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Massive Proteste gegen die Schneise am Berg

Der Charakter der Auffahrt verändert sich deutlich. Ein Löbauer schaltet deswegen sogar den Umweltminister ein.

Von Gabriel Wandt

Jetzt werden sie laut, die Stimmen der Entrüstung: Übers Wochenende haben die Löbauer ihren Berg besucht – und mit eigenen Augen die breite Schneise gesehen, die die Forstarbeiter an der Auffahrt Richtung Honigbrunnen in den Wald geschlagen haben. Damit wird der Holzeinschlag immer mehr zum Gesprächsthema in der Stadt – und darüber hinaus. Denn Reinhart Keßner, Inhaber der gleichnamigen Stempelfirma, hat sich an die Spitzen der sächsischen Politik gewandt und fordert den sofortigen Stopp der Arbeiten.

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Viel Platz statt schmaler Allee: Der Holzeinschlag am Löbauer Berg erfährt massiven Widerspruch. Foto: Rafael Sampedro
Viel Platz statt schmaler Allee: Der Holzeinschlag am Löbauer Berg erfährt massiven Widerspruch. Foto: Rafael Sampedro

In eindringlichen Worten hat Keßner an den sächsischen Umweltminister Frank Kupfer (CDU) geschrieben und appelliert an ihn, sofort einzuschreiten. „Auf diesem Berg wird in den letzten Tagen ein Frevel begangen, der zahlreiche Bürger schockiert“, schreibt Keßner. Er und viele weitere Löbauer hätten am Wochenende ihren Augen nicht getraut, als sie am Löbauer Berg eine völlig veränderte Landschaft vorfanden. Der Charakter des Bergs habe sich an der Nordseite innerhalb von zwei bis drei Tagen vollkommen verändert.

Grund für die Wut der Löbauer sind Arbeiten des Sachsenforstes, der für die Stadt Löbau auf dem Berg den Wald bewirtschaftet. Forstarbeiter haben am Montag vor einer Woche begonnen, an der Auffahrt zum Berggasthof Honigbrunnen mehrere Hundert Bäume zu fällen. Als Begründung verwies Revierförster Lars Morgenstern auf Sicherheitsaspekte. Die Bäume seien alt, trügen Fäule oder seien innen hohl. Manche Bäume hatten sich Richtung Fahrstraße und Wanderweg geneigt – hier betonte der Förster, dass nicht klar sei, ob nicht der nächste Sturm einen solchen Baum zu Fall bringe. OB Buchholz hatte betont, dass die Arbeiten ein lange geplantes Vorhaben seien. Zudem hatte er ebenfalls darauf verwiesen, dass entlang der jahrzehntealten Allee sehr viele kranke Bäume gestanden hätten.

Nun ist der Großteil der Schneise geschlagen, und Reinhart Keßner versucht, wenigstens die verbliebenen Bäume noch zu retten. „Bitte lassen Sie den Baumfrevel in Löbau sofort stoppen – jede Minute zählt, so dass zumindest das letzte Drittel der Wegstrecke im Ursprung erhalten bleibt und vor den Sägen der Förster noch gerettet werden kann“, schreibt er in seiner Mail, die er auch an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) weitergeleitet hat. „Bitte verschaffen Sie sich persönlich einen Überblick der Lage vor Ort und ordnen einen sofortigen Stopp der weiteren Fällungen an“, schreibt er an Umweltminister Kupfer. Keßner ist überzeugt, dass hier „auf brutale Weise in das ökologische und optische Gleichgewicht des Berges eingegriffen“ worden sei.

Im Dresdner Umweltministerium sieht man das Thema offenbar nicht so dramatisch. „Herr Keßner wird auf seine Nachricht an Staatsminister Kupfer in den nächsten Tagen eine Antwort erhalten“, lässt Ministeriumssprecher Frank Meyer gestern Nachmittag die SZ wissen. Zudem verweist er auf die bekannten Argumente: Der Staatsbetrieb Sachsenforst habe in einer Stellungnahme dargelegt, dass die Baumfällungen wegen der Verkehrssicherungspflicht nötig seien. Mit dem Fällen der Bäume sollen Waldbesucher geschützt und die Benutzer der Zufahrtsstraße zum Honigbrunnen vor Unfällen mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen bewahrt werden, erklärt der Sprecher. Im Löbauer Rathaus sind die Proteste offenbar ebenfalls angekommen. Der Löbauer OB Dietmar Buchholz (parteilos) war für die SZ allerdings nicht zu erreichen.

Unterdessen sind nicht nur am Löbauer Berg, sondern auch am Kottmar im großen Stil Bäume abgeholzt worden. Dort liegen an Wegen mittlerweile riesige Holzstapel. Spaziergänger berichten davon, dass sie noch nie in einem Wald so hohe Haufen von übereinandergestapelten Bäumen gesehen haben.