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Die Ermöglicher aus der Dresdner Neustadt

Versteckt im Hinterhof der Görlitzer Straße wollen sechs junge Männer einen Ort schaffen, den es so im Viertel kaum noch gibt.

Sechs Freunde haben in einem Neustädter Hinterhof eine Halle gemietet, um Platz für Ideen aus dem Viertel zu machen.
Sechs Freunde haben in einem Neustädter Hinterhof eine Halle gemietet, um Platz für Ideen aus dem Viertel zu machen. © Club Kwang Lee

Der Club Kwang Lee liegt versteckt im Hinterhof der Görlitzer Straße 35. Über die neue Location in der Neustadt ist nicht viel bekannt. Es klebt kein Programmzettel an der Tür, die Fenster sind verhangen. Auch der Name ist mysteriös. Und weckt Interesse. Vor allem bei jenen, die ein Herz für verborgene Orte mit improvisierten Charme haben. Der Club ist das Ergebnis einer sehr persönlichen Geschichte. Dahinter steckt ein Kollektiv sechs junger Männer zwischen 27 und 34 Jahren. Sie sind enge Freunde mit einer Vision für die Neustadt. Über Jahre haben sie Erlebnisse und vor allem das Skaten zusammengeschweißt. Ein Teil dieser Jugendkultur war ihr Treff Kwang Lee.

In der WG eines Kumpels wohnte ein Koreaner. Als er auszog, blieb der Name am Klingelschild stehen. Wenn dann die anderen zu Besuch kamen, hieß es irgendwann: „Wir treffen uns im Club Kwang Lee.“ Heute ist dieser Ort real. Die Halle im Hinterhof haben sie gemeinsam angemietet – zunächst aus privaten Interessen. „Eine Werkstatt für Projekte, für die zu Hause kein Platz ist. Das war eigentlich die erste Motivation“, sagt Maximilian Ellerhold.

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Viel Platz für Phantasie. 
Viel Platz für Phantasie.  © Club Kwang Lee

Doch aus der fixen Idee ist mehr geworden, das Projekt nimmt Fahrt auf. Die Neustädter wollen ihren Raum öffnen. Für alle, die Ideen, aber keinen Platz haben. Ein Club, wie es der Name nahelegt, soll es nicht werden. Stattdessen fällt häufig das Wort Freiraum. Gerade der fehle im Viertel. „Es ist kein Geheimnis, dass sich die Neustadt extrem gewandelt hat. Es gibt kaum noch Raum, in dem Kreatives einfach möglich ist“, sagt Filmemacher Steffen Krones und ergänzt: „Der Club soll einer der alternativen Orte sein, die in der Neustadt rar geworden sind. Wir sind offen für alle Ideen. Wir haben einen multifunktionalen Raum, den jeder bespielen kann.“

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Zu den ersten gehört der Regionalmarkt Marktschwärmer. Seit Februar ist er wöchentlich zu Gast, hinzugekommen ist eine Pantomimengruppe, die auf den mehr als 100 Quadratmetern probt. Zuletzt ging eine Musikvideopremiere samt Party über die Bühne. Vielleicht wird sich der Freiraum Kwang Lee zum Verein entwickeln, sagen die Macher. Genau wissen sie noch nicht, wo die Reise hingeht. Sicher sei nur: Der Club wird ohne Zwänge funktionieren. Und auch ihrer Rolle sind sie sich bewusst: Sie wollen Ermöglicher für das Viertel sein.