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Mehr als 140 Tote bei schwerstem Luftschlag im Jemen

Ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis legt im Jemen eine Feuerpause ein. Hoffnungsschimmer oder Ablenkungsmanöver?

Sanaa/Riad. Vor Beginn einer einseitig verkündeten Feuerpause hat ein von Saudi-Arabien geführtes Militärbündnis die bislang heftigsten Luftangriffe auf das Nachbarland Jemen geflogen. Mindestens 141 Menschen wurden bei den etwa elf Bombardements am Samstag auf die Hafenstadt Mocha im Süden Jemens getötet, wie lokale medizinische Helfer und Rettungskräfte am Sonntag berichteten. Zudem gebe es weitere 200 Verletzte.

Demnach wurden außer einem Elektrizitätswerk auch Wohngegenden getroffen. Deshalb seien unter den Opfern vor allem Zivilisten - unter ihnen Frauen und Kinder, sagten die Helfer. Wegen des kritischen Zustandes vieler Verletzter werde mit einer steigenden Zahl von Todesopfern gerechnet.

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Der Angriff auf Mocha ist das schwerste Bombardement seit dem Beginn der Luftschläge Ende März. Im Bürgerkriegsland Jemen kämpfen seit mehreren Monaten schiitische Huthis mit ihren Verbündeten gegen Anhänger des sunnitischen Exilpräsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi, der Ende März nach Riad floh.

Einige Beobachter werten die vom saudischen Bündnis am Samstag einseitig angekündigte humanitäre Feuerpause als Versuch, von dem verheerenden Ausmaß des Angriffs auf Mocha abzulenken.

Die Koalition will am Sonntag eine Minute vor Mitternacht (22.59 Uhr MESZ) die Bombardierung des Jemens für fünf Tage einstellen, um humanitäre Hilfe in dem zerrütteten Land zuzulassen. Jemens geflüchteter Präsident soll um die Waffenruhe gebeten haben. Ob die Rebellen sich daran halten würden, war zunächst unklar.

Das Militärbündnis hatte betonte, einseitige Angriffe vonseiten der Huthis während dieser Zeit würden „beantwortet“. Erst vor zwei Wochen scheiterte eine von den Vereinten Nationen vermittelte Feuerpause - Bombardements und Gefechte gingen fast unvermindert weiter. Die Jemen-Expertin Samaa Al-Hamdani sagte dem Nachrichtensender Al-Dschasira, ein Erfolg der Waffenruhe sei nach den Erfahrungen der Vergangenheit ihrer Meinung nach unwahrscheinlich.

Durch die Kämpfe und Luftangriffe im bitterarmen Jemen steht das Land seit Wochen vor dem Kollaps. Nahrung, Medizin und Treibstoff sind knapp. Erste Seuchen breiten sich aus. Seit März sind nach UN-Angaben mehr als 3000 Menschen wegen des Konflikts gestorben - über die Hälfte von ihnen waren Zivilisten. Die vielen Toten der vergangenen Tage sind in diesen Zahlen nicht eingerechnet.

Am Sonntag schlugen auch im Großraum Sanaa erneut Bomben des Militärbündnisses ein. Ziel waren Anwohnern zufolge Huthi-Stützpunkte bei und in der jemenitischen Hauptstadt. Zuletzt hatten die Rebellen im Süden des Landes mit dem Verlust der zweitgrößten Stadt Aden eine schwere Niederlage einstecken müssen. Trotzdem kontrollieren sie noch immer weiter Teile des Landes. (dpa)