merken

Mehr Geld für Erziehungshilfen

Die Kosten für Erziehungshilfen sind binnen weniger Jahre explodiert. Auch deshalb, weil die Ämter sensibler reagieren und früher eingreifen. Vor allem bei kleinen Kindern, die gefährdet sind.

© dpa

Dresden. Sachsen greift für Erziehungshilfen immer tiefer in die Tasche. Mit diesem Geld werden Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen gefördert oder Kinder zu deren Schutz aus ihren Familien genommen. Schlugen die Kosten dafür 2005 noch mit rund 155 Millionen Euro zu Buche, waren es 2012 bereits mehr als 215 Millionen Euro. Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor.

Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor. Die Kosten für die Hilfen zur Erziehung sind im Freistaat innerhalb von sieben Jahren um rund 60 Millionen Euro gestiegen.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

„Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Gefährdung von Kindern hat zugenommen, nicht zuletzt wegen der Medienberichte“, erklärte der Sprecher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Sachsen, Thomas Neumann. Immer wieder werden Fälle von schwerer Vernachlässigung bekannt. Vor wenigen Tagen wurde ein Sozialarbeiter in Leipzig nach dem tragischen Tod von Mutter und Sohn zu einer Geldstrafe verurteilt.

35,2 Millionen hat Dresden ausgegeben

Der Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienstes habe nicht genug unternommen, um das Wohl des knapp zweijährigen Jungen zu schützen, hieß es zur Begründung. Die 26 Jahre alte Mutter starb im Juni 2012 an einem Drogencocktail, das Kind verdurstete und verhungerte in der Wohnung.

Für den Schutz von vernachlässigten Kindern hat Dresden 2012 rund 35,2 Millionen Euro ausgegeben, in Leipzig waren es knapp 32 Millionen Euro. Chemnitz gab 18,7 Millionen Euro aus. Zu den Hilfen für überforderte Familien zählen unter anderem sozialpädagogische Beratung, Betreuungshelfer, die Unterbringung im Heim oder auch bei Pflegefamilien. 2012 lebten knapp 2500 Kinder bei Pflegefamilien, 2008 waren es noch 2008.

Der Wohlfahrtsverband erklärt die Kostenexplosion auch damit, dass die zuständigen Stellen mittlerweile sensibler und schneller reagieren. „Für die Jugendämter ist das Risiko gestiegen, bei Fehlern öffentlich oder juristisch belangt zu werden“, so Neumann. Vor allem bei kleineren Kindern unter sechs Jahren werde nun viel früher eingegriffen. Der Verband forderte, das Netz präventiver Angebote, wie etwa Beratungen und den Einsatz von Schulzozialarbeitern, auszubauen. (dpa)