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Mehr als nur der schöne Schein?

© Claudia Hübschmann

In einem alten Berliner Gericht zeigt die Manufaktur Meissen, wie effektvoll ihr Porzellan wirken kann. SZ-Redakteur Peter Anderson über Sachsens Glanz in Berlin.

Wie sich Startsituationen doch mitunter gleichen: „Der neue Anfang“– so lautete im September 2011 der Titel einer ambitionierten Ausstellung in der Alten Baumwollspinnerei am Rande des Leipziger Stadtteils Lindenau, mit welcher der damalige Meissen-Chef Christian Kurtzke den Werkstoff Porzellan dem Kunstmarkt wieder schmackhaft machen wollte.

Der Anspruch war groß bis größenwahnsinnig. Bei seinem Einstieg ins Unternehmen 2008 sei dieses nur noch „ein künstlerischer Schatten seiner eigenen, einst herausragenden Geschichte“ gewesen, tönte Kurtzke. Nun solle es „langfristig zu einem Mekka der modernen Kunst“ werden.

Namhafte Künstler konnten gewonnen werden: Cornelia Schleime lieferte eindrucksvolle Masken ab. Otto Piene steuerte schwungvolle Farbkreisel und geometrische Profilstudien bei. Anselm Reyle zeigte einen apokalyptisch anmutenden, geschmolzenen Tassenberg.

In den folgenden Jahren sollte die Schau wandern, späterhin den Grundstein für ein eigenes Meissen-Museum mit zeitgenössischer Kunst bilden. Das alles blieben Luftschlösser. Eine vermeintliche Innovation nach der anderen wurde vorgestellt, keine von ihnen zündete wirklich, weil sie nicht nachhaltig verfolgt wurden.

Wenn sich auch die Ausgangspunkte ähneln, so muss sich Geschichte doch nicht wiederholen. Die dürren Worte, mit denen die Porzellanschau im Berliner Glashaus beworben wurde, könnten ja als Indiz zu werten sein, dass das Traditionshaus eher mit Taten als mit heißer Luft überzeugen möchte.

E-Mail an Peter Anderson.