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Mehr Kosten für Erziehungshilfen

Die Ausgaben des Landkreises für die Kinder- und Jugendhilfe haben sich verdoppelt. Das hat verschiedene Ursachen.

© Symbolfoto: dpa

Von Sylvia Jentzsch

Döbeln/Freiberg. Hat der Landkreis Mittelsachsen im Jahr 2008 noch 195 Millionen Euro ausgegeben, so waren es 2015 370 Millionen Euro. Im Bereich der Heimerziehung gab es eine Steigerung von 94 Millionen auf 184 Millionen Euro. Dass die Ausgaben rechtens sind, stellte der Sächsische Rechnungsprüfungshof fest und gab Empfehlungen zur Entwicklung von Strategien, wie bestimmte Probleme angegangen werden sollen. Mit diesen wird sich der Jugendhilfeausschuss zur nächsten Sitzung näher beschäftigen.

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„In den vergangenen Jahren hat der Kinderschutz eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit bekommen. Demzufolge haben auch die eingeleiteten Maßnahmen zugenommen, die wiederum mit Kosten verbunden sind“, so die Amtsleiterin für Jugend und Familie im Landratsamt Heidi Richter. Sie begründete zur Kreistagssitzung diese enorme Kostensteigerung unter anderem mit dem gestiegenen Drogenkonsum von Eltern, was wiederum zur Folge hat, dass vermehrt Kinder und Jugendliche aus den Familien herausgenommen und in betreuten Wohnformen untergebracht werden müssen. Die Optionen für eine Rückführung sei dabei aufgrund psychischer Erkrankungen so gut wie ausgeschlossen. Steigende Verweildauern und damit steigende Kosten sind die Folge. In Sachsen liegt der Anteil des crystalbezogenen Hilfsbedarfs um ein vielfaches höher als im Bundesdurchschnitt. Laut dem Bericht der Suchtkrankenhilfe „Sucht 2015“ gab es in Mittelsachsen 91 Crystal-Klienten pro 100 000 Einwohner.

Um dem entgegenzuwirken, soll es künftig weitere Kooperationen zwischen Jugendamt und weiteren Sozialpartnern geben. Die Heimplätze im Landkreis sind in der Regel voll ausgelastet. In 35 Angeboten können im Landkreis Mittelsachsen bis zu 256 Kinder und Jugendliche betreut werden. Trotzdem werden etwa 40 Prozent der Betreuten in Heimen außerhalb des Landkreises untergebracht (DA berichtete). Um die Suche nach dem geeigneten Heimplatz für das Kind oder den Jugendlichen zu vereinfachen, soll es künftig eine webbasierte sachsenweite Datenbank mit allen wesentlichen Einrichtungsdaten geben.

Ebenfalls ein Thema waren Pflegefamilien. Aktuell verfügt der Landkreis über 175 Pflegefamilien mit 229 Pflegekindern. Der Sächsische Rechnungshof empfahl, die Vernetzung der Familien, beispielsweise auf ehrenamtlicher Basis, zu intensivieren. Leistungen der Vollzeitpflege sollen systematisch mit neuen Formen der Heimerziehung wie familienähnliche, kleine Gruppe ergänzt werden.