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Medizin-Nobelpreis geht an Zellforscher

Zwei Amerikaner und ein Brite haben herausgefunden, wie Zellen auf Sauerstoff reagieren. Dafür wurden sie mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Auf einer Pressekonferenz verkündet das Nobelkomitee mit den Mitgliedern Patrik Ernfors (erste Reihe, l-r), Anna Wedell und Randall Johnson den Nobelpreis für Medizin 2019, während die drei Gewinner auf eine Leinwand projiziert werden.
Auf einer Pressekonferenz verkündet das Nobelkomitee mit den Mitgliedern Patrik Ernfors (erste Reihe, l-r), Anna Wedell und Randall Johnson den Nobelpreis für Medizin 2019, während die drei Gewinner auf eine Leinwand projiziert werden. © Zheng Huansong/XinHua/dpa

Berlin. Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an William Kaelin (USA), Peter Ratcliffe (Großbritannien) und Gregg Semenza (USA). Die drei Forscher entdeckten molekulare Mechanismen, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt in ihrer Umgebung wahrnehmen und sich daran anpassen, wie das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mitteilte.

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Ihre Arbeiten hätten die Grundlagen gelegt für die Entwicklung neuer Strategien zur Bekämpfung von Blutarmut, Krebs und vielen anderen Erkrankungen, hieß es von der Nobeljury. Der Sauerstoffgehalt in der Umgebung beeinflusst in bestimmten Fällen das Wachstum der Zellen in einem Tumor und dessen Versorgung. Daher gelten die zugrundeliegenden Mechanismen als mögliche Ansatzpunkte für Krebstherapien.

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Alle Tiere benötigen Sauerstoff, um aufgenommene Nahrung im Inneren der Zellen in lebenserhaltende Energie umzuwandeln. Verändert sich der Sauerstoffgehalt, verändert sich die Aktivität zahlreicher Gene und damit letztlich der Stoffwechsel. Gregg Semenza vom Johns Hopkins Institute for Cell Engineering in Baltimore identifizierte in den frühen 1990er Jahren ein Protein, das diese sauerstoffabhängigen Reaktionen reguliert. 1995 konnte der 1956 in New York geborene Biologe das Protein gewinnen und weiter erforschen. Der Name des Faktors: HIF (Hypoxia Inducible Factor).

Der Mediziner William Kaelin von der Harvard Medical School in Boston, geboren 1957 in New York, untersuchte eine Krebserkrankung, die auf einem fehlerhaften Protein beruht. Die Aktivität dieses VHL genannten Proteins ist abhängig vom Sauerstoffgehalt. Der Brite Peter Ratcliffe, 1954 in Lancashire geboren, fand 1999 schließlich heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Proteinen - HIF und VHL - gibt.

Im Jahr 2016 hatten Kaelin, Ratcliffe und Semenza bereits den renommierten Lasker-Award bekommen. Als "ein wunderschönes System" hatte Gregg Semenza damals den Mechanismus der Sauerstoffwahrnehmung in einem Video bezeichnet. Sauerstoff sei die Substanz, von der man am meisten konsumiere und ohne die man am kürzesten überlebe.

Das Karolinska-Institut hatte zunächst Schwierigkeiten, einen der Nobelpreisträger zu erreichen: Man habe von Kaelin erst keine Nummer gehabt, sagte Thomas Perlmann von der Nobelversammlung des Instituts. Daher sei seine Schwester angerufen worden, die zwei Nummern herausgegeben habe. Bei der zweiten sei das Überbringen der Nachricht geglückt. "Er war sehr froh, fast sprachlos", so Perlmann über Kaelins Reaktion.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 830 000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Im vergangenem Jahr hatten der US-Amerikaner James Allison und der Japaner Tasuku Honjo den Preis für die Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs erhalten. In den kommenden zwei Tagen werden die Nobelpreise für Physik und Chemie zuerkannt. (dpa)