merken

Mehr Alkoholfahrer ertappt

Die Zahl ist um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Beamten raten zu null Promille.

© dpa

Von Reiner Hanke

Anzeige
Kein „Supermarkt für Medizin“

Fach- und sachkundige Beratung sind in der Apotheke im Seidnitz Center das A und O.

Radeberg. Hätte die Dame mal lieber ein Taxi für den Start ins neue Jahr gerufen… Schon am sehr zeitigen Neujahrsmorgen hatte die Polizei bekanntlich in die Schönfelder Straße im Radeberger Süden kommen müssen. Hier hatte gegen 2.40 Uhr eine Kia-Fahrerin arge Probleme gehabt, eine Grundstückseinfahrt zu meistern. Die 65-Jährige war dabei auch gegen einen geparkten Skoda Octavia gefahren. Da die Unfallverursacherin die Unfallstelle einfach so verlassen wollte, war sie allerdings von Passanten festgehalten worden, die dann auch die Polizei alarmiert hatten. Und die Beamten brauchten nicht mal wirklich eine gute Nase, um festzustellen, dass die Dame nicht ganz nüchtern unterwegs gewesen war: Der Test ergab einen Wert von 2,06 Promille Alkohol in der Atemluft…

Dieser Fall wird dann in der nächsten Jahresbilanz der Polizei in Sachen Alkohol auftauchen. Aktuell gibt’s aber erst mal einen Rückblick auf 2014.

Sind derzeit besonders viele Alkoholfahrer unterwegs?

Die Zahlen lassen aufhorchen. Thomas Ziegert, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, bestätigt: „2014 wurden bis Ende Oktober im Bereich der Polizeidirektion 1 062 alkoholisierte Fahrzeugführer ertappt.“ Das seien 18,9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2013. Nach Frauen und Männern werde die Statistik nicht aufgeschlüsselt. Generell würden aber mehr Männer dazu neigen, angetrunken zu fahren.

Liegt es an der Jahreszeit, dass mehr Promillesünder erwischt werden?

Eher nicht. Bisher konnten die Beamten keine Tendenzen in Bezug auf eine Jahreszeit feststellen. Weder bei Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss noch bei den sogenannten folgenlosen Trunkenheitsfahrten. Im Gegenteil, insbesondere zur Faschingszeit oder am Wochenende zum Disco-Besuch lasse sich ein höheres Verantwortungsbewusstsein feststellen als noch vor einigen Jahren. Oft werden Fahrgemeinschaften gebildet oder man verzichtet ganz auf Alkohol.

Ist generell ein Anstieg der Delikte zu verzeichnen?

Auch wenn es im Jahr 2014 ein heftiges Plus gab, schätzt Thomas Ziegert ein: „Dass mehr alkoholisierte Kraftfahrer erwischt werden, heißt nicht automatisch, dass mehr Verkehrsteilnehmer angetrunken unterwegs sind.“ Oder die Hemmschwelle sinke. Eine Ursache könne auch sein, das mehr kontrolliert wurde. Alkoholsünder herauszupicken, sei Fleißarbeit: „Wir haben das Thema Alkohol am Steuer permanent im Blick.“ Wer Schlangenlinien fahre, der falle auch eher auf. Die Zahl der ertappten Fahrzeugführer unter Alkoholeinfluss bewege sich aber seit 2009 mit leichten Schwankungen nach oben und unten auf einem gleichbleibenden Niveau. In der Tendenz sinkend seien die Verkehrsunfälle, die unter dem Einfluss von Alkohol verursacht wurden. Aber sie sind oftmals besonders schwer. Die Gefahr ist enorm hoch, dass dabei andere Menschen verletzt werden. Fast die Hälfte aller Alkohol-Verkehrsunfälle ende mit Personenschaden. Im Vorjahr registrierte die Polizei in den Landkreisen Bautzen und Görlitz 318 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss. In 144 Fällen davon wurden Menschen verletzt.

Welche Konsequenzen drohen bei welcher Promille-Grenze?

Eins ist für den Polizeisprecher klar: Alkohol am Steuer schränke die Fahrtüchtigkeit in der Regel ein. Eine leichte Alkoholisierung wird als Ordnungswidrigkeit geahndet. Die liegt vor, wenn ein Kraftfahrer mit 0,5 oder mehr Promille Alkohol im Blut erwischt wird. Dann drohen ein Bußgeld sowie Flensburg-Punkte, aber auch ein Fahrverbot von einem bis zu drei Monaten. Was viele nicht wissen: Bereits ab 0,3 Promille kann Alkohol im Blut gefährlich werden und rechtliche Konsequenzen haben. Das ist der Fall, wenn wegen des Alkoholpegels Fahrfehler passieren oder der Kraftfahrer an einem Unfall beteiligt ist. Von einer absoluten Fahruntüchtigkeit sei ab 1,1 Promille bei Kraftfahrern auszugehen. Dann bewegen sie sich in einem Bereich, in dem es um Straftaten geht, um die Trunkenheit im Verkehr und die Gefährdung des Straßenverkehrs. Erst recht bei einem Unfall. Die Alkoholfahrer müssen mit dem Entzug der Fahrerlaubnis sowie mit Punkten in Flensburg rechnen. Beim Verdacht auf Straftaten schaltet sich zusätzlich der Staatsanwalt ein und ermittelt.

Mit welchen Ausreden kommen angetrunkene Sünder?

Es sind viele. Sie reichen von „Es war nur ein Bier vor zwei Stunden“ bis hin zum Genuss von „zwei Weinbrandbohnen“. Thomas Ziegert: „Doch bei Alkohol am Steuer zählen keine Ausreden.“

Gibt es Alkohol-Testgeräte für Kraftfahrer, die empfehlenswert sind?

Oft werden Alkohol-Testgeräte für Kraftfahrer beworben. Doch die Polizei empfiehlt klar: „Kein Alkohol am Steuer!“ Das Geld für derartige Testgeräte sei im Zweifel besser in den Bus oder ein Taxi investiert. Thomas Ziegert: „Wer Alkohol getrunken hat, sollte das Fahrzeug stehenlassen und später nüchtern abholen. Zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.“

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special