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Freital

Mauerkunst an der Weißeritz

Eine graue Betonwand wird zur bunten Werbefläche. Dafür greift Steffen Neumann in Freital zum Pinsel.

Dem Uhu in die Augen geschaut: Steffen Neumann gestaltet die Wand am Transportbetonwerk neu. © Andreas Weihs

Die markanten gelben Augen eines Uhus sind schon da, der schwarze Teil des Gefieders auch. Nun geht es mit weißer Farbe weiter. Steffen Neumann klettert das Gerüst hinauf und stellt in zwei Meter Höhe seinen Farbentopf ab. Dann tunkt er den Pinsel hinein und legt mit großen Schwüngen los. „Ich bin Schnellmaler“, sagt er.

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Schaden kann es nicht, denn der Uhu, welcher gerade an einer Betonmauer hinter der Sprint-Tankstelle nahe des Freitaler Ortseingangs entsteht, ist erst der Auftakt. Die 110 Meter lange Wand wird von Steffen Neumann als Werbefläche gestaltet – in Handarbeit. Neumann, 54 Jahre alt, ist eigentlich Airbrush-Künstler. Mit einer filigranen Farbpistole gestaltet er Motorradhelme, Motive auf Autokarossen oder Bikes. „Sogar Fahrräder habe ich schon schick gemacht“, berichtet er. Doch in den vergangenen Jahren hat er sich zunehmend auf großflächige Wandmalerei spezialisiert. Kommerzielle wie private Wünsche kann er erfüllen.

Dabei fiel ihm vor drei Jahren die graue Betonwand an der Weißeritz nahe der Gitterseebrücke auf. Dahinter lagert das Unternehmen Transportbeton Ottendorf-Okrilla Kiese und Splitte. Neumann fragte an, ob er die Wand für Werbezwecke bekommen dürfte und wurde sich mit dem Unternehmen einig. „Die waren ganz froh, denn ich kümmere mich auch, dass das Unkraut nicht wächst und hier nicht alles zuwuchert.“ Neumann vermietete die Wand an Freitaler Unternehmen und malte im Gegenzug deren Werbung an die Wand. Nun, nach dreijährige Laufzeit, sind die Werbeverträge erloschen. Zeit, Platz zu machen für Neues. Dafür hat Steffen Neumann die Wände frisch grundiert. In den nächsten Wochen entstehen neue Schriftzüge, das Freitaler Stadtwappen, ein sächsischen Wappen und Bilder. Wie der Uhu, der an einer Ecke die Winkel „aufbrechen“ soll, wie Neumann erklärt: „Das Motiv ist so angebracht, dass der Betrachter es von weitem nicht mehr als Ecke, sondern als Fläche wahrnimmt.“ Der Freitaler war nicht sein ganzes Leben Künstler. In den 1980er-Jahren fing er als Fördermann im Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ in Dresden-Gittersee an. Doch die teils riskanten Manöver der Kollegen, um die hohen Arbeitsnormen zu schaffen, verstörten ihn. „Die hatten einen Schuss“, sagt er und winkt ab. Er kündigte. In der Wendezeit packte er seine Sachen und wanderte nach Spanien aus. Als er nach drei Jahren zurückkehrte, verdiente er sich seinen Unterhalt auf dem Bau. 2004 lerne er den damaligen Europameister im Airbrush kennen, einen Bautzner. „Der zeigte mir, wie das funktioniert und ich übte, übte, übte.“ Neumann, der bis dato mit der Kunst nicht viel am Hut hatte, war fasziniert und eröffnete ein eigenes, kleines Studio. Das hat er inzwischen aufgegeben – allein vom bemalen von Autokarrossen könne er nicht leben, begründet er. Die Werbemalerei ist da einträglicher.

Auf die Wand kommt in den nächsten Wochen das Konterfei des Weißeritzparkes, eines Pflegedienstes, eines Reifenhändlers und eines Freitaler Autohauses. Bis Anfang August soll alles fertig sein. Bei den Motiven hat er freie Hand. Entwürfe braucht er kaum. „Ich habe alles im Kopf“, sagt Neumann und tippt sich mit dem Ende des Pinselstiels an die Stirn. Dann schiebt er sein Gerüst, klettert hoch und taucht den Pinsel ein. Der Uhu soll in wenigen Tagen fertig werden.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/ort/freital vorbei.

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