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Mehr Freiheiten für die Dörfer

Die Lommatzscher Pflege feiert ihr 500-jähriges Bestehen. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, wird sie Experimentierfeld.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

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Meißen. Die Schule soll im Dorf bleiben. So möchte es Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Damit dies möglich werde, müssten ihre Ressourcen besser genutzt werden, so der Bundestagsabgeordnete für den Kreis Meißen am Freitag auf dem Symposium „500 Jahre Lommatzscher Pflege“ im Schützenhaus. Warum seien die Räume der Schule zumeist nur bis in die frühen Nachmittagsstunden ausgelastet? Was würde dagegen stehen, die Schule am Nachmittag als Vereinshaus zu öffnen, für Theatergruppen oder andere Interessen?

Viele der Ideen, die auf der ganztägigen Veranstaltung gesponnen werden, gehen in diese Richtung. Historiker André Thieme von den Staatlichen Burgen, Schlössern und Gärten Sachsens zeigt in seinem Vortrag auf, dass ländliche Regionen wie die Lommatzscher Pflege in Sachsen seit alters her Orte waren, wo Innovationen entstanden, neue Konzepte ausprobiert wurden. Das Land befruchtete die Stadt. So sollte es wieder werden.

Eine Grundlage für eine solche Entwicklung sieht Prof. Dr. Gerhard Henkel von der Universität Duisburg-Essen in einem starken Selbstbewusstsein der Dörfer. Selbstverwaltung dürfe nicht zu einer hohlen Phrase werden. In Deutschland gebe es mittlerweile 20 000 Dörfer, die keinen eigenen Bürgermeister, keinen eigenen Gemeinderat mehr hätten. Hier müssten Formen gefunden werden, diesen Dörfern wieder eine Stimme zu geben. Nach Ansicht von Innenminister de Maizière sollten die Menschen in ländlichen Regionen ihre Rechtfertigungshaltung gegenüber Städtern verlassen nach dem Motto: Bei uns ist es doch auch ganz schön. Der Stolz auf die Heimat sei ganz selbstverständlich.

Der Chefredakteur des Magazins „Top Agrar“ Ludger Schulze Pals fordert in Lommatzsch, die Überregulierung zu bekämpfen, Gesetze weiter auszulegen und Freiräume zu schaffen. Als Beispiel wird auf dem Symposium über neue Bauflächen in der Lommatzscher Pflege gesprochen. Wie lassen sich Grundstücke für Häusle-Bauer finden und ausweisen, ohne gleichzeitig wertvolle Anbauflächen zu versiegeln?

Im Rahmen der Veranstaltung sorgt der Kulturkreis Scharfenberg mit einer eigenen Festschrift für Aufsehen. Die Broschüre zeigt Fotos von endlosen Monokulturen, schmucklosen Asphaltbändern sowie abgeschwemmter Erde und stellt diesen die idealisierenden Werbetexte gegenüber, die mit der Wirklichkeit nichts gemein haben.