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Mehr Geld zum Shoppen

Im vergangenen Jahr hatten die Bürger wieder ein Plus im Portemonnaie – aber nicht überall im Landkreis.

© Uwe Soeder

Von Franz Werfel

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Sächsische Schweiz. Eine gute, stabile Konjunktur, hohe Beschäftigung und geringe Arbeitslosigkeit haben im vergangenen Jahr mit dafür gesorgt, dass die Menschen mehr Geld im Portemonnaie hatten. Die Kaufkraft im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist seit 2010 gestiegen und bestätigt damit die Entwicklung in Bund und Freistaat. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer in Dresden (IHK) hat ein Bewohner zwischen Freital und Sebnitz im Durchschnitt jährlich rund 5 700 Euro für Käufe im Einzelhandel zur Verfügung. Zwischen 35 und 40 Prozent dieses Geldes geben die Einwohner allein für Lebensmittel aus – eine enorme Summe, obwohl Lebensmittel in Deutschland im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern relativ günstig sind. Für IHK-Sprecher Lars Fiehler ist deshalb klar, dass der Lebensmittelhandel – gerade im Bereich von Online-Shopping und kostenlosem Versand im ländlichen Raum – noch viel Wachstum bereithält.

Zu den aktuellen Kaufkraft-Zahlen im Landkreis beantwortet die Sächsische Zeitung die wichtigsten Fragen.

Was ist die Kaufkraft überhaupt – und was sagt sie aus?
Die Kaufkraft bezeichnet alle Einkünfte in einem Haushalt, also etwa Einkommen, Rente, Pensionen, Kindergeld, Bafög, Sozialleistungen wie Hartz IV und Wohngeld. Wenn man davon die regelmäßigen Ausgaben für Wohnen (Mieten oder Kredite), das Auto (Anschaffungskosten und Kraftstoff), Versicherungen, Reisen, sonstige Kreditrückzahlungen und Dienstleistungen abzieht, erhält man die Kaufkraft, die für den Einzelhandel relevant ist.

Vor allem Unternehmen sind an dieser Zahl sehr interessiert, da sie etwas darüber aussagt, wie viel Geld die Bürger zum Shoppen zur Verfügung haben. Keine Aussagen werden darüber getroffen, was die Menschen mit ihrem Geld machen. Also beispielsweise, ob sie es vor allem in den Geschäften vor Ort ausgeben oder im Online-Handel.

Wie hoch ist die Kaufkraft in unserer Region?
Im Schnitt konnten die Deutschen 6 582 Euro im Einzelhandel ausgeben, im Sachsen-Schnitt waren es 5 912 Euro. „Alles, was über 6 000 Euro liegt, ist richtig stark“, kommentiert Lars Fiehler diese Zahlen. Im Landkreis schaffte das im vergangenen Jahr nur eine einzige Stadt: Wilsdruff. Mit 6 136 Euro liegt sie deutlich über den sächsischen Werten. „Wilsdruff spielt in einer anderen Liga“, so Fiehler.

Ansonsten findet der IHK-Sprecher die Zahlen im Landkreis „ambivalent“. Die geringste Kaufkraft im Landkreis hatten die Menschen mit 5 472 Euro in Altenberg. Hier ist sie im Vergleich zur jüngsten Erhebung von 2015 sogar leicht gefallen. Im Osterzgebirge sei es sowieso kompliziert, trotz einer besonders niedrigen Arbeitslosigkeit. „Dippoldiswalde tritt auf der Stelle, da hat sich gar nichts getan, weder bei der absoluten Kaufkraft noch bei den Pro-Kopf-Zahlen“, so Fiehler. „Wegen der niedrigen Zinsen lohnt es sich nicht, Geld zu sparen“, so Fiehler. Das müsste eigentlich dem Einzelhandel in die Karten spielen – auch im Süden des Kreises.

Wie entwickeln sich die großen Städte Pirna und Freital?
Anders sieht es in den großen Städten aus. Pirna punkte mit einem attraktiven Einkaufsumfeld in der Altstadt, so Fiehler. Dennoch hatte die Stadt in der jüngeren Vergangenheit mit einem hohen Ladenleerstand, besonders in der Innenstadt, zu kämpfen. In Heidenau und Freital sei die Herausforderung eine andere. „Aus städtebaulicher Sicht haben es Heidenau und Freital schwerer, da sie kein historisches Ortszentrum haben“, so Fiehler. In Heidenau falle auf, dass die absolute Kaufkraft durch den Zuzug um mehr als sieben Prozent auf nun fast 96 Millionen Euro im Jahr gestiegen sei. „Bei den Pro-Kopf-Zahlen hat sich aber nichts getan – das heißt, die neuen Bürger haben bisher nicht mehr Geld in die Stadt gebracht.“

Anders sieht es in Freital aus. Die Stadtspitze plant am Sächsischen Wolf gerade ein neues Zentrum. „Das Ansinnen ist gut. Dennoch kann man bei einem neuen Einkaufszentrum viel falsch machen“, so Fiehler. Der Investor habe immer ein Ziel: Das Zentrum soll möglichst gut vermietet sein. „Er sucht sichere, solvente Mieter.“ Das sei ein Grund dafür, warum man in den Städten immer die bundesweit aktiven, schlagkräftigen Filialisten finde. „Die riskantere, aber attraktivere Variante ist, kleineren, lokalen Anbietern mit einem attraktiven Geschäft eine Chance zu geben“, so Fiehler. Austauschbare Läden in den Innenstädten hätten die Menschen eh satt, sagt er.

Kann sich der regionale, stationäre Handel gegen das Internet behaupten?
Lars Fiehler zufolge habe der stationäre Handel 2017 sachsenweit um ganze vier Prozent zugelegt. Zwar höre sich das Umsatzplus im Online-Geschäft mit rund zehn Prozent bundesweit besser an. Aber: Die absoluten Umsätze im lokalen Handel seien nach wie vor viel höher. „Da sind vier Prozent ein sehr guter Wert“, sagt Fiehler.

Die Zeiten stünden derzeit gut für den Handel, sagt er mit Blick auf niedrige Zinsen, boomende Konjunktur und steigende Löhne. Und: „In einigen Bereichen wächst der Onlinehandel nicht mehr“, weiß Fiehler. Etwa bei der Unterhaltungselektronik wie Musikanlagen und Fernsehern. „Gerade bei teuren Geräten, die aufwendig erklärt werden müssen, schätzen und suchen Kunden den Rat der Händler vor Ort.“