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Mehr als ein modisches Accessoire

Martin Fröhlich aus Wittichenau designt edle Fliegen – auch für den Semperopernball.

© privat

Wittichenau. Wenn sich an diesem Freitag in Dresden die 100 männlichen Debütanten beim 13. Semperopernball auf dem Tanzparkett drehen, tragen sie um den Hals erneut eine handgefertigte, edle Fliege von „Martin Joyeux“. Hinter dem Label steckt der aus Wittichenau stammende Martin Fröhlich. Die SZ sprach am Telefon mit dem 34-jährigen Hobby-Designer, der in Berlin lebt und arbeitet.

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Die schwarz-champagnerfarbene Debütanten-Fliege aus Satin und Samt: Der doppelte, versetzte Schnitt ist eine der Besonderheiten der Kreation.
Die schwarz-champagnerfarbene Debütanten-Fliege aus Satin und Samt: Der doppelte, versetzte Schnitt ist eine der Besonderheiten der Kreation. © privat

Herr Fröhlich, welche Fliege tragen Sie gerade?

(Lacht.) Gar keine. Aber vorhin bei einem Geschäftstermin habe ich tatsächlich eine getragen. Ich habe schon häufig eine um, je nach Lust und Laune. Ich trage sie beispielsweise bei Geschäftskundenterminen, wenn ich Vorträge halte und auch beim Ausgehen.

Fliegen zu designen, ist Ihr Hobby. Wie kam es dazu?

Für extravagante, individuelle Mode und für Stoffe wie Tweed, Baumwollsamt oder Satin habe ich mich schon immer begeistert. Meine Oma hatte früher einen Kurzwarenladen. Also habe ich mir einen meiner Anzüge „umgetunt“, bessere Knöpfe und einen Brokatkragen angenäht. So fing es an. Vor drei Jahren habe ich dann zweimal wöchentlich einen Schneiderkurs belegt und die „Basics“ gelernt. Zum Beispiel ein Einstecktuch auszuschneiden und zu nähen oder eben eine Fliege zu schneidern. Dann habe ich angefangen, die Fliegen in exklusive Geschäfte zu bringen, und so wurde ich immer wieder weiterempfohlen. Die Qualität und Liebe zum Detail zahlen sich aus.

Welche Bedeutung hat die Fliege für Sie?

Die Fliege ist mehr als ein modisches Accessoire, sie ist das Sinnbild gelebter Individualität. Mit ihr belebe ich den alten slawischen Brauch des Freundschaftsbundes neu. Ich bin ja Sorbe. Die Fliege steht für mich für Treue zu den Wurzeln, zum Brauchtum, zur Manufaktur und zu traditionellen Mustern.

Was halten Sie von Krawatten?

Ein No-Go. Die sind so „hängig“, was besonders bei meiner Körperlänge gar nicht geht.

Was macht die von Ihnen designten Fliegen besonders?

Man muss emotional, authentisch und mit Leidenschaft dahinterstehen. Jede Fliege ist handgefertigt. Es dauert ungefähr 60 Minuten, bis sie fertig ist. Jedes Stück ist ein Unikat; Neuauflagen gibt es nicht. Ich habe für einen höheren Tragekomfort eine spezielle Verschlusstechnik entwickelt. Außerdem haben unsere Fliegen einen einzigartigen doppelten, versetzten Schnitt. Man sieht und spürt am Ende, wenn sie von uns gemacht wurden.

Haben Sie eine Lieblingsfliege?

Ja, das ist ein bordeauxrotes Samtmodell, in einer Farbe, wie sie der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. immer als Mantel getragen hat. Sie strahlt so etwas Starkes aus.

Wo kann man Ihre Fliegen kaufen?

In 180 Läden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Frankreich, den Niederlanden, Norwegen und Tschechien. Bei dieser Größenordnung will ich es belassen. Eine Auswahl findet sich in Wittichenau in „Fröhlichs Haus der Geschenke“.

Soll das Designen Hobby bleiben?

Ja. Ich will mich nicht unter Druck setzen müssen, sondern möchte mir Kreativität und Leidenschaft bewahren. Deshalb produziere ich gemeinsam mit einer Schneiderin in der sorbischen Oberlausitz nur eine kleine Auflage jährlich. Für mich zählt Klasse, statt Masse. Die Stoffe suche ich sorgfältig viermal jährlich in ganz Europa aus. Dabei setze ich vor allem auf Raritäten, auf einzigartige Stoffe, die nicht mehr meterweise zu haben sind.

Sind Fliegen auch etwas für Frauen?

Warum nicht? Meine Fliegen werden auch von Frauen geordert.

Sie entwerfen zum zweiten Mal die Debütanten-Fliegen für den Semperopernball. Wie hat sich die Zusammenarbeit ergeben?

Ich bin mit Ekki Frey (Bruder des Ballchefs Prof. Hans-Joachim Frey, d. A.) eng befreundet. Er ist längst ein Fliegen-Fan geworden, und so kam mir die Idee, Fliegen für den Opernball zu kreieren, passend zu den Kleidern der Frauen. Letztes Jahr waren es blaue Samtfliegen, diesmal ist das Modell schwarz-champagnerfarben in Satin und Samt. Eine limitierte Auflage gibt es auch zu kaufen.

Wie haben denn die Debütanten reagiert?

Sie mochten die Fliege! Sie haben sie respektvoll und mit Stolz und Freude getragen. Das ist auch für mich etwas ganz Besonderes und etwas, das mich mit Freude und Stolz erfüllt.

Gehen Sie zum Semperopernball?

Ja, ich bin mit meiner ganzen Familie in diesem Jahr wieder dabei und wir freuen uns alle sehr darauf.

Tanzen Sie denn gern?

Ich tanze gern, ich habe ja früher auch viel Musik gemacht. Vor dem Ball belege ich aber noch einen kleinen Walzerkurs, um das Tanzen aufzufrischen.

Sind Sie noch manchmal in Wittichenau anzutreffen?

Oh ja, ich versuche, so oft wie möglich nach Wittichenau zu kommen. So alle drei bis vier Wochen bin ich da. Die Familie steht an oberster Stelle. Meine Eltern unterstützen mich, wo sie nur können. Aber auch die alten Traditionen und Bräuche zu Ostern oder zum Fasching sind mir sehr wichtig. Zudem sind Schulfreunde noch in der alten Heimat.

Gespräch: Anja Wallner

www.martinjoyeux.com