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Wirtschaft

Mehr Druck auf "frauenfreie" Vorstände

Zu viele Unternehmen planen weiter völlig ohne Führungs-Frauen in den Vorständen, kritisiert Ministerin Giffey - und droht mit schmerzhaften Sanktionen.

Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, will mehr Druck auf Unternehmen machen, die kaum Frauen in den Vorständen haben.
Franziska Giffey (SPD), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, will mehr Druck auf Unternehmen machen, die kaum Frauen in den Vorständen haben. © Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Der Frauenanteil in den Führungsgremien großer deutscher Unternehmen ist leicht gestiegen - viele Firmen planen aber weiter mit «frauenfreien» Vorständen. Nach einer aktuellen Auswertung der Organisation «Frauen in die Aufsichtsräte» (Fidar) war Ende April fast jeder dritte Aufsichtsratsposten in den 188 größten börsennotierten deutschen Unternehmen mit einer Frau besetzt. In den Vorständen dominierten die Männer mit fast 90 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Frauenanteil in beiden Kategorien nur um maximal 1,5 Prozentpunkte zu.

Zugleich planen der Erhebung zufolge 75 Konzerne weiter auch perspektivisch mit Führungsetagen ganz ohne Frauen - darunter das Dax-30-Unternehmen Heidelberg Cement, der Dax-30-Aufsteiger Deutsche Wohnen und etwa Delivery Hero, Hello Fresh und Rocket Internet.

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Die Regierung will den Druck auf die Wirtschaft deshalb weiter erhöhen. «Viel zu viele Unternehmen geben sich die Zielgröße "Null" für den Vorstand - zeigen also null Ambitionen», kritisierte Frauenministerin Franziska Giffey (SPD). Dabei beweise die Corona-Krise, dass viele Frauen in Führungspositionen unaufgeregt, pragmatisch und zielorientiert handelten. «Zu viele Unternehmen scheinen diesen Vorteil von Frauen nicht nutzen zu wollen», beklagte Giffey.

Sie forderte, dass Unternehmen mit vierköpfigen Vorständen künftig mindestens eine Frau in das Gremium bestellen müssen. Wer weiterhin ohne Frauen plane und dies nicht plausibel begründe, sollte mit spürbaren Sanktionen rechnen müssen. «Es ist an der Zeit, den Druck zu erhöhen, ich werde in der Bundesregierung alles dafür tun, hier weiter zu kommen», versprach Giffey. Einen Gesetzentwurf hat sie bereits vor Monaten vorgelegt, eine Verständigung mit dem Koalitionspartner Union steht allerdings noch aus.

"Zeit der Apelle ist vorbei"

Für Aufsichtsratsposten gibt es bereits eine Frauenquote: Seit 2016 müssen Firmen ab einer bestimmten Größe - in der Regel ab 2.000 Beschäftigten - frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Anteil von 30 Prozent erreicht ist. Für rund 4.000 weitere Firmen sieht das Gesetz vor, sich selbst Zielgrößen für den Frauenanteil im Vorstand und in anderen Führungsgremien zu geben.

Diese Quote zeigt erste Ergebnisse: Die Firmen, die ihr unterliegen, haben deutlich weiblichere Aufsichtsräte. Laut Fidar arbeiten hier im Schnitt zu 35,2 Prozent Frauen mit - in den anderen Unternehmen lediglich zu 22,8 Prozent. Quotenunternehmen setzten sich außerdem weitaus ehrgeizigere Ziele als die anderen Firmen.

Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow forderte die «Rote Karte» für Firmen, die weiterhin ohne Frauen in der Führungsetage planen. «Die Zeit der Appelle ist vorbei», erklärte sie. «Weigern sich die Unternehmen weiterhin, strategisch mit Frauen in der Führung zu planen, wäre eine Quote für die Vorstandsebene die logische Konsequenz.» Die Chance der freiwilligen Selbstregulierung hätten die Unternehmen ausgeschlagen. (dpa)

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