und Leipzig.

© Marius Becker/dpa
© dpa
© dpa
© dpa
© dpa

Ausgelöst wurde der Massen-Test von acht Bewohnern aus zwei Familien, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind. Die Gesundheitsbehörden hätten deshalb häusliche Quarantäne angeordnet, sagte Benjamin Josephs, Pressesprecher des Rhein-Kreises Neuss am Sonntag. Doch bei den telefonischen Kontrollen durch die Behördenmitarbeiter sei deutlich geworden, dass sich die Familienmitglieder nicht an die Quarantäne hielten.

Erwachsene und Kinder hätten weiter Kontakt mit Nachbarn gehabt und sich unter anderem vor dem Komplex aufgehalten. Ob die anderen Bewohner überhaupt wussten, dass die Familien eigentlich in Quarantäne waren und ein hohes Ansteckungsrisiko bestand, ist unklar.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Die Gesundheitsbehörden von Stadt und Kreis entschlossen sich deshalb zu dem Massen-Coronatest. 115 Mitarbeiter von Gesundheitsamt und Rotem Kreuz waren am Sonntag im Einsatz. Auf einem Parkplatz vor dem Gebäude bauten sie drei Zelte auf. Dann gingen einige Mitarbeiter von Wohnung zu Wohnung. "Wir fragen die Bewohner dann, ob sie sich einem Test unterziehen möchten", sagte Josephs. Der Test ist für die Bewohner freiwillig. Wer sich allerdings weigert, muss vorsorglich 14 Tage in Quarantäne bleiben. Das können die Behörden anordnen.

Die Bereitschaft, sich testen zu lassen, sei allerdings sehr hoch, sagte Josephs. In den ersten 90 Minuten seien schon 150 Abstriche genommen worden. Mit den Ergebnissen werde am Dienstag gerechnet. Bis dahin darf keiner der Bewohner das Grundstück verlassen. Wie es dann weitergeht an dem Hochhauskomplex, hänge davon ab, wie viele andere Bewohner sich mit dem Coronavirus infiziert haben, sagte Josephs.

Die beiden Familien, die durch ihre Verstöße gegen die Quarantäne-Auflagen den Massen-Coronatest nötig gemacht haben, seien inzwischen anderswo untergebracht. Details nennt der Kreis nicht. Aber es sei ein Ort, an dem "sichergestellt ist, dass sie sich an die Quarantäne-Maßnahmen halten", sagte Josephs.

Mehr zum Thema Deutschland & Welt