merken

Mehr Mittelsachsen liegen mit Grippe flach

Die Zahl der Neuerkrankten hat sich nahezu verdoppelt. In den Arztpraxen sind die Fallzahlen unterschiedlich.

© dpa

Von Tina Soltysiak

Anzeige
Berufsbegleitend Pflege studieren

Studieren und weiter berufstätig sein? Bewerben Sie sich jetzt an der Evangelischen Hochschule Dresden!

Döbeln. Insgesamt 258 Mittelsachsen sind in der vergangenen Woche nachweislich neu an der echten Virusgrippe, der Influenza, erkrankt. Das teilte Kreissprecherin Cornelia Kluge am Dienstag mit. Das bedeutet fast eine Verdopplung der Zahl der Vorwoche. Ende Januar gingen im Gesundheitsamt 137 Labormeldungen ein. Damit sind bisher insgesamt 466 Männer und Frauen erkrankt.

Das sind jedoch nur die Patienten, bei denen die Erreger tatsächlich nachgewiesen wurden. „Es gibt sicherlich einige versteckte Fälle, da der Krankheitsverlauf nicht bei allen typisch ist“, schildert Dr. Petra Schneider. Bei der Allgemeinmedizinerin sei in der vergangenen Woche ein Patient vorstellig geworden, der unter sehr starken Gliederschmerzen litt, jedoch weder hohes Fieber noch den typischen trockenen Husten hatte. „Wir haben trotzdem einen Nasen-Rachen-Abstrich gemacht, weil der Patient auch vom Allgemeinbefinden her schlecht aussah. Der Verdacht hat sich bestätigt: Influenza Typ B“, so Petra Schneider. Sie habe in den vergangenen Tagen und Wochen immer wieder bei einzelnen Patienten die Abstriche veranlasst. „Die Zahl derjenigen, die mit Infekten zu uns kommen, ist etwas gestiegen. In der Vorwoche waren es mehr. In dieser Woche kommen hingegen mehr Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden“, berichtet sie.

Zwei Babys am Virus erkrankt

Vorstellig würden bei ihr in der Praxis vor allem Patienten zwischen Ende 20 und Anfang 60. „Eben diejenigen, die arbeiten gehen und einen Krankenschein benötigen“, so die Medizinerin. Vereinzelt gebe es auch Nachfragen nach Grippeschutzimpfungen. „Viele unserer älteren Patienten haben sich bereits frühzeitig immunisieren lassen, weil sie für sich festgestellt haben, dass sie so gestärkter durch den Herbst und Winter kommen“, so Petra Schneider. Wer jetzt noch eine Schutzimpfung möchte, könne diese durchaus bekommen. „Zwei Dinge gilt es aber zu beachten: Die Schutzwirkung setzt erst nach 14 Tagen ein. Und wir haben nur den Dreifach-Impfstoff vorrätig.“ Wer den Vierfachschutz wolle, bekomme ein Privatrezept ausgestellt, müsse sich mit seiner Krankenkasse über die Kostenübernahme verständigen und den Wirkstoff selbst in der Apotheke besorgen und damit dann erneut zu ihr kommen, so Petra Schneider. Sie hofft, dass für die kommende Grippesaison eine Debatte um einen Dreifach- oder Vierfachschutz gar nicht erst aufkommt. Sondern dass sich Kassen und Impfstoffhersteller frühzeitig auf den bestmöglichen Schutz für die Patienten einigen. Das würde auch ihr und ihren praktizierenden Kollegen viel Zeit ersparen, wie auch aus anderen Praxen zu hören ist.

Von den 258 neuen Nachweisen entfallen Kreissprecherin Cornelia Kluge zufolge 19 auf den Typ Influenza A, 238 auf den Typ B und einer auf den Typ A/B. Betroffen sind Patienten aller Altersklassen, erklärte sie auf DA-Nachfrage: Zwei Babys steckten sich mit der gefährlichen Virusgrippe an. In der Altersklasse der Ein- bis Siebenjährigen erwischte es 54 Jungen und 57 Mädchen. Zudem erkrankten 24 Jungen sowie 23 Mädchen im Alter zwischen 7 und 16 Jahren. „In der Altersgruppe der 17- bis 59-Jährigen infizierten sich 35 Männer und 43 Frauen“, so Cornelia Kluge. Von den Patienten über 60 Jahre waren neun männlich und elf weiblich.

Dass sich die Zahl der Patienten mit Grippesymptomen in ihren Wartezimmer nahezu verdoppelt hat, berichtet Allgemeinmedizinerin Dr. Christine Fries aus Ostrau. Auch die Schutzimpfung werde noch nachgefragt. „Wer keine Symptome hat, wird geimpft“, sagte sie. Andere Beobachtungen hat Schwester Heike von der Anmeldung der Praxis Kerstin Hübner, Fachärztin für Allgemeinmedizin, in Großweitzschen: „Der Zulauf an Grippe-Patienten ist auf einem für die Jahreszeit normalen Niveau.“ Die Ärztin habe in den vergangenen Tagen Patienten verschiedener Altersklassen Schutzimpfungen verabreicht. „Es lohnt sich aus unserer Sicht auf jeden Fall auch jetzt noch“, erklärte Schwester Heike.

Im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Leisnig können die Mitarbeiter derzeit keine Aussagen treffen, da die Allgemeinmedizinerin und Internistin Heike Matthes urlaubsbedingt erst wieder ihre Sprechstunden aufgenommen hat. „Zahlreiche Patienten haben ihre Termine beim Orthopäden aufgrund eines Infekts abgesagt“, sagte eine Sprechstundenhilfe. In der Waldheimer Außenstelle des MVZ Döbeln würden nur Einzelfälle von Influenza-Patienten vorstellig, sagte eine Schwester. „Wir machen auch nicht bei jedem Patienten einen Abstrich. Aber es sind wirklich wenige, die zu uns kommen“, erklärte sie.

Tipps gegen eine Ansteckung

Auch wer sich nicht impfen lassen möchte, kann im Alltag einiges dafür tun, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Am wichtigsten ist dabei die Hygiene: „Das bedeutet mehrmals täglich die Hände 20 bis 30 Sekunden mit Seife waschen, auch zwischen den Fingern. Außerdem sollten die Hände vom Gesicht ferngehalten werden, weil gerade im Bereich Mund, Augen und Nase Viren von den Händen über die Schleimhäute in den Körper gelangen können“, so Landkreissprecherin Cornelia Kluge. Geschlossene Räume sollten drei- bis viermal täglich für jeweils zehn Minuten gelüftet werden. „Dadurch wird die Zahl der Viren in der Luft verringert und ein Austrocknen der Mund- und Nasenschleimhäute verhindert“, erklärte sie.