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Mehr Desinteresse als Politikverdrossenheit

Bei der Suche nach Motiven der Nichtwähler kommen Forscher zu überraschenden Ergebnissen.

Von Matthias Benirschke

Wer nicht zur Wahl geht, tut das nicht aus Protest gegen das System. Die Politik ist den meisten Nichtwählern vielmehr einfach egal, sagt zumindest eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Demoskopie Allensbach. Gut 100 Tage vor der Bundestagswahl befürchten die Meinungsforscher nicht zuletzt deshalb eine langfristig sinkende Wahlbeteiligung.

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Die Beteiligung an der Bundestagswahl lag 2009 bei 70,8 Prozent. Das waren fast zwölf Prozentpunkte weniger als 1998. Auch bei anderen Wahlen sinkt die Beteiligung meist. Oft ist dann in der Wahlanalyse die Rede von der „Protestpartei der Nichtwähler“. Die aktuelle Umfrage rückt dieses Bild gerade. Der typische Nichtwähler in Deutschland sei „kein lauter Nichtwähler aus Protest und auch kein Demokratieverdrossener, vor allem aber ist er kein intellektuell bekennender Wahlboykotteur“, sagt die Stiftung.

Auch der Politologe Oskar Niedermayer hält nichts von diesem „Mythos“. „Das Bild von diesem Typus: „Weiß viel über Politik, ist aber unzufrieden“, stammt meist aus irgendwelchen Journalistenköpfen“, sagte der Berliner Parteienforscher.

Vielmehr würden die Menschen unterscheiden zwischen der Demokratie als politischer Idee und dem, was die Parteien und die Politiker daraus machten, sagt Klaus-Peter Schöppner vom Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid. Die Folge: „Es gibt eine schleichende Entmachtung der Parteien. Trends und Strömungen in der Bevölkerung bekommen mehr Bedeutung.“

Diese Position deckt sich mit den Erkenntnissen der Forsa-Meinungsforscher. „Es gibt eine massive Unzufriedenheit mit der Politik und den Akteuren“, stellt der Sozialforscher Peter Matuschek fest. Direkte Demokratieformen wie etwa Volksbefragungen seien aber kein Allheilmittel, warnt er. „Die Beteiligung an Volksabstimmungen oder auch an der Direktwahl von Oberbürgermeistern ist oft desaströs.“

„Der typische Nichtwähler in Deutschland ist Geringverdiener, bildungsschwach, wohnt häufig in sozialen Brennpunkten und ist nach gängigen sozio-ökonomischen Kriterien Angehöriger der sogenannten Unterschicht“, heißt es in einer Mitteilung zur Studie von Bertelsmann Stiftung und Allensbach. Unter jüngeren Leuten sei es zunehmend akzeptiert, nicht zur Wahl zu gehen. „Ist die Politisierung einer Generation in jungen Jahren niedrig, ist das kaum noch aufzuholen“, warnt Jörg Dräger von der Stiftung. (dpa)