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Mehr Kohle für Kies

Der Umbau wird teurer als geplant. Weil zum Beispiel Baumaterial von weither geholt wird. Der Qualität wegen.

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Äußerlich betrachtet, herrscht auf der Baustelle des Naturbades Winterruhe. Doch hinter den Kulissen dreht sich alles um den Eröffnungstermin im Mai und die tatsächlichen Kosten des Umbaus.
Äußerlich betrachtet, herrscht auf der Baustelle des Naturbades Winterruhe. Doch hinter den Kulissen dreht sich alles um den Eröffnungstermin im Mai und die tatsächlichen Kosten des Umbaus. © Kristin Richter

Von Thomas Riemer

Großenhain. Wie teuer ist der Umbau des Großenhainer Naturerlebnisbades tatsächlich? Am 13. Februar will die Stadtverwaltung in der nächsten Stadtratssitzung „die Hosen runterlassen“. „Dort kommt alles auf den Tisch“, so Bürgermeister und Stadtbaudirektor Tilo Hönicke zur jüngsten Einwohnerversammlung auf eine entsprechende Anfrage von der Bürgerinitiative Großenhain (BiG). Also sämtliche Kosten, Nachträge, Aufwendungen für die Planung. Über das Gesamtpaket ist gerade 2018 immer wieder kontrovers debattiert worden – jetzt sollen auch Details offengelegt werden.

Zum Beispiel: Warum sind im letzten Jahr rund 1 500 Kubikmeter Kies nicht aus einer einheimischen Grube, sondern von einem Unternehmen in Bayern herangekarrt worden? Das verursache nach Meinung von BiG-Sprecher Jörg Heller unnötige (Transport-)Kosten im Gegensatz zum Kauf bei einer näher gelegenen Firma.

Prinzipiell mag das stimmen. Und Tilo Hönicke räumt ein, dass er damit auch nicht glücklich gewesen sei. Aber: In einem biologischen Bad, wie es Großenhain baut, läuft der Reinigungsprozess des Wassers durch Vorfilter, die einen ganz besonderen Aufbau – und damit auch einen besonderen Kies erfordern, was zum Beispiel den Phosphatanteil betrifft. Dieses Material gebe es aber deutschlandweit nur in besagtem Unternehmen in Bayern. Und deshalb habe man „schweren Herzens“ auf den Rat der Planer gehört. Anderenfalls müsste der Kies im Laufe der Zeit immer wieder ausgetauscht werden, was letztlich ebenfalls neue Kosten verursacht.

Tilo Hönicke nutzte die Einwohnerversammlung, um generell noch einmal die Notwendigkeit des oft angezweifelten Umbaus zu begründen. Die alte Anlage hätte nach seiner Ansicht den Jahrhundertsommer 2018 nicht überstanden. Das Bad hätte nach wenigen Wochen geschlossen werden müssen, weil die Wasserqualität den Anforderungen nicht standgehalten hätte. Nach dem Projekt „Kulturschloss“ sei das Bad wohl die komplizierteste Baustelle in Großenhain in seiner Amtszeit.

Ausgestanden ist das Thema dabei längst noch nicht. Zwar ist im Lauf der Zeit in die Bauabläufe einigermaßen Ordnung eingezogen, liegt die Baustelle offenbar weitgehend im Plan. Die Konturen sind inzwischen deutlich sichtbar, wesentliche Arbeiten rechtzeitig vor den kalten Wochen beendet. Quasi für jedes Alter und jede Schwimmfähigkeit gibt es künftig einen Platz – für Schwimmer die 50-Meter-Bahnen, den Sprungbereich rund um den Felsen, den Nichtschwimmerbereich mit neuer Rutsche, das Kinderbecken ... Der neue Regenerationsteich passt zum Ensemble, das Funktionsgebäude wurde modernisiert.

Doch im Stadtrat rumort es nach wie vor wegen der vielen Fragen zu den Kosten und vor allem den Nachträgen. Ein scharfer Wind weht auch weiterhin von den Umbau-Zweiflern, die das viele Geld lieber in andere Projekte gesteckt hätten – zum Beispiel einen Autotunnel an der Berliner Straße. Man sollte hier das Kosten-Nutzen-Verhältnis abwägen, so BiG-Sprecher Jörg Heller.

Oberbürgermeister Sven Mißbach will von derartigen Vergleichen nichts wissen. „Ich warne davor, Projekte gegeneinander auszuspielen“, sagte er zur Einwohnerversammlung. Tilo Hönicke ergänzte an gleicher Stelle, dass die Bad-Kosten im Mittelfeld vergleichbarer Projekte in anderen Kommunen liegen. Die Idee, in Großenhain überhaupt ein Naturerlebnisbad zu schaffen, „war gut. Sie war nur schlecht umgesetzt.“ Gemeint sind die Baumängel, die sich nach 2001 herausstellten und letztlich den neuerlichen Umbau überhaupt nötig machten.

Am 15. Mai, pünktlich zur neuen Badesaison, soll Eröffnung sein. Vielleicht, so Tilo Hönicke, ist dann noch nicht der letzte Grashalm auf den Liegewiesen aufgebracht. Doch er stehe zu dem Termin. Allerdings müsse dafür „der Winter Ende Februar vorbei sein“.