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Mehr Platz für Eltern krebskranker Kinder

Unterkünfte für Eltern in Kliniknähe sind gefragt. Deshalb hat der Sonnenstrahl e.V. seine Vereinsvilla ausgebaut.

© Christian Juppe

Von Nadja Laske

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Oft schon hat Helma Orosz den Schirm gehalten. Anfangs über das jährliche Benefizkonzert des Sonnenstrahl e.V., seit drei Jahren über die Geschicke des Vereins allgemein. Gestern bezeichnete sich Dresdens Ex-Oberbürgermeisterin als besonders stolze Schirmherrin und hatte dazu guten Grund: Ab sofort gibt es in der Vereinsvilla an der Goetheallee vier weitere Zimmer für Eltern krebskranker Kinder.

Insgesamt 100 000 Euro haben die Elternwohnungen und ein Musiktherapieraum im Dachgeschoss gekostet. Bis 2016 war dort eine normale Wohnung, deren Mieteinnahmen dem Verein über Jahre halfen, einen Kredit abzuzahlen. Als die Bewohner auszogen, entschloss sich der Vorstand, die Räume für die Vereinsarbeit zu nutzen. Im April 2017 begann die Sanierung. Die große Summe dafür aufzubringen, war trotz des riesigen Unterstützernetzwerkes eine Herausforderung. Eigene Mittel reichten nicht. Die Spardabank stellte 25 000 Euro zur Verfügung und eine Familie spendete das Geld für die Gemeinschaftsküche. Außerdem hat der Verein einen Aufruf gestartet, dem unerwartet viele Helfer folgten. Um zwei der Elternzimmer mit Möbeln und Dekorationen auszustatten, suchte er Einzelspender, die die Kosten für Betten, Schränke, Kommoden, Vorhänge, Lampen, Läufer und vieles mehr übernehmen. Auf diese Weise kamen von
43 Unterstützern insgesamt 7 000 Euro zusammen.

„Die Eltern bleiben bis zu einem halben Jahr bei uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Andreas Führlich. Oft wohne die Mutter während der Behandlung des Kindes beim Sonnenstrahl e.V., an Wochenenden und in den Ferien kommen die Väter und Geschwisterkinder dazu. Sie müssen für die Unterkunft nichts zahlen; Krankenkassen übernehmen 20 Euro pro Nacht, den Rest finanziert der Verein über Spenden. Dass er seine Kapazitäten erweitern muss, liegt an der steigenden Zahl junger Krebspatienten am Dresdner Uniklinikum. Wurden vor vier Jahren noch 60 bis 80 Kinder und Jugendliche neu aufgenommen, beginnen inzwischen etwa 100 neue Patienten pro Jahr eine Behandlung. Die Uniklinik hat sich zum Krebszentrum entwickelt und bietet spezielle Methoden, wie zum Beispiel die Protonentherapie, an. Dafür kommen die Betroffenen aus ganz Sachsen und weiter her. Ihre Angehörigen können nicht ständig zwischen Heimatort und Krankenhaus pendeln und sind auf die Unterkünfte des Sonnenstrahl e.V. angewiesen. Genau wie auf die besonderen Angebote des Vereins. Er steht den Familien auch mit sozialen Beratungen und psychologischer Betreuung bei, veranstaltet Freizeitangebote für die Geschwister der Erkrankten, berät Lehrer, Mitschüler, Freunde, Kollegen und Nachbarn, wenn sie nicht wissen, wie sie mit der schweren Situation umgehen sollen. Und er kümmert sich um eine intensive Nachsorge der Mädchen und Jungen. Dafür wurde das Team gerade mit dem Nachsorgepreis der Deutschen Kinderkrebs-Stiftung ausgezeichnet.

Für seine psychosoziale Arbeit sammelt der Verein am 9. März mit seinem traditionellen Benefizkonzert Spenden. Es startet 19 Uhr in der Kreuzkirche und vereint in diesem Jahr verschiedene Chöre mit der Musik der Klassik-Pop-Band Stilbruch.

Karten zu 14 bis 17 Euro gibt es an allen Ticketkassen.