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Politik

Mehr Autobahnen gebaut als Bahnstrecken

Die Bahn spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Ausgebaut wird statt dessen eine andere Art der Fortbewegung.

Bauarbeiter haben den ersten Abschnitt beim Neubau der A26 nahe Hamburg begonnen.
Bauarbeiter haben den ersten Abschnitt beim Neubau der A26 nahe Hamburg begonnen. © Axel Heimken/dpa

Berlin. In Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich mehr neue Autobahnen oder Bundesstraßen gebaut oder erweitert worden als Bahnstrecken. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Missverhältnis von Ankündigungen und Taten in der Verkehrspolitik werde immer größer.

"Während das Bundesstraßennetz um mehrere hundert Kilometer im Jahr wächst, muss man sich beim Schienennetz für jeden Meter, um das es zulegt, freuen", sagte Gastel. "Dabei ist Deutschland längst ausreichend mit Straßen erschlossen und der Handlungsbedarf liegt eindeutig beim lückenhaften Schienennetz."

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Wie aus den Antworten der Bundesregierung hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 61 Kilometer Autobahnen neu gebaut und 38 Kilometer ausgebaut. Bei Bundesstraßen waren es beim Neubau 122 Kilometer, bei Erweiterungen 12 Kilometer. Basis sind laut Regierung vorläufige Zahlen der Länderverwaltungen.

Bei der Bahn kamen im Zuge von Ausbauten sechs Kilometer dazu. Dabei handelt es sich um jeweils ein zweites Gleis im Abschnitt zwischen Babelsberg und Potsdam in Brandenburg sowie zwischen Niesky und Horka in Sachsen. Dazu kam die Verlegung von S-Bahn-Gleisen in Frankfurt, die Gastel aber nicht als Ausbau zählt.

Vom Minister keine Verkehrswende zu erwarten

Nicht enthalten sind allerdings Maßnahmen, um Verkehrsknoten zu entlasten sowie Ausbaumaßnahmen, die nicht den Bau eines zusätzlichen Gleises beinhalteten. In der Antwort der Regierung heißt es weiter, 2019 seien keine Schienenwege oder Gleisanschlüsse der Eisenbahnen des Bundes stillgelegt worden.

Gastel sagte: "In diesen Wochen erleben wir, wie die Bundesregierung zu Recht das System Bahn und seine Beschäftigten für die hohe Systemrelevanz in der Corona-Krise lobt." Doch die Leistungsbilanz von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für den Ausbau der Schiene sei mager. Vom Minister sei keine Verkehrswende mehr zu erwarten. "Darunter leiden die Mobilitätsalternativen für die Bevölkerung und die Erreichung der Klimaziele rückt in weite Ferne."

Die Deutsche Bahn spielt eine zentrale Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Für den Erhalt des zum Teil maroden Schienennetzes hatte die Koalition zusätzliche Milliarden in den kommenden Jahren beschlossen. Wegen hoher Kosten und niedriger Fahrgastzahlen in der Corona-Krise braucht die Bahn aktuell aber erneut Milliardenhilfen vom Staat, um ein drohendes Finanzloch zu stopfen. (dpa)

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