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Mehr Geld für Trennungskinder in Sachsen

Der Selbstbehalt für die Väter wird aber nicht erhöht. Doch künftig soll es Änderungen beim Unterhaltsrecht geben.

Von Stephanie Wesely

Dresden. Immer mehr Kinder in Sachsen wachsen bei nur einem Elternteil auf. Lebte hier vor zehn Jahren noch jedes fünfte Kind nur mit Vater oder Mutter in einem Haushalt, ist es jetzt schon jedes vierte. Die Trennungskinder bekommen ab Januar in Sachsen zwischen 7 und 19 Euro mehr Unterhalt im Monat. Laut der neuen Unterhaltstabelle stehen ihnen je nach Alter und Einkommen des Unterhaltsschuldners zwischen 335 und 826 Euro zu. Volljährige Kinder, die studieren und nicht bei ihren Eltern wohnen, haben nun Anspruch auf 735 statt bislang 670 Euro im Monat.

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Zugleich sind immer weniger Trennungskinder auf staatliche Unterstützung angewiesen. Den Unterhaltsvorschuss zahlt der Staat Kindern, deren Eltern nicht leistungsfähig sind. Er beträgt 145 Euro im Monat bis zum sechsten Lebensjahr und 194 Euro bis zum zwölften. In Dresden sank die Zahl der Empfänger von 5 650 im Jahr 2010 auf 5 250 letztes Jahr. Sigrun Harder vom Jugendamt Dresden: „Das hat mit der guten wirtschaftlichen Lage in Sachsen zu tun.“

Die Unterhaltspflichtigen sind zu 90 Prozent Väter. Ihr Selbstbehalt – das ist der Teil des Einkommens für das eigene Leben – wurde allerdings nicht mit angepasst. Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht kritisiert das. „Seit dem Inkrafttreten der sogenannten Düsseldorfer Tabelle stiegen die Sätze für den Kindesunterhalt um 78 Prozent, die Selbstbehalte jedoch nur um 28 Prozent“, sagt Vorstand Josef Linsler. „Ein Selbstbehalt in Höhe des Mindestlohnes, also von rund 1 250 Euro im Monat, wäre die Untergrenze. Stattdessen müssen viele Väter mit 880 Euro auskommen.“ Geschenke oder Unternehmungen mit den Kindern seien da kaum drin.

Die Entscheidung über die Anpassung treffen die Familiensenate der Oberlandesgerichte. Die aktuelle Erhöhung ist die zweite innerhalb von fünf Monaten. Viele Tausend Unterhaltstitel müssen jetzt erneut umgeschrieben werden. Mit so kurzfristigen Änderungen soll Schluss sein. Die Unterhaltsbeträge werden künftig regelmäßig alle zwei Jahre angepasst. Grundlage ist nicht wie bisher der Kinderfreibetrag, sondern das Existenzminimum. „Das macht einen Unterschied, weil die Unterhaltsanpassungen per Rechtsverordnung erfolgen und keine Zustimmung des Bundesrats mehr erforderlich ist“, sagt Ina Flache vom Jugendamt Chemnitz.

Mit Geld allein ist es bei einer Trennung der Eltern aber nicht getan. „Kinder von Alleinerziehenden haben ein doppelt so hohes Risiko für psychische Krankheiten wie Kinder aus stabilen Familien“, sagt Professor Veit Rößner, Direktor der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Dresden.