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Mehr Autodiebstähle in der Oberlausitz

Insgesamt ist die Zahl der Straftaten 2017 aber weiter gesunken – auch dank akribischer Ermittlungsarbeit.

© Jürgen Loesel

Von Jana Ulbrich

Nach seinem ersten Jahr im Amt kann der Görlitzer Polizeipräsident Torsten Schultze eine Erfolgsmeldung verkünden: In den Kreisen Bautzen und Görlitz wurden 2017 so wenige Straftaten registriert wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das belegen die Fallzahlen aus der Kriminalstatistik, die jetzt auch für die Kreise Bautzen und Görlitz detailliert vorliegt. Dennoch, sagt Schultze, sei das für die Kollegen der Polizeidirektion kein Grund zum Ausruhen. Denn auch die niedrigsten Fallzahlen seit zehn Jahren sind immer noch hoch – und in einem Bereich sogar wieder gestiegen.

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531 gestohlene Fahrzeuge sind 122 mehr als im Vorjahr

Von Januar bis Dezember 2017 wurden in der Oberlausitz 531 Autos gestohlen, die meisten davon in Görlitz, Zittau und Hoyerswerda. Hinzu kamen 275 Fälle, bei denen ein Diebstahl beim Versuch gescheitert ist, sowie 105 Fahrzeugaufbrüche. Gegenüber dem Vorjahr mit 409 Fällen ist damit die Zahl der Autodiebstähle wieder stark angestiegen. Nur jeder sechste Diebstahl konnte aufgeklärt werden. Das Problem: Über Nacht gestohlene Fahrzeuge sind meist über die Grenze verschwunden, ehe der Diebstahl bemerkt wird.

Fallzahlen sind zwar insgesamt gesunken, aber weiterhin hoch

Insgesamt hat die Polizei im vergangenen Jahr 35 480 Straftaten registriert, das sind über 1 000 weniger als 2016 und über 5 000 weniger als noch 2014. Den größten Anteil an den Straftaten machen mit über einem Drittel aller Fälle Einbrüche und Diebstähle aus. Gegenüber dem Vorjahr ist aber auch die Zahl der Eigentumsdelikte um rund sieben Prozent deutlich rückläufig. In mehr als 5 000 Fällen kamen Menschen bei Rohheitsdelikten zu Schaden. Zudem gehen 19 Straftaten gegen das Leben, wie etwa Mord und Totschlag, in die Statistik 2017 ein.

Aufklärungsrate liegt über dem landesweiten Durchschnitt

Mehr als drei von fünf Straftaten in den Landkreisen Bautzen und Görlitz konnten 2017 aufgeklärt werden. Mit einer Aufklärungsrate von 59,7 Prozent liegt die Polizeidirektion Görlitz über dem landesweiten Durchschnitt von 59,2 Prozent. Insgesamt wurden mehr als 21 000 Fälle aufgeklärt und über 14 300 Tatverdächtige ermittelt, darunter mehr als 4 000 Ausländer, vor allem aus Polen und Tschechien. 813 der bekannt gewordenen Tatverdächtigen waren Flüchtlinge, darunter 65 Mehrfachtäter.

Städte bleiben Schwerpunkte der Kriminalität

Die meisten Straftaten wurden der Polizei auch im Jahr 2017 aus den größeren Städten gemeldet. So waren es in Görlitz 8 255 Fälle, in Bautzen 4 353, in Zittau 2 789, in Weißwasser 1 701 und in Kamenz 1 430. Während die Fallzahlen gegenüber 2016 überall leicht gesunken sind, verzeichnet die Stadt Bautzen einen Anstieg um fast 600 Fälle. Am sichersten lebte es sich demgegenüber in den ländlich geprägten sorbischen Gemeinden zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. So wurden der Polizei beispielsweise aus Puschwitz nur acht Straftaten bekannt, aus Crostwitz neun, aus Räckelwitz zehn und aus Ralbitz-Rosenthal 13 Fälle. Die statistisch gesehen sicherste Gemeinde im Kreis Görlitz ist Rosenbach mit 15 Fällen.

Grenzkriminalität ist ebenfalls weiter rückläufig

Sowohl in den Orten entlang der 124 Kilometer langen Grenze zu Polen als auch in den Orten an der 87 Kilometer langen tschechischen Grenze ist die Zahl der Einbrüche und Diebstähle weiter gesunken. Die Fallzahlen haben in der Grenzregion insgesamt sogar den niedrigsten Stand seit dem Wegfall der Grenzkontrollen 2008 erreicht – trotz einer Serie von Kfz-Diebstählen im Raum Bad Muskau und einer Serie von Garageneinbrüchen im Oberland. Der Rückgang der Fallzahlen sei das Ergebnis akribischer und gezielter Ermittlungsarbeit und zahlreicher präventiver Maßnahmen, sagt der Polizeipräsident. Für die Polizei sei der grenznahe Raum dennoch nach wie vor ein strategischer Schwerpunkt.

Polizei setzt erfolgreich auf gemeinsame Fahndungsgruppen

Bei ihrer Aufklärungsarbeit setzt die Polizeidirektion Görlitz mit Erfolg auf Zusammenarbeit. So konnte die extra gegründete Ermittlungsgruppe „Garage“ bereits mehrere tschechische Tatverdächtige ermitteln, denen ein großer Teil der Garageneinbrüche im Oberland zugeordnet werden kann. Die gemeinsame Fahndungsgruppe Bautzen, in der die Beamten mit Kollegen der Bundespolizei zusammenarbeiten, agiert vor allem gegen die organisierte Kfz-Kriminalität. 2017 konnte sie 50 gestohlene Fahrzeuge sicherstellen.