merken

Mehr als nur eine Halle

In Großröhrsdorf gibt es einen Treffpunkt, der junge Leute gemeinsam in Bewegung bringt.

© René Plaul

Von Julemarie Vollhardt

Großröhrsdorf. Beim Betreten der Jahn-Turnhalle in Großröhrsdorf entsteht ein sonderbarer Kontrast zwischen der für Umkleidekabinen etwas muffigen Atmosphäre des alten Sportgebäudes und den jungen Leuten. Die Jugendlichen sind in ihr Volleyballspiel vertieft – im Kids-Point. Das ist ein kostenloses Angebot für zwei Stunden pro Woche. Die jungen Menschen kommen zum Spielen, Sporttreiben, Lernen oder Quatschen in die alte Turnhalle .

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Im Obergeschoss bereitet Sarah Schube gerade den Tee vor. Sie ist 27 Jahre alt, studierte gleich nach der Schule „Soziale Arbeit“ und ist nun im Auftrag des „Netzwerks für Kinder- und Jugendarbeit“ hier. Ihre Arbeit umfasse viele Bereiche. Unter anderem fungiert sie als Motivatorin, zur Unterstützung, Vermittlung oder einfach als freundschaftliche Gesprächspartnerin. Bei Problemen zwischen Jugendlichen und ihren Eltern, der Schule oder Gleichaltrigen ist die junge Frau immer wieder fairer Mentor. An der Arbeit mit Jugendlichen gefallen Sarah Schube viele Aspekte. „Erst mal haben es Jugendliche oft nicht leicht, sie brauchen Anschluss und Ansprechpartner. Und sie haben altersspezifische Charakterzüge wie Offenheit, Neugier, Antriebskraft und unglaubliche Kreativität. Das ist eine spannende Kombination“, sagt die Jugendsozialarbeiterin.

Treffpunkt außerhalb der Schule

Der Kids-Point entstand vor einem Jahr aus der Idee einer Gruppe Jugendlicher, die eben diese Eigenschaften besaß. Sie gingen damals mit einem ganz bestimmten Anliegen auf die Verantwortlichen zu. Einen Treffpunkt zu schaffen, der außerhalb der Schule und vom Zuhause liegt. Zusammen mit der Stadt wurde dann überlegt, dass die Jahn-Turnhalle frei und unbenutzt ist. Das Gebäude wurde von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt und die Jugendlichen hatten einen Treffpunkt. Dass es sich dabei um ein so altes Gebäude handelte, war den Jugendlichen nur recht. Denn sie wollten den Raum selbst gestalten. Und die Turnhalle durfte auch noch genutzt werden. „Außerdem ist der Standort perfekt. Er liegt in unmittelbarer Nähe zu den Schulen, zum Busplatz und zu einem Einkaufsmarkt“, erklärte Sarah Schube. So ist der Kids-Point entstanden. Das Angebot umfasst jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr einen Kinder- und Jugendtreff sowie ein offenes Sport-Spiel-Angebot. Dazu bietet der Verein auch noch die Möglichkeit, neue Projektideen einzubringen oder persönliche Anliegen zu beraten. Im Zusammenhang damit wurden bereits Graffiti-Lerntage angeboten. Die Jugendlichen haben Räume selbst gestaltet und weitere Projekte sind in der Entwicklung. Die 27-Jährige fügte noch hinzu: „Uns ist wichtig, dass jeder immer kommen kann. Wir beraten Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen bis hin zu Jugendlichen, die Unterstützung brauchen.“ Das Großröhrsdorfer Gebäude dürfe vom Netzwerk, das ein überregional anerkannter Verein der Jugendhilfe ist, auch für andere Projekte genutzt werden. Damit sei die Turnhalle auch für die Kinder und Jugendlichen für verschiedenste Zwecke nutzbar.

Wie wichtig die Jugendhilfe und Sozialarbeit ist, hat mittlerweile auch der Freistaat erkannt. Sachsens Minister haben für 2017 und 2018 ein Landesprogramm entwickelt, das Landkreisen und kreisfreien Städten mehr Geld für Sozialarbeiter an allgemeinbildenden Schulen zur Verfügung stellt. Die Programme wären ein Schritt in die richtige Richtung, glaubt Sarah Schube: „Unser Regionalteam Westlausitz besteht aus vier Sozialarbeitern. Wir müssen von Schule zu Schule pendeln und dadurch sind wir nie fester Ansprechpartner für Hilfesuchende“, berichtet sie. Durch eintägige Demokratieförderung, Medienerziehung oder Drogen- und Gewaltprävention könne man kein langfristiges Vertrauen gewinnen. Einen Sozialarbeiter spezifisch einer Schule zuzuordnen, würde also viele Vorteile und Verbesserungen mit sich bringen. Die Sozialarbeiter wären näher an der Schulsituation dran und vor allem immer persönlich erreichbar. Ein weiterer großer Vorteil wäre es, dass solche besonderen Vertrauenspersonen keine Lehrer wären. Sarah Schube erklärt: „Dadurch können die Schüler unter Umständen offener und persönlicher sprechen, wodurch Probleme wiederum schneller zur Sprache kommen.“ So seien auch mehr Klassenprojekte durch einen schulbezogenen Sozialarbeiter möglich. Ein gutes Klassenklima wäre ein extrem wichtiger Faktor, wenn es um das Wohlbefinden der Schüler geht. Klasseninterne Projekte und ein größeres Vertrauen unter den Schülern könnten auch Mobbing vorbeugen. Fazit: Die Sozialarbeit sollte in Zukunft größere Beachtung und mehr Unterstützung bekommen, denn sie lohnt sich mit Sicherheit.