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Mehr Polizei an Sachsens Grenzen

Bund und Land wollen drei gemeinsame Fahndungs- und Kompetenzzentren schaffen. Bautzen macht den Anfang.

Von Tilo Berger

Bautzen. Ein Zimmer, zwei Schreibtische für Polizisten, an der Wand die Sachsenkarte und diverse Fahndungsfotos. Das gemeinsame Fahndungs- und Kompetenzzentrum der Bundes- und Landespolizei in Bautzen wirkt völlig unspektakulär.

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Aber bisher gab es so ein Zimmer noch nicht in Sachsen. Ein Polizist trägt hier immer die Uniform der Bundespolizei, der andere hat das sächsische Wappen am Hemd. Was der eine weiß, erfährt der andere sofort. Ein mögliches Szenario: Ein mutmaßlicher Straftäter ist in Görlitz in den Zug Richtung Dresden gestiegen. Bahnverkehr, ein klarer Fall für die Bundespolizei. Der diensthabende Bundespolizist im Bautzener Fahndungs- und Kompetenzzentrum weiß: Irgendwo wird der Tatverdächtige den Zug verlassen und vielleicht im Getümmel einer Stadt unterzutauchen versuchen. Hier wird er zum Fall für die Landespolizei. In so einer Situation müssen die Beamten schnell die richtigen Maßnahmen einleiten. Das kostete bisher etliche Telefonate oder Funksprüche, auf jeden Fall aber viel Zeit. Die wird in Zukunft gespart, denn Bundes- und Landespolizei sitzen sich im gleichen Zimmer gegenüber.

Der Ort für dieses Mehr an Kommunikation könnte nicht symbolträchtiger gewählt sein. Im gleichen Gebäude befinden sich auch das Studio von Radio Lausitz, ein Kundenbetreuungszentrum von Vodafone und der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Unterm Strich ist das Gebäude am Rande des Gewerbeparkes Wilthener Straße ein Umschlagplatz für Informationen.

Noch zwei weitere Umschlagplätze sollen Bundes- und Landespolizei in Sachsen bekommen, und zwar 2019 in Chemnitz und Plauen. Auf die Schaffung dieser drei Fahndungs- und Kompetenzzentren hatten sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der sächsische Landesressortchef Roland Wöller (CDU) im Mai dieses Jahres geeinigt. Von den drei Zentren aus könne der ganze sächsische Grenzraum zu Polen und Tschechien beobachtet werden, sagte Wöller am Montag in Bautzen. Bundes- und Landespolizisten wollen dabei eng mit ihren Kollegen in den Nachbarländern kooperieren. Die Zentren seien offen für weitere Partner, sagte Wöller, und nannte konkret den Zoll.

Seehofer kündigte in diesem Zusammenhang mehr Personal für die Bundespolizei in Grenznähe an. Für konkrete Zahlen bat er Jörg Baumbach ans Mikrofon. Der Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna sprach von 120 neuen Beamten im mittleren und gehobenen Dienst, die 2019 in Ostsachsen ihre Arbeit aufnehmen. 40 neue Leute treten bei der Bereitschaftspolizei ihren Dienst an. „Wir wollen mehr sichtbare Polizeipräsenz auf den Straßen“, so Seehofer.