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Massive Kritik am Johannstädter Parkkonzept

Die Pläne zum Anwohnerparken lösen bei den Betroffenen keineswegs Jubel aus. Stattdessen befürchten sie Nachteile.

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© Sven Ellger

Von Kay Haufe

Freitag nach 21 Uhr geht gar nichts mehr. Dann muss Torsten Hilbrich mehrere Runden drehen und weite Wege in Kauf nehmen, um einen Parkplatz in der Johannstadt zu finden. „Ich hatte wirklich gehofft, dass sich die Situation mit dem neuen Konzept zum Bewohnerparken entschärft. Doch das, was die Stadt vorgelegt hat, wird am Parkchaos nichts ändern“, glaubt der FDP-Ortsbeirat.

Geht es nach den Verkehrsplanern, sollen in den nächsten Monaten zwei Anwohnerparkzonen eingerichtet werden. Diese erstrecken sich einmal vom Käthe-Kollwitz-Ufer, über die Elsasser und Gerokstraße bis zur Arnoldstraße (Parkzone 15). Die zweite verläuft zwischen Fetscherstraße, Käthe-Kollwitz-Ufer, Arnold- und Pfotenhauerstraße (Parkzone 16). In ihnen sind die Stellplätze auf den Straßen aufgeteilt in reine Bewohnerparkplätze, zeitlich begrenzte, zu bezahlende sowie freie Parkplätze. „Doch während in der Zone 15 rund 64 Prozent der Straßen für die Bewohner reserviert sind, überwiegen in Zone 16 die frei nutzbaren Plätze. Dort sind für Bewohner nur 25 Prozent vorgesehen“, sagt Torsten Hilbrich. Unverständlich für ihn, weil gerade dort durch die Nähe der Uniklinik großer Parkdruck herrsche. „Ein Parkkonzept ohne die Einbeziehung des Klinikums und der großen Wissenschaftseinrichtungen am Tatzberg ist absolut kontraproduktiv“, sagt der Ortsbeirat.

Und vertritt damit die Mehrheitsmeinung des Altstädter Ortsbeirates. Besonders kritisiert wurde vom Gremium, dass das Parkraumkonzept eine bloße Zustandsanalyse sei und keinerlei Weiterentwicklungsmöglichkeiten beinhalte. „Ich sage das unumwunden: Das ist eine reine Verwaltungsvorschrift, um Geld von den Anwohnern einzusammeln“, so Hilbrich. Er hat ausgerechnet, dass die Stadt rund 47.000 Euro einnimmt, wenn sie für ein Jahr Parkausweise für die 1.571 Bewohnerstellplätze verkauft. „Das wäre in Ordnung, wenn damit in ein vernünftiges Parksystem investiert würde. Zum Beispiel Straßenmarkierungen, um den Platz auszuschöpfen. Auch Längsparker würden weiterhelfen“, sagt der FDP-Politiker. Doch das sei im Konzept nicht vorgesehen.

Hilbrich findet auch die zeitliche Begrenzung des Bewohnerparkens von 8 bis 19 Uhr wochentags nicht ausreichend. „Das nutzt Rentnern oder Leuten, die täglich 16 Uhr Feierabend haben. Aber das ist nicht die Mehrheit der Anwohner“, sagt er. Abends müsse die Zeit nach hinten verlegt werden.

Auch Michael Barth, der in der Johannstadt wohnt, sieht dringenden Änderungsbedarf beim Parkkonzept. „Ich finde abends meist noch einen Platz am Käthe-Kollwitz-Ufer in Höhe des Thomas-Müntzer-Platzes. Doch genau dieser Bereich soll künftig nur noch gebührenpflichtig nutzbar sein“, sagt er. „Wenn das Konzept letztlich eine schlechtere Situation der Anwohner nach sich zieht, kann es nicht durchdacht sein“, sagt der Architekt.

Der Altstädter Ortsbeirat sieht dies ähnlich und hat den Vorschlag der Stadtplanung abgelehnt. Stattdessen ist das Rathaus nun aufgefordert, eine Bürgerversammlung zum Parken einzuberufen. Danach sollen die Vorschläge der Anwohner in das Konzept einfließen. „Außerdem muss zwingend das Areal der Uniklinik mitbetrachtet werden“, sagt Torsten Hilbrich. „Die Stadt hat vier Jahre lang gebraucht, ehe sie ihren Entwurf vorgelegt hat. Da muss jetzt auch Zeit sein, vernünftige Lösungen zu finden.“

Er verweist auf verschenkte Parkplätze in den Ohren der Waldschlößchenbrücke. Dort sollen 150 Plätze entstehen, die Ausschreibung läuft bereits. „Es passen aber 250 hinein“, so Hilbrich. Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz muss sich jedoch an den geltenden Plan-Beschluss halten.