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Mehr jugendliche Komasäufer

Die Zahl der Rauschtrinker steigt. Die Gründe dafür sind laut DAK vielfältig. Sie startet jetzt die Aktion „bunt statt blau“.

© DA-Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Döbeln. Erstmals seit 2012 ist die Zahl der jugendlichen Komasäufer wieder gestiegen. 2016 kamen bundesweit mehr als 22 300 Minderjährige mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus, 1,8 Prozent mehr als im Vorjahr. „Beim sogenannten Komasaufen gab es 2016 in der Mittelsachsen mit 106 Betroffenen einen Anstieg um 47,2 Prozent“, so Christian Baier von der DAK-Gesundheit in Döbeln. Deshalb hat die Krankenkasse an den Schulen wieder die Aufklärungskampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ gestartet.

Doch wie lässt sich dieser extreme Anstieg der Zahlen erklären? Claus Übel, Sprecher der DAK-Gesundheit für Sachsen, sagte auf DA-Nachfrage: „47 Prozent hört sich viel an, das ist richtig. Aber es muss geschaut werden, ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt. Es kann auch nur eine Momentaufnahme sein, weil beispielsweise bei einer Klassenfahrt mehrere junge Leute über die Stränge geschlagen haben oder eine Party völlig aus dem Ruder gelaufen ist.“

Er betonte, dass es sich bei den Zahlen nicht um DAK-spezifische handelt, „sondern um die offiziellen Zahlen des Statistischen Landesamtes, mit denen auch der Bundesdrogenbeauftragte hantiert“. Die Daten von 2016 seien die aktuellsten. „Es gibt immer einen gewissen Verzug bei der Meldung durch die Landesämter. Wie sich das Komasaufen 2017 in der Region entwickelt hat, wissen wir erst Ende 2018“, erklärte Claus Übel.

Die Alkoholpräventionskampagne „bunt statt blau“ sei wichtig und bringe Erfolg. Die Plakate, die Schüler im Rahmen der Kampagne gestalten, hätten sich für Gleichaltrige „als sehr eindrucksvoll erwiesen“. Das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel habe ihre Wirkung auf die jugendliche Zielgruppe untersucht: Auf Kinder und Jugendliche wirken die selbst gemalten Plakate stärker als konventionelle Warnhinweise. Bereits sehr kurze Präsentationen der „bunt statt blau“-Plakate hätten messbar die Einstellungen zu Alkohol verändert. Deshalb werde die Kampagne auch in diesem Jahr fortgeführt. Zum inzwischen neunten Mal werden die besten Schüler-Plakate gegen Alkoholmissbrauch auch in der Region Döbeln gesucht. „Wir haben noch keine Übersicht, welche Schulen teilnehmen. Regelmäßig dabei sind die Oberschule am Holländer und das Lessing-Gymnasium Döbeln sowie die Pestalozzi-Oberschule in Hartha.“ Das Angebot, dass die Schüler selbst aktiv werden und Plakate gegen das Rauschtrinken gestalten, richte sich prinzipiell an alle weiterführenden Schulen, so Übel.

Die Oberschule am Holländer wird sich in diesem Jahr jedoch nicht an dem Projekt beteiligen, wie eine Mitarbeiterin auf DA-Nachfrage sagte: „Wir haben nur eine Kunsterzieherin und die schafft es zeitlich nicht, die Aktion umzusetzen.“ Auch ein DA-Anruf bei anderen Schulen zeigt: Bunt statt blau wird nicht umgesetzt. „Mir ist nichts bekannt, dass wir uns daran beteiligen“, sagte etwa Lothar Weisheit, Leiter des Martin-Luther-Gymnasiums in Hartha.

Experten fordern verstärkte Aufklärung über die Risiken des Rauschtrinkens. An dieser Stelle setzt die Kampagne an. Sie richtet sich an Schüler zwischen zwölf und 17 Jahre. Die Schulen im Altkreis sind dazu angehalten, „das Thema Alkoholmissbrauch im Unterricht zu behandeln und ihre Schüler bis 31. März Plakate dagegen entwerfen zu lassen“, so Christian Baier von der Döbelner DAK-Gesundheit. Verbunden mit der Kampagne sei die „Aktion Glasklar“, die seit zwölf Jahren Schüler, Lehrer und Eltern über Alkohol aufklärt.

www.dak.de/buntstattblau